Gesamtschule Linnich fiebert Gesetzesänderung entgegen

Von: Otto Jonel
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Platz dürfte das geringste Pr
Platz dürfte das geringste Problem bei der Einrichtung der Gesamtschule sein. Sowohl Linnich als auch Aldenhoven sind mit Schulgebäuden gut aufgestellt. Foto: Jonel

Linnich. Eine Woche der gespannten Erwartung liegt vor den Schul-Bewegten in Aldenhoven und Linnich. Am 7. November wird eine Entscheidung im Düsseldorfer Landtag erwartet, die maßgeblich die Planung zur Einrichtung der Gesamtschule Aldenhoven-Linnich beeinflussen wird.

Wird, wie erhofft, eine Änderung des Schulgesetzes dahingehend verabschiedet, dass in Aldenhoven und Linnich einer vertikal gegliederte Gesamtschule möglich ist? Linnichs Bürgermeister Wolfgang Witkopp sieht klare Signale der Landesregierung, dass genau das so eintreten wird. „Zwei dreizügige Standorte sollen nach der Gesetzesänderung möglich sein”, sagte er im Schulausschuss. Dann könnten an beiden Schulstandorten beispielsweise Fünftklässler unterrichtet werden. Gegenwärtig lässt die Gesetzeslage das nicht zu oder nur dann, wenn die Gesamtschule siebenzügig gefahren würde.

Dass da noch viel Interpretationsspielraum ist, wird in einem Schreiben der Bezirksregierung Köln an Aldenhovens Bürgermeister Lothar Tertel deutlich. Darin gibt Regierungsdirektorin Marianne Moors ihre Einschätzung wieder, dass auch bei einer Gesetzesänderung die vertikale Gliederung der Gesamtschule Aldenhoven-Linnich „mit zwei Standorten in vertikaler Teilung und sechs Zügen ... nicht genehmigungsfähig wäre, da die notwendigen Schülerzahlen für die Einrichtung von sechs Zügen, die nach § 82 Abs. 1, 2. Halbsatz Schulgesetz NRW auf einen Zeitraum von fünf Jahren prognostisch realistisch sein müssen, nicht erreicht werden”.

Ganz anders die Einschätzung von Bürgermeister Witkopp. „Bis zum Jahr 2022 können wir nachweisen, dass unsere Schüler die Schule sechszügig füllen können.” Und er ging noch einen Schritt weiter. „Ich habe die Befürchtung, dass wir mit unseren Schülern ausgelastet sein werden und kaum Kinder aus anderen Kommunen aufnehmen können.”

Das wiederum beurteilte CDU-Sprecher Leo Cremer völlig anders. Die Christdemokraten befürchten, dass nicht sechs, sondern nur vier Klassen mit Schülern besetzt werden könnten. Außerdem gebe es Signale. dass Aldenhoven nicht nur die Klassen 5 bis 8, sondern auch noch die 9. Klasse „haben will”. Der Grundsatz „kurze Beine, kurze Wege” sei dann hinfällig. Die Linnicher Kinder müssten pendeln.

Dem wurde von SPD-Fraktionschef Hans-Friedrich Oetjen und seinem Pendant bei der PKL, Michael Hintzen, wie auch von Verwaltungsseite klar widersprochen. Derlei Details seien definitiv noch nicht entschieden. Natürlich, so der Bürgermeister auf Nachfrage aus der CDU, würden von den Planern die vorhandenen Möglichkeiten auf Unterbringung von Gesamtschulklassen untersucht und Belegungen gedanklich durchgespielt. Eine Festlegung bedeute das freilich nicht.

Bemerkenswert an der Diskussion im Linnicher Schulausschuss war ein mehrfach betonter Aspekt: Eine vertikal gegliederte Gesamtschule findet augenscheinlich ungeteilte Zustimmung. Das betonte neben FDP-Fraktionssprecher Dr. Klaus Selter auch Leo Cremer für die CDU. „Da würde ich sofort zustimmen.” Beide aber erklärten unmissverständlich, dass eine völlig neue Situation entstünde, wenn nur eine horizontale Gliederung genehmigt werde. Beide Kommunen werden aber eindeutig die vertikale Gesamtschule beantragen.

Unüberhörbar war die Verstimmung in Linnich über manche Reaktion aus umliegenden Schulstandorten. Als erstaunlich befand Witkopp, dass ausgerechnet die Willy-Brandt-Gesamtschule Übach-Palenberg, die von einer großen Zahl Linnicher Schülern besucht wird, keine Einwände gegen eine Aldenhovener-Linnicher Gesamtschule erhebt. Bemerkenswert seien die „deutlichen Beschwerden von der Gesamtschule Niederzier-Merzenich und den Gymnasien in Jülich” sowie, wie Hitzen betonte, aus Titz. Gerade für die Jülicher Beschwerden zeigte Witkopp wenig Verständnis. Mit welchem Recht sichere sich Jülich mit 30 000 Einwohnern vier Oberstufen, und Aldenhoven, und Linnich sollten bei 28 000 Einwohner und keine Oberstufe haben? Das erschließe sich ihm nicht.

In seinem Beschluss blieb der Linnicher Schulausschuss „offen”. Da jede Entscheidung in Sachen Gesamtschule von der Gesetzesänderung am 7. November abhänge, verläuft die Vorbereitung dieser Schule bis dahin wie geplant. Die beiden Räte in Linnich und Aldenhoven tagen am 8. November - und entscheiden dann vor aktuellem Gesetzeshintergrund.
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