Geschäftsmäßger Blick aufs Buch mit Reinhold Joppich

Von: bw
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In seiner Lesung in der Stadtb
In seiner Lesung in der Stadtbücherei Jülich gewährte Reinhold Joppich Einblick in die Arbeit in einem großen Verlagshaus. Foto: Wickmann

Jülich. Beim Besuch einer Buchhandlung ist wohl jedem Kunden schon die enorme Menge an Neuerscheinungen aufgefallen. Doch es ist nicht immer erkennbar, nach welchem Verfahren die Verlage ihre Autoren und die Themen auswählen. Dieses Hintergrundwissen konnten sich interessierte Buchleser nun in der Stadtbücherei Jülich aneignen.

Reinhold Joppich vom Verlag Kiepenheuer und Witsch aus Köln erklärte in seiner Lesung die Geschichte des Buchhandels und, wie aktuelle Bestseller entstehen. „Wir bekommen täglich zahlreiche Manuskripte junger Autoren zugesandt, können aber leider nur einen sehr kleinen Teil für eine Buchveröffentlichung verwenden”, erklärt Joppich.

Zunächst überprüft ein Lektor die Themenwahl. Zudem beurteilt er, ob der Schreibstil qualitativ hochwertig ist. Hat das Thema des Textes eventuell einen Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen, könnte dies natürlich im Falle einer Buchveröffentlichung verkaufsfördernd wirken. Teilweise werden Manuskripte auch von Agenturen an den Verlag geschickt, die im Auftrag der Autoren handeln. „Natürlich können wir vor der Veröffentlichung eines neuen Buches nie ganz genau sagen, wie es sich später verkaufen wird. Manchmal kann man mit Prognosen ziemlich daneben liegen”, erklärt Joppich weiter.

Aurorenbetreuung

Einmal pro Woche setzen sich alle Lektoren in einer Runde zusammen und besprechen die neu eingegangenen Manuskripte auf ihre Tauglichkeit für den Buchmarkt. In seiner Aufgabe als Vertriebsleiter sucht Joppich nicht nur die neuen Bücher mit aus, sondern betreut auch die zahlreichen unter Vertrag stehenden Autoren bei Lesungen. In seiner langjährigen Tätigkeit für den Verlag hat er unter anderem mit Heinrich Böll, Frank Schätzing oder Günter Wallraff zusammengearbeitet.

Den aktuell debattierten Niedergang des klassischen Buches will Joppich nicht bestätigen. Das E-Book sei zwar in den letzten Jahren auf dem Vormarsch, aber insgesamt seien die Absatzzahlen des klassischen Buches stabil. Zur Wehr setzt sich Joppich gegen jede Bestrebung zur Aufhebung der Buchpreisbindung, da diese auch den Lebensunterhalt der Autoren sichert.

Insgesamt zieht Verlagsmitarbeiter nach fast 30 Jahren Tätigkeit als Vertriebsleiter das Fazit, dass neu erschienene Bücher kurzlebiger geworden sind. Besonders gebundene Ausgaben sinken rasch in den Verkaufszahlen, wohingegen Taschenbücher länger das Kundeninteresse wecken. Jungen Autoren rät er, sich in literarischen Zirkeln zu engagieren oder vielleicht kurze Geschichten in Zeitungen zu veröffentlichen, um einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Vor allem ist viel Geduld gefragt, und ein vom Verlag zurückgesendetes Manuskript bedeute nicht, dass der Text automatisch schlecht ist, sondern einfach nur, dass er nicht in das Gesamtkonzept des Verlages passt.

Begeistert aufgenommen

Die Besucher der Jülicher Lesung hatten nach dem Vortrag die Möglichkeit, Fragen zu allen Bereichen der Verlagsarbeit zu stellen und konnten an literarischen Rätseln teilnehmen. Alle Anwesenden zeigten sich begeistert über den Blick hinter die Kulissen des Buchhandels.
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