Jülich - Generalprobe für den Evangelischen Kirchentag

Generalprobe für den Evangelischen Kirchentag

Von: ptj
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Der erstklassische musikalische Zwischenstopp des Landesjugendposaunenchors in der Christuskirche auf dem Weg zum Evangelischen Kirchentag in Stuttgart kam einer Generalprobe gleich und erfüllte höchste musikalische Ansprüche. Foto: Jagodzinska

Jülich. Auf seinem Weg zum evangelischen Kirchentag in Stuttgart legte der Landesjugendposaunenchor einen Zwischenstopp in der Christuskirche ein. Sein erstklassiges, gut einstündiges Konzert unter Leitung von Landesposaunenwart Jörg Häusler zum Thema: „Glaubst du noch, was du singst?“ hatte deshalb den Charakter einer Generalprobe.

„Wir steigen selten so tief in einen Choral ein“, brachte Moderator Friedemann Schmidt-Eggert die Tiefe der Auslegung auf den Punkt. Mit der Olympic Fanfare 1984 von John Williams starteten die jungen Bläser ihr wohlklingendes Konzert, um gleich darauf Choralmeditation, -satz und -fantasie von Bach zu „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Michael Schütz folgen zu lassen.

„Wer singt, betet doppelt“, zitierte Schmidt-Eggert Reformator Martin Luther. Gibt es denn zeitgemäße Lieder? „Die alten Vorstellungen mögen nicht mehr zu uns passen, andere vernuscheln wir, bei anderen geht uns das Herz auf, wir erleben einen Zwiespalt“, stieg der Moderator in die Thematik ein. „Dürfen wir als aufgeklärte Menschen Gott überhaupt noch öffentlich als Grundlage nennen?“ Inne halten, Gott walten lassen, ihm vertrauen, was einer Bewährung des Glaubens gleich kommt, deutete er die Richtung. „Auch aus dem Bösesten kann und will Gott Gutes entstehen lassen. Dazu braucht er den Menschen“, ergänzte Schmidt-Eggert

„Du meine Seele, singe“ von Werner Petersen Gerhardt folgte ebenfalls als Choralfanfare „Ich will ihn herzlich loben“, als Choralmeditation „Solang ich leben werd“, als Chaconne „Hier preisen auf der Erd“ und als Choralsatz von Johann Ebeling.

Der Moderator schwenkte aus in die Geschichte der ersten Christen, die „sich an einem bestimmten Tag vor der Dämmerung trafen, um gemeinsam zu singen. Damals opferten Christen nichts, sie hatten keine Sakralbauten, kannten keine Priester und feierten dennoch Gottesdienst. „Die eigene Seele sollte singen“, führte er weiter aus. Zu dieser Zeit war Kirchenmusik Hausmusik. Erst unter Kaiser Konstantin entstanden Sakralbauten und das Priestertum. „Kirchenmusik wurde professioneller, immer reicher und (gleichzeitig) immer ärmer“, denn Frauen, die keine Priester werden durften, war es in der Kirche auch nicht mehr möglich, ihre Stimme zum Lobe Gottes zu erheben.

Das „Magnum mysterium“ von Morton Lauridsen wurde interpretiert. Es folgte eine Fantasie über drei Texte zu einer Melodie von Michael Schütz: „O komm, Du Geiste der Wahrheit“, „Lob Gott getrost mit Singen“ und „Vertraut den neuen Wegen“. Kirchenmusik sei Kunstmusik und Wortmusik, daher sei „Glaube ohne Musik ein Irrtum“ und „Musik ohne Glaube einfach nur Kunst. Reicht es, wenn nur die Kunstseele singt“, fragte der Moderator. „Verstehst du überhaupt, was du da singst? Wie kann ich das, wenn mich niemand anleitet?“, sagte Schmidt-Eggert und berührte die Grenzen des Verstehens, das Mysterium des Glaubens. „Ist es nicht allein Gottes Sache, wen er für sich singen lässt?“

Das machtvolle „Allegro Assai“ von Alexandre Guilmant wurde gespielt, gefolgt vom alten Stück mit modern anmutendem Text „Freunde, dass der Mandelzweig“ von Schütz/Nonnemann. „Die Kirchenmusik mag für uns ein Zeichen sein, dass die Liebe bleibt“, lautete das Fazit des Moderators, bevor in „Erd und Himmel sollen singen“, ebenfalls von Schütz/Nonnemann, der Schlussakkord eines bestens gelungenen Konzertes mit anspruchsvoller Interpretation erklang – eines evangelischen Kirchentages würdig.

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