Geschichtsverein bewahrt architektonisches Schmuckstück vor Bagger

Von: ptj
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Umwandlung der Koslarer Leichenhalle in eine schmucke Kapelle: Pfarrer Dr. Peter Jöcken (l.) segnete sie ein. Der zweite Vorsitzende Franz Steinbusch (r.) rief den Verlauf der Restaurierungsarbeiten und den Einsatz von Sponsoren und Helfern in Erinnerung. Foto: Jagodzinska

Koslar. Ohne den Geschichtsverein Koslar existierte die Original-Eingangsarchitektur des Koslarer Friedhofs im gemäßtigten Expressionismus bereits nicht mehr. Vor dem drohenden Hintergrund des nahenden Baggers beschlossen der Verein auf seiner Jahreshauptversammlung Anfang Februar 2010, für den Erhalt der „Neuen Architektur“ der 1930er Jahre zu kämpfen.

Einen Monat später stellten die Geschichtsfreunde einen Antrag an den Landschaftsverband Rheinland (LVR). In die Denkmalliste eingetragen wurde der Komplex schon im Juni. In der Begründung wird die Bedeutung der „alleine stehenden Qualitätsarchitektur in ganz originaler Erhaltung“ für den Ort Koslar betont.

Die Architektur aus den 1930er Jahren mit ihrer spezifischen Formensprache ist nach den Ausführungen der Hauptkonservatorin Dr. Angelika Schyma einzigartig in Koslar und in Jülich nur „in sehr geringem Maße“ anzutreffen. Diese Stilrichtung sei für die Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung.

Im Einzelnen handelt es sich um zwei eingeschossige Pavillonbauten aus gleichmäßig besandeten Backsteinen. Ihre zementverputzten Sockel und Gewände (Ausschrägungen) sind grob scharriert. Die Scheiben sind rautenförmig verglast, die Türblätter mit einem Fischgrätmuster versehen. Die mit rotbraunen Hohlpfannen gedeckten Pyramidendächer seien durch „weit vorkragende Kastentraufgesimse durch Aufschieblinge und Abschlussknäufe gegliedert“.

Der von der Straßenseite aus rechte Bau diente als Arbeitsraum für den Friedhofswärter und beherbergt eine Toilettenanlage, die ebenfalls im Originalzustand erhalten werden musste und heute zur Anschauung dient. Dabei handelt es sich um jeweils ein „Plumpsklo“ für Damen und Herren sowie ein langgezogenes Urinal. Der linke Bau diente von 1930 bis 1968 als Leichenhalle und wurde nun in eine schmucke Kapelle umfunktioniert. Die rechteckigen Torpfeiler von Haupttor und Fußgängerpförtchen tragen noch die originalen Gittertore mit großen Steinkugeln als Radabweiser.

Die originalgetreue Restaurierung des Komplexes hat nach Aussage von Franz Steinbusch, 2. Vorsitzender des Geschichtsvereins, rund 35 000 Euro verschlungen. „Wer den schönen Charakter eines Dorfes erhalten will, ist auf Spender angewiesen“, sagte Steinbusch und nannte als Hauptsonsoren die LVR-Denkmalpflege, die Hans-Lamers-Stifung, Familie M. Wirtz, die Sparkasse Düren und die Raiffeisenbank Erkelenz.

Als zertifizierte Unternehmen legten der Bauhof in Koslar, „Johnen“ Jülich, „Prell“ Aldenhoven, „Tetz“ Freialdenhoven, „Schmitz“ Koslar und „Francisco“ Linnich Hand an. Aus dem Geschichtsverein engagierten sich Peter Augustin, Willi Dohmen, Bernd Frey, Bernd Granderath, Franz-Josef Werths, Martha und Franz Steinbusch. Weitere Sponsoren waren Leo Herzmann, Marieluise Dohmen und Nelli Cremer.

Im Rahmen eines Wortgottesdienstes segnete Pfarrer Dr. Peter Jöcken im Kreise einiger Gäste die schmucke Kapelle ein. Sogleich wurde dort fleißig gebetet und gesungen.

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