Geschichten einer Flucht: Missio-Truck macht Station in Ralshoven

Von: ptj
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„Missio Truck“-Mitarbeiterin Rebekka Koch lässt die in Zweiergruppen eingeteilten Besucher im Einführungsraum ihren Avatar auswählen. Foto: Jagodzinska

Titz. Was nehme ich mit, wenn ich „mein Leben zusammenpacken muss“, weil in meinem Land Bürgerkrieg herrscht und die terrorisierenden Milizen im Kampf um seltene Rohstoffe grausamste Menschenrechtsverletzungen begehen? Sind Wasser, Nahrung oder Kleidung am wichtigsten, oder doch Handy, Pass oder Zeugnis?

Der Missio-Truck zum Thema „Menschen auf der Flucht“ hatte mit seiner multimedialen Ausstellung für Jugendliche und Erwachsene neben der Ralshovener Kapelle an der Landstraße Station gemacht.

Ein durchaus passender Standort, denn der kleine Ort hat nach Bekunden von Gemeindereferentin Hildegard Storch mit 12 Prozent den größten Flüchtlingsanteil in der Gemeinde. Anlass war die geistliche Oktav der Kapellengemeinde zum Motto „Die eine Erde für alle Menschen“. Frauengemeinschaft, Firmlinge, Schützen und ehrenamtliche Helfer „in der Arbeit für unsere geflüchteten Geschwister“, wie Pfarrer Dieter Telorac es ausdrückte, aber auch einige Passanten durchliefen sechs Fluchtstationen. Mit einer Identitätskarte mit Scanfeld in Händen schlüpften sie in die Haut von einer der acht beispielhaften Biografien, darunter jeweils vier junge Frauen und Männer.

Bomben und schreiende Menschen

Etwa als der 22-jährige Markthändler Ntumba aus dem Ostkongo, dessen Eltern ein kleines Feld besitzen. Er verkauft deren Waren auf dem Markt und träumt davon, bald in den Coltan-Minen zu arbeiten und Geld zu verdienen. Doch der Bürgerkrieg zwingt zur überstürzten Flucht und der Trennung von seiner Familie.

Zu Einführung dient im Truck eine Marktszene mit Alltagsutensilien, Obst, Gemüse, Waschmitteln und bunten Stoffen. Der nächste Raum empfindet mit Kreuz und Kniebank eine Kirche nach, in der ein Kongolese auf einem Bildschirm von seiner Angst spricht. Auf seitlichen Monitoren erleben die in Zweiergruppen eingeteilten Besucher das beklemmende Anrücken der Soldaten mit, Bombenfeuer sind zu sehen, schreiende Menschen.

Jetzt trifft der Ntumba-Darsteller elektronisch lebenswichtige Entscheidungen, was er in sein kleines Bündel packt. Diese werden mit Hilfe eines Punktesystems auf Zukunftsfähigkeit bewertet. Hinter der Luke wartet in einem beängstigend schmalen Raum eine Lkw-Attrappe auf einem Boden aus spitzen Steinen.

Die gestaute Hitze im Truck vermittelt ein Afrika-Feeling. Der Fahrer auf dem Bildschirm nimmt Ntumba ein Stück mit und rät ihm: „Gehe nur nachts und versteck‘ dich am Tage“. Der Marktverkäufer findet in Nairobi im Haus von Tante Majenga Unterschlupf, sein Leben ist gerettet. Doch was nun? Die Preise für eine eigene Bleibe sind zu hoch. Gelegenheitsjobs bedeuten viel Arbeit für wenig Geld, Fremde sind nicht willkommen. Ntumba ist verzweifelt: „Du sitzt alleine auf den Stufen im Treppenhaus.

Immer wieder kommen Erinnerungen in dir hoch: Schmerzen, die lange Flucht, Tage und Nächte im Wald. Du zitterst am ganzen Körper. An Schlafen ist nicht zu denken“. Im nächsten Raum werden Handlungsmöglichkeiten kirchlicher Partner aufgezeigt, etwa Soforthilfe, Traumaarbeit, Inklusionsförderung. Gleichzeitig wird die Lebensleistung der Flüchtenden herausgestellt, die auch in widrigen Umständen Würde bewahren. Am Ende zieht der Besucher die Schublade mit dem Namen seines Avatars auf und erfährt: „Ntumba ist nun in Sicherheit. Er wurde registriert und kann sich ein neues Leben aufbauen“.

Nun werden konkrete solidarische Aktionsfelder aufgezeigt. „Ich finde das gut, den Leuten mal zu zeigen, wie so eine Flucht aussieht“, kommentierte der 16-jährige Yannick Pungg aus Opherten den Missio-Truck. „Eigentlich habe ich mir das so vorgestellt. Man liest und hört ja viel in den Medien“, gab er bereitwillig Auskunft. Im Anschluss tauschten sich die Firmlinge mit Diakon Martin Schlicht aus Eschweiler aus, der für die seelsorgerische Betreuung der Flüchtlinge in der Region zuständig ist.

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