Genüssliches Entgräten beim politischen Aschermittwoch

Von: Otto Jonel
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Im „roten” Dorf Boslar hieß
Im „roten” Dorf Boslar hieß Hans-Friedrich Oetjen (stehend) die sozialdemokratischen Mitstreiter aus dem Stadgebiet Linnich zum politischen Fischessen ebenso willkommen wie die Genossinnen und Genossen aus dem Foto: Jonel

Boslar. Boslar ist nicht Vilshofen, aber gemeinsam hatten die beiden so unterschiedlichen Orte am Mittwoch eines: In ihnen speisten Sozialdemokraten Fisch und nahmen gepflegt ein süffiges Getränk zu sich und süffisant den politischen Gegner zur Brust.

Bei der Traditionsveranstaltung der Linnicher SPD waren im zweijährigen Wechsle diesmal wieder die Parteifreunde aus dem Unterbezirk Düren mit von der Partie, allen voran Bundestagsabgeordneter Dietmar Nietan, „der sich in den letzen Jahren etwas rar gemacht hatte”, wie ein gut aufgelegter Hans-Friedrich Oetjen bemerkte.

Mit Boslar und dem Pfarrheim als Veranstaltungsort hatte die Linnicher Gastgeber eine sinnige Wahl getroffen. Der kleine Ortsverein Boslar hatte in Eigenleistung ein schmackhaftes Büffet zusammengestellt. Außerdem habe der Ort in Manfred Neukirchen einen roten Ortsvorsteher, der von einer satten Mehrheit der Dorfbewohner getragen werde, wie Oetjen den Parteifreunden aus Düren oder Jülich eröffnete.

„Sie sitzt da.”

Wichtiger aber als der Fisch ist am politischen Aschermittwoch aber die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner. Im vergangenen Jahr hatte Marion Schunck-Zenker den Erzrivalen im Linnicher Stadtrat, die CDU, mit den Worten „Sie findet nicht mehr statt.” miniaturisiert. Heuer setzte Oetjen genau da an. „Sie findet wohl statt. Sie sitzt da.”

Passend zu dieser Einschätzung setzte sich Oetjen in seiner Abrechnungsrede weit mehr mit einem einstigen Kooperationspartner auseinander als mit der christdemokratischen Riege. Seine Einschätzung nach der geplatzten Regierungskooperation der drei Fraktionen SPD, PKL und Grüne vor einem Jahr: „Seitdem ist es für mich und Euch viel ruhiger geworden.”

Langatmige Diskussionen mit Absprachen, die „fünf Minuten vor einer Sitzung” per Kehrtwendung gekippt würden, gehörten der Vergangenheit an. Mit Beispielen gescheiterter PKL-Vorstößen - Neubau des Sportplatzes in Gereonsweiler, Zusammenlegungen von Löschgruppen - bekam der einstige Partner sein Fett weg.

Reizfigur der Linnicher Genossenschaft ist seit Jahren der Bürgermeister. Die Kritik an Wolfgang Witkopp gipfelte in der Einschätzung: „Er tut nicht, was für die Stadt wichtig ist, sondern nur das, was seinem Ansehen dient.” Verantwortungslos sei zudem sein Umgang mit dem Beigeordneten der Stadt.

Zur positiven Leistungsbilanz der SPD zählte Oetjen unter anderem die Erweiterung der Windkraftkonzentrationszonen, das beauftragte Organisationsgutachten der Verwaltungsarbeit und die Hallenbadsanierung. Das könne die SPD nicht allein entscheiden, aber die neun Mandatsträger bemühten sich mit aller Überzeugungskraft um Mehrheiten. Die wünschte sich Oetjen auch in den anstehenden Haushaltsberatungen. in denen gehe immerhin darum, zumindest für die nächsten drei Jahre aus dem Nothaushalt heraus zu kommen, um wieder handlungsfähig zu sein.

Ähnlich wie die Linnicher Genossen auf kommunaler Ebene bewertete Dietmar Nietan die politische Situation auf Landesebene. Dort verfüge die SPD um Hannelore Kraft ebenfalls nicht über die Mehrheit, erweise sich aber als Motor. „Sie hat in anderthalb Jahren mehr erreicht als die Landesregierungen in Jahren zuvor.”

Auf Bundesebene sei die SPD noch nicht so weit, meinte Nietan. „Im Bund können wir noch nicht von Abstimmungserfolgen reden.” Aber es gebe Anzeichen, dass der bewegende Einfluss der Sozialdemokraten - wenn auch wie aktuell bei der Kandidatenwahl zum Amt des Bundespräsidenten - im 2. Anlauf Niederschlag finde.

Erstmals öffentlich ging Nietan auf die weitere Nutzung des ehemaligen Polizeiausbildungsinstituts in Linnich ein. Er sagte den Linnicher Genossen zu, sich auch weiterhin einzubringen, dass eine für Linnich wichtige Lösung „in trockene Tücher kommt”.
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