Geschichte: Kurfürstin aus dem Haus der Medici investierte in Kunst

Von: ptj
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Buchvorstellung im „Garten des früheren Klosters vom Heiligen Grab“, nämlich der Christinastube: Professor Günter Bers präsentiert „Neue Beiträge zur Jülicher Geschichte“ und referiert über „Die Kabinettskassenrechnungen der Kurfürstin Anna Maria Luisa von der Pfalz“ (1667 -1743). Foto: Jagodzinska

Jülich. Zur Buchvorstellung hatte die Joseph-Kuhl-Gesellschaft erneut in den „Garten des früheren Klosters vom Heiligen Grab“ geladen, wie Vorsitzender Professor Günter Bers es ausdrückte, nämlich in die Christinastube.

Anlass waren „Neue Beiträge zur Jülicher Geschichte“, bereits in der 29. Auflage. „Unsere selbstgestellte Aufgabe ist es, im wissenschaftlichen Bereich für neue Publikationen zu sorgen“, stellte der Professor die Kernaufgabe der Gesellschaft heraus. Die aktuelle Veröffentlichung beinhaltet vier Aufsätze und zwei Dokumentation zu Teilaspekten der Herzogstadt.

Sechs kleinere Beiträge befassen sich mit dem „weiteren Bereich des Herzogtums Jülich“. Ein Aufsatz aus Bers Feder hat die „Errichtung eines Kriegerdenkmals in der Jülicher katholischen Pfarrkirche“ (1926) zum Inhalt, das für „ewige Zeiten“ gedacht war, aber nur 18 Jahre existierte.

Interessant ist auch die Tatsache, dass „die jeweiligen Konfessionen eigene Denkmäler gehabt haben“. Erst die Juden, dann die Protestanten, zuletzt die Katholiken.

Die zweite Abhandlung von Stadtarchivar Dr. Horst Dinstühler thematisiert das „Jülicher Sonntagsblatt“, das von 1927 bis 1939 als Wochenendbeilage des Jülicher Kreisblattes „wohl nahezu jede katholische Familie von Stadt und Umgebung erreichte“, also mindestens 90 Prozent der städtischen Bevölkerung.

Vor Erscheinen des Kreisblattes firmierte nicht der Verlag Josef Fischer, sondern die „katholische Geistlichkeit des Kreises Jülich“ als Herausgeber. Dinstühler bezeichnet Fischer unter anderem als „national denkenden Mann, wie viele Führergestalten des Katholizismus“.

In der Präsentation wie im Buch selbst betonte Bers aber, dass er sich mit „einigen seiner (Dinstühlers) Urteile hinsichtlich des politischen Katholizismus nicht identifizieren kann“.

Thema des dritten beispielhaft erwähnten Aufsatzes sind die „Aktivitäten einer NS-Lehrerorganisation in Jülich und Umgebung 1933 und 1935“ zur „Aktivierung der Heimatidee“, verfasst von Dr. Karl-Dieter Dahmen.

Damit die Mitglieder der Joseph-Kuhl-Gesellschaft „nicht nur ihr Buch abholen“, krönt jeweils ein Referat die Veranstaltung. Referent Bers stellte eine fast einzigartige Quelle vor, die bislang von Historikern und Kulturwissenschaftlern nur unzureichend genutzt werden konnte. „Die Kabinettskassenrechnungen der Kurfürstin Anna Maria Luisa von der Pfalz“ (1667 -1743), in drei Bänden herausgegeben von Dr. Jürgen Rainer Wolf. Solcherlei Quelleninformationen seien „das Salz in der Suppe für die wissenschaftliche Forschung“.

Die vorliegenden, gefunden von Hermine Kühn-Steinhausen als Archivarin im vatikanischen Archiv, zeigten laut Bers, wie „persönliche, politische und sachliche Informationen miteinander verwoben sind“. Die Essenz des Vortrags war kurz zusammengefasst das regionale Erbe der Kurfürstin Anna Maria Luisa von der Pfalz, die letzte aus dem reichen florentinischen Hause der Medici.

Gut ein Vierteljahrhundert residierte sie in Düsseldorf, und zwar als Gemahlin von Herzog Johann Wilhelm zu Jülich-Berg und gleichzeitig Kurfürst von der Pfalz. Dem fürstlichen Ehepaar ist eine ungeheure Blüte der Künste am Rhein zu verdanken.

Als eine Art der „Investmentpolitik“ hortete die Kurfürstin „Textilien aller Art, Spiegel und Edelsteine“, zeigte aber auch ein „großes soziales Herz“. Zentrale Quelle sind besagte Kabinettskassenrechnungen, die im Staatsarchiv Florenz erhalten sind.

In großer Dichte dokumentieren sie private Ausgaben, darunter auch Patenschaften und fromme Stiftungen, unter anderem auch für die örtlichen Klöster im Jülicher Land.

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