„Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“ besteht seit 15 Jahren

Von: ptj
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Festreden zum 15-jährigen Bestehen vor rund 50 geladenen Gästen: Hier blickt Gabriele Spelthahn, Vorsitzende der Jülicher Gesellschaft, auf wichtige Termine und Aktionen zurück. Foto: Jagodzinska
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Führungen vor den Festreden: Hier zeigt Hubert Rütten (r.) das bedeutende Exponat eines Tora-Wimpels, angefertigt aus Beschneidungswindeln kleiner Jungen. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Weil das LVR-Kulturhaus Landsynagoge und die „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“ schon seit elf Jahren freundschaftlich verbunden sind, lag es nahe, das 15-jährige Bestehen der Gesellschaft mit rund 50 geladenen Gästen im Kulturhaus zu feiern.

Das ergibt Sinn, denn nach Worten von Professor Jürgen Rolle, Vorsitzender des LVR-Kulturausschusses, bedeutet das hebräische Wort Synagoge „Haus der Versammlung“. Zudem gebe es zwischen Jubilar und Kulturhaus viele Berührungspunkte. Beide mühen sich um die lebendige Veranschaulichung des einst reichen jüdischen Lebens im Rheinland. Als weitere Verbindung nannte Rolle die Auszeichnung des langjährigen LVR-Direktors Ferdinand Esser mit dem „Preis für Toleranz, Solidarität und Zivilcourage“ durch die Gesellschaft.

Auch im Vortragstitel „Erinnerungsarbeit für die Zukunft“ des Festredners Dietmar Nietan sieht Rolle wichtige Verbindungspunkte zur museumspädagogischen Arbeit im Kulturhaus. Nietan, SPD-Bundestagsabgeordneter und unter anderen Kuratoriumsmitglied der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ in Berlin und Vorsitzender des „Bundesverbandes der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz“ , hielt eine aufschlussreiche Rede.

Darin betonte er unter anderem die Unverzichtbarkeit eines „universellen, zivilisatorischen Grundkonsenses“ und kam zu folgendem Fazit: „Wenn die Shoa das präzedenzlose Menschheitsverbrechen ist, aus welchem eine universelle Lehre für alle Menschen erwächst, und wenn Auschwitz wie kein anderer Ort auf der Welt für dieses Verbrechen steht, dann kann die Frage der Bedeutung von Auschwitz keine Frage des Gestern, Heute und Morgen sein. Dann ist Auschwitz konstitutiv für das Lernen an dem, was geschehen ist.“

Der Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer sprach als Ehrenmitglied der Jülicher Gesellschaft zur Festgemeinde. Er wünscht, dass sie „in Zukunft auch so viel bewegt wie bisher“ und betonte, wie wichtig es sei, „Akzeptanz, Respekt und Verständnis füreinander zu entwickeln“.

Vorsitzende Gabriele Spelthahn sorgte für den obligatorischen Rückblick über wichtige Termine und breitgefächerte Aktionen, die „eigentlich schon 20 Jahre dauern“, denn schon 1995 gab es den Arbeitskreis „Jüdisches Leben im Jülicher Land“ des Jülicher Geschichtsvereins, der sich zum Ziel gesetzt hatte, eben jenes zu erforschen und seine Spuren wieder sichtbar zu machen. 1996 erfolgte die Umbenennung eines Teils der Grünstraße in „An der Synagoge“. Vor der Kommunalwahl 1999 stimmte der Stadtrat der Errichtung des Mahnmals zu, das schon zwei Jahre später beabsichtigt „im Weg stand, damit die Opfer mahnend in unsere Mitte zurückkehren“.

Die Gründung der Gesellschaft erfolgte am 31. August 2000 und zählte wenige Wochen später 100 Mitglieder. Sie verhindert das Vergessen, fördert Zivilcourage, Solidarität und Toleranz und tritt für die Durchsetzung von Menschenrechten ein. Spelthahn erinnert an fast 370 ermordete Menschen im Jülicher Land, die in der Publikation „Entrechtet – entwurzelt – ermordet“ benannt werden, sowie an „herzliche Begegnungen mit jüdischen Jülichern“, die nach vielen Jahren im Exil ihre Heimatstadt besuchten. Sie rief die vielen Preisträger in Erinnerung, von denen „jeder einzelne viel bewegt hat“. Sie spannte einen Bogen zwischen der Schändung des Jüdischen Friedhofs 2004 und rassistischen Schmierereien zehn Jahre später.

Als Konsequenz wurde die „Jülicher Erklärung“ ins Leben gerufen, die sich für ein respektvolles und solidarisches Zusammenleben verschiedener Glaubensrichtungen und Lebensformen in Jülich einsetzt. Was die Erklärung verheißt, schien bei der Feier in Rödingen selbstverständlich zu sein: Christen, Juden und Muslime ließen sich in Gruppen durch die Ausstellung führen, lauschten den Vorträgen und tauschten sich im Anschluss bei koscheren Häppchen und Getränken aus, die der Rabbiner vorbereitet hatte.

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