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„Geistliche Stadt in der Stadt” ist schutzwürdig

Von: Sarah Plahm
Letzte Aktualisierung:
Pfarrkirche St. Rochus, März
Pfarrkirche St. Rochus, März 2012, Denkmalschutzdiskussion

Jülich. Dass vielen Jülicher Kommunalpolitikern beim Thema Denkmalschutz mittlerweile schon ganz anders wird, hat die langwierige Kontroverse um die Denkmalschutz-Würdigkeit des Neuen Rathauses gezeigt.

Ähnliches Unbehagen erfüllte die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Integration und Soziales auch beim Thema Pfarrkirche St. Rochus, die als Werk des angesehenen Architekten und Bildhauers Gottfried Böhm ebenfalls unter Schutz gestellt werden soll (wir berichteten). Die jüngste Sitzung brachte neue Erkenntnisse zu dieser heiklen Angelegenheit und besänftigte wohl so manches Gemüt.

Subjektives Empfinden

Dass es sich bei dem Gotteshaus im Jülicher Heckfeld nicht unbedingt um das schönste handelt, darüber waren sich die Ausschussmitglieder bereits in der vorangegangen Zusammenkunft einig.

Subjektives Schönheitsempfinden bildet allerdings kein Kriterium bei der Bestimmung eines Denkmals. Das betonte auch Professor Joachim Loseck, Jülicher Architekt und Sachverständiger. Er selbst hatte den Stein ins Rollen gebracht und dem Kirchenvorstand vorgeschlagen, eine Unterschutzstellung prüfen zu lassen.

„Da ist in der Vergangenheit vielleicht einiges falsch verstanden beziehungsweise von den zuständigen übergeordneten Behörden rübergebracht worden”, meinte der Architekt zu den verhärteten Fronten zwischen Jülicher Politik und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR).

„Die Pfarrkirche St. Rochus ist ein Dokument der Nachkriegskirchenarchitektur”, erklärte er weiter. Sie spiegele mit ihrer nüchternen Form wie ihrer Reduziertheit auf das Werk einen Zeitgeist wider und sei damit für die Nachkriegsstadt Jülich von Bedeutung.

„Die Kirche St. Rochus ist damit in der Region einzigartig.” Kirchen im neugotischen Baustil des späten 19. Jahrhunderts gebe es hingegen relativ viele. „Böhm hat die Idee gehabt, eine geistliche Stadt in der Stadt zu planen”, erklärte er außerdem. Die Nebengebäude seien daher in das Konzept integriert.

Auch Vorteile des Denkmalschutzes brachte Loseck den Ausschussmitgliedern näher. Da manche Kirchen in Gemeinden geschlossen und entwidmet würden, bewahre eine Unterschutzstellung die Pfarrkirche eventuell auch vor einer möglichen Schließung.

Grundsätzlich sei es bei Denkmälern auch möglich, Fördergelder zu erhalten, um die geschützten Gebäude denkmalwertig nutzbar zu machen, erklärte der Architekt weiter.

Die Politiker horchen auf

Beim Stichwort der wirtschaftlichen Nutzbarkeit horchten einige Ausschussmitglieder auf, denn was das Neue Rathaus betrifft, wären auf diese Weise eventuell Zuschüsse für etwaige Baumaßnahmen zu erhalten. Einen hohen Einsatz und Überzeugungsarbeit koste dies allerdings, betonte Loseck und sicherte den Kommunalpolitikern seine Unterstützung in derartigen Fragen zu.

Die Wogen zwischen Landschaftsverband Rheinland und den Jülicher Politikern könnten sich also in Zukunft doch noch etwas glätten, dürften vielen doch nun auch die möglichen Vorteile eines Denkmalschutzes bewusst geworden sein.

Diesen Eindruck konnte man in der Sitzung des Fachausschusses gewinnen.
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