Jülicher Land - Gesamtschule: Gelingt der zweite Anlauf?

Gesamtschule: Gelingt der zweite Anlauf?

Von: ojo/gep/hfs./vpu
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Gefragter Schulnachwuchs: Wo gibt es künftig welche Schulform? Das entscheidet sich bald. Foto: Uerlings

Jülicher Land. Gleich in vier Kommunalparlamenten stand am Donnerstag die Entwicklung der Schullandschaft im Nordkreis Düren auf der Tagesordnung. Die Räte in Linnich und Aldenhoven entschieden sich dafür, einen zweiten Anlauf der gemeinsamen Gesamtschule nunmehr offiziell auf den Weg zu bringen. Die Elternbefragung in beiden Kommunen hatte 108 Befürworter ergeben – 100 mussten es sein.

Der Stadtrat Jülich erteilte einer Zweigstelle der Sekundarschule in Titz eine Absage. Gleichwohl gab es eine Mehrheit dafür, einer möglichen Primusschule in Titz insofern zu helfen, dass in Einzelfällen Jülicher Kinder eine solche Schule besuchen könnten. Ob es dazu kommt, ist fraglich, denn die Kommunalpolitiker in Titz beurteilen die Erfolgschancen einer Primusschule äußerst skeptisch.

Stadtrat Linnich: In Frage nach der Entwicklung des Schulwesens in Linnich sind die Reihen nicht mehr so geschlossen, wie sie es vor einem Dreivierteljahr vor dem ersten Versuch zu Errichtung einer Gesamtschule gemeinsam mit Aldenhoven waren. Bei der Entscheidung am Donnerstag, ob ein zweiter Versuch zum Schuljahr 2014/15 unternommen wird, stand eine starke Mehrheit (20 Ratsvertreter) hinter diesem Beschluss, aber vier stimmten dagegen, fünf enthielten sich.

Bürgermeister Wolfgang Witkopp, Befürworter der Gesamtschulkooperation, stützte sich auf das Ergebnis der noch frischen Auswertung der Elternbefragung. „Von 108 Linnicher Eltern sprechen sich 53 für die vorgeschlagene Gesamtschule aus.“ Da durchweg 50 Prozent aller Eltern ihr Kind zum Gymnasium schickten, „haben wir geradezu ein Punktlandung aller Eltern, die sich nicht für das Gymnasium entscheiden“, sagte Witkopp.

Das beurteilte Gesamtschulkritiker Hans-Willi Dohmen, CDU-Fraktionschef, anders. „Es kündigt sich ein weiteres Desaster bei der Entwicklung der Schullandschaft Linnich an.“ Dohmen bewertete die Zahlen der Elternbefragung als nicht aussagekräftig, zumal der Rücklauf bei 454 angeschriebenen Eltern keinen Anlass zu Euphorie böte. Auf Basis des Mehrheitsbeschlusses zur Errichtung einer Gesamtschule 2014/15 werden Aldenhoven und Linnich bei der Bezirksregierung umgehend den Antrag stellen und um die Genehmigung eines vorgezogenen Anmeldeverfahrens ersuchen.

Gemeinderat Aldenhoven: Mit nur einer Gegenstimme (des CDU-Fraktionsvorsitzenden Reinhard Paffen) gab der Rat grünes Licht für die Gesamtschule, die im Sommer 2014 in der jetzigen Realschule starten soll. Die Bedenken aus der Nachbarschaft, u.a. von der Stadt Jülich, Mädchengymnasium, Haus Overbach und dem Kreis Düren, wurden zurückgewiesen, da die notwendigen Schülerzahlen für die Gesamtschule ausschließlich mit Linnicher und Aldenhovener Schülern erreicht würden. „Deshalb sieht der Gemeinderat keine Gefährdung des Schulbestandes der Nachbarkommunen.“ Doch wird es erneut ein Moderationsverfahren bei der Bezirksregierung Köln geben. Paffen bemängelte Lücken bei der anlassbezogenen Schulentwicklungsplanung, beim künftigen Schülertransport und den Kosten der künftigen Inklusion. Er warnte vor Verfahrensfehlern. Darauf würden sich die Gegner „einschießen“. Nach Einschätzung der SPD dürften die Anmeldungen reichen. Laut FWG war bei der Elternbefragung „nicht mehr zu erwarten“. Die CDU-Forderung, den Beschluss zu vertagen, wurde abgelehnt.

Gemeinderat Titz: Noch ist der letzte Sargnagel im Kampf um den Erhalt der Sekundarstufe I in Titz nicht eingeschlagen. Doch wurden Bürgermeister Jürgen Frantzen, um weiter bildlich zu sprechen, bereits Hammer und Nägel in die Hand gedrückt. Denn die als Lösung angedachte dreizügige Primusschule wird nicht kommen. Daran dürfte sich auch nichts in der Ratssondersitzung am Mittwochabend (24. Juli/19.30 Uhr) ändern, die nun von Bündnis 90/Grüne beantragt wurde.

Ernüchterung herrschte im Titzer Rathaus, als Frantzen das Ergebnis des Info-Abends zur möglichen Einführung der Primusschule 2014 / 2015 erläuterte. Man stelle mit Bedauern fest, dass die Bemühungen der Gemeinde, ein Angebot im Bereich der weiterführenden Schulen zu erhalten beziehungsweise aufzubauen, derzeit keine Chance hätten. Beim Elternvotum gab es bei knapp 28 Prozent Wahlbeteiligung zwar 78 Prozent Zustimmung, aber die absoluten Zahlen reichen nicht.

Da auch die Schulkonferenz der Gemeinschaftsgrundschule Titz mit 6:5-Stimmen bei einer Enthaltung für die Primusschule votierte, was sehr knapp ist, „erscheint es nicht sinnvoll, eine derart umfassende Veränderung der Titzer Schullandschaft vorzunehmen“, meinte Frantzen. Da beim Gespräch mit dem Schulministerium die Dreizügigkeit im Vordergrund gestanden habe, „eine ausnahmsweise zweizügige Errichtung mit 50 Kindern zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber zurückhaltend diskutiert“ wurde, empfehle man, von einer Antragstellung der Primusschule zum Schuljahr 2014/2015 abzusehen. Auch wenn CDU, SPD und FDP dies „schweren Herzens“ mittragen wollten, beantragten die Grünen eine Sondersitzung des Schulausschusses. „Denn wenn wir jetzt voreilig der Beschlussempfehlung folgen, ist das der Ausverkauf der Gemeinde Titz“, meinte Andreas Leßenich.

Stadtrat Jülich: Qualität sei entscheidend, da waren sich zahlreiche Schulpolitiker in Jülich einig. Und die noch junge Sekundarschule mit einer Außenstelle zu versehen, gehe zu Lasten der Qualität. Daher erteilte man der Möglichkeit, eine Dependance in Titz zu gründen, eine Absage, was der Stadtrat kurz darauf absegnete. Man wolle Titz dennoch helfen, ohne die Grundschule in Welldorf zu gefährden. Daher gab es bei fünf Nein-Stimmen eine breite Mehrheit für eine „limitierte Schulvereinbarung“ zur möglichen Titzer Primusschule. Bedeutet: In Einzelfällen dürfte die Gemeinde Titz interessierte Jülicher Kinder mitzählen, um die erforderliche Zustimmungsquote zu erreichen. Dazu – siehe Bericht aus dem Gemeinderat Titz – wird es aber mutmaßlich gar nicht kommen.

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