Gesamtschule: Freude über Elternvotum

Von: gep
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Blick in die Mensa der Aldenhovener Realschule: In diesem Gebäude nimmt die Gesamtschule im Sommer ihren Betrieb auf. Foto: gep

Aldenhoven/Linnich. Die Parteien in der Gemeinde Aldenhoven und der Stadt Linnich begrüßen nahezu einhellig das Eltern-Votum für die Gesamtschule. Wie die Bezirksregierung Köln am Mittwoch bestätigte, „ist die Gesamtschule zustande gekommen“ mit 116 Anmeldungen. Nach Angaben des Aldenhovener Bürgermeisters Lothar Tertel wurden 110 Kinder aus den beiden Schulträger-Kommuunen angemeldet. Mit 116 sei die Kapazitätsgrenze erreicht. Die Bezirksregierung werde jetzt umgehend einen kommissarischen Gesamtschulleiter bestellen.

Langfristige Verantwortung

„Mit großer Erleichterung und Freude“ habe die CDU Aldenhoven die Zahl der mehr als 100 Anmeldungen zur Kenntnis genommen, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Georg Krapp. Das Vertrauen der Eltern stelle „eine Verantwortung und Verpflichtung für die Zukunftssicherung“ der beiden Schulstandorte dar. Jetzt gelte es, die Gesamtschule „in einen langfristigen Betrieb zu überführen“. Dabei müsse die schulische Qualität auf einem hohen Niveau im Vordergrund stehen. „Die Nachhaltigkeit ist meine große Sorge“, so der scheidende Fraktionschef Reinhard Paffen.

Hans-Willi Dohmen, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Linnicher Stadtrat, respektiert den zum Ausdruck gekommenen Elternwillen. Er bedauert aber, dass der Schulstandort Linnich nicht gesichert sei. Denn die Klassen 5 bis 8 würden in Aldenhoven unterrichtet, die Klassen 9 bis 13 in Linnich. Wenn die Schülerzahlen in der Oberstufe zu klein seien, „wird es kritisch. Dann gucken wir in die Röhre“. Deshalb habe sich die Linnicher Union, nachdem kein „Meinungswettbewerb“ über die Schulformen zustande gekommen sei und man sich auf die Gesamtschule kapriziert habe, seinerzeit für eine vertikale Gesamtschule ausgesprochen, in der die Jahrgänge 5 an beiden Standorten eingeschult worden wären.

Doch dafür fanden sich im Jahr 2013 nicht die erforderlichen 125 Anmeldungen, es waren nur 85. Dohmens Fazit am Mittwoch: „Wir fürchten um den Schulstandort Linnich.“ Und die Rurstadt gerate zudem auf dem Feld der interkommunalen Zusammenarbeit in die „Isolierung“, befürchtet er mit Blick auf Vorbehalte der Nachbarkommunen gegen die jetzt beschlossene Gesamtschule.

„Aldenhoven und Linnich haben wieder eine Zukunft“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wählergemeinschaft (FWG) Aldenhoven, Dieter Froning, mit Blick auf den zweiten und schließlich erfolgreichen Anlauf. Dafür hätten sich seit fast vier Jahren „die FWG und andere Fraktionen“ eingesetzt. „Das Ergebnis ist ein hervorragendes Beispiel für eine parteienübergreifende und interkommunale Zusammenarbeit. Hiervon werden wir in Zukunft noch mehr brauchen“, so Froning.

Nach Einschätzung der Linnicher FDP ist damit „nach einem Jahr Bangen der Schulstandort Linnich langfristig gesichert“. Das habe, so die schulpolitische Sprecherin der Fraktion, Henny Selter, „oberste Priorität bei der Entscheidung für die Gesamtschule gehabt“. Der Forderung nach individueller Förderung unterschiedlich begabter Schüler und Schülerinnen trage diese Schulform Rechnung. Die Eltern hätten für eine „zukunftsfähige Lösung“ votiert.

Mit der Gesamtschule, so der Fraktionsvorsitzende der Parteilose Kandidaten Linnich (PKL), Hartmut Mandelartz, werde es sicherlich gelingen, den Schulstandort Linnich „noch für lange Zeit zu sichern“. Die Eltern hätten nicht nur eine Entscheidung für ihr Kind, sondern auch für die kommenden Jahrgänge getroffen, die nun die Möglichkeit hätten, alle Schulabschlüsse vor Ort machen zu können. Für den Fraktionsvorsitzenden der Freien Liberalen in Aldenhoven, Willi Zander, ist die Gesamtschule „die einzig richtige Schule“ für die beiden Kommunen. Er erwarte nach dem ersten Jahr großen Andrang auch von auswärts, die Gesamtschule werde „ein Selbstläufer“ im Nordkreis. Vorbehalte aus den Nachbarkommunen wies er als „engstirnig“ zurück, dort sei man nur „auf das eigene Wohl“ bedacht.

Bedenken gegen das Aldenhoven-Linnicher Projekt hatten im Vorfeld die Kommunen Alsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Jülich, Übach-Palenberg und Niederzier sowie der Kreis Düren, das Gymnasium Haus Overbach in Barmen und das Mädchengymnasium Jülich geäußert.

Die Bezirksregierung hatte die Einwände, andere Schulen würden in ihrem Bestand gefährdet, zurückgewiesen. Denn bei einer Abwägung „braucht derjenige, der ein Vorhaben in sonst zulässiger Weise plant, seine eigenen berechtigten Interessen nicht deshalb zurückzustellen, um gleichwertige fremde Interessen zu schonen“. Ferner, so hieß es in Köln, falle ins Gewicht, dass mit einer Gesamtschule im Ganztagsbetrieb „eine Lücke im Schulangebot“ des Nordkreises geschlossen werde.

Mit Einrichtung der Gesamtschule werden die Gemeinschaftshauptschule (GHS) Aldenhoven, die Käthe-Kollwitz-Realschule Aldenhoven, die GHS Linnich sowie die Realschule Linnich auslaufend aufgelöst. An den Schulen werden jetzt keine neuen Eingangsklassen mehr gebildet.

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