Gefangen im Banne des „Knast-Tennis”

Von: Mischa Wyboris
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Beim Nachwuchs oft nicht mal die Nummer 2 hinter König Fußball: Squash ist bei Kindern in Deutschland kaum bekannt. Dem will der Verein „Fitness und Tanz Nina Romm” entgegenwirken, wo auch die Squash-Wölfe Jülich beheimatet sind. Foto: Mischa Wyboris

Jülich. Was haben Squash und Fernsehen gemeinsam? Richtig, im Grunde nichts. Wer sich durch die Kanäle zappt, stolpert über den Fußball, aber auf den Mitte des 19. Jahrhunderts in England entstandenen Squash-Sport trifft man nirgendwo. Und doch hat es NRW-Landestrainer Lars Schweinitz mit seinem Sport schon zweimal ins Fernsehen geschafft - beim Pro7-Spektakel „Schlag den Raab”.

Was nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Squash in der breiten Masse der deutschen Jugend ungefähr so beliebt ist wie Hausaufgaben in der Freizeit. Dem möchte der Verein „Fitness und Tanz Nina Romm” entgegenwirken, wo auch die Jülicher Squash-Wölfe beheimatet sind. Hier trifft sich zum ersten Mal die Elite der verschiedenen Altersklassen zum Leistungs-Camp des Landesverbandes NRW, mitgeleitet von Lars Schweinitz.

Während die Wand-Virtuosen ihre Technik und Kondition verbessern, macht eine Gruppe von 14 Neulingen auf Einladung des „Fitness- und Tanzstudios Nina Romm” ihre ersten Erfahrungen mit dem kleinen Gummiball und dem ovalen Schläger.

Gegen das „Kasten”-Chaos

„Ich habe gewusst, dass man in einer Art Kasten spielt”, sagt die zwölf Jahre alte Alina von der Gesamtschule Niederzier/Merzenich. „Ich habe vorher Tennis gespielt, das hat geholfen.” Ähnliches gilt für die zehnjährige Schulkameradin Alicia, die ihre Badminton-Erfahrung weitergebracht hat. Doch jetzt müssen sie lernen, sich mit ihrem Gegner ein Spielfeld zu teilen.

„Der Sport ist wahnsinnig anspruchsvoll, was Rücksichtnahme, Kondition und Koordination betrifft”, sagt Phillip Romm, Jugendwart des Squash-Landesverbandes NRW und 2. Vorsitzender der Squash-Wölfe Jülich. „Unser Sport funktioniert nur, wenn man mit dem Gegner zusammenspielt”, erklärt der 27-Jährige, der vor Kurzem zu den besten 30 Spielern in Deutschland zählte und der die Squash-AG des Mädchengymnasiums Jülich und des Gymnasiums Zitadelle betreut.

Über seine jüngste Niederlage dürfte sich Phillip Romm indes gefreut haben. Er hat beim Leistungs-Camp gegen den 13 Jahre jungen Lukas Wirths aus Hennef den Kürzeren gezogen, der 2009 Deutscher Meister und Weltranglistenerster bei der U13-Jugend wurde. Es tut sich also doch was im Jugendbereich.

„Manch einer nennt es "Knast-Tennis" und weiß nicht, was dahintersteckt”, sagt Lukas Wirths. In den USA werden Kinder mit dem Programm „Street Squash” von der Straße geholt, in Ägypten werden Squash-Cracks in der Öffentlichkeit erkannt, in den Niederlanden, Belgien und Frankreich sprießen die Squash-Courts aus dem Boden. Warum sein Sport auch 2016 noch nicht olympisch wird, ist Lukas Wirths ein Rätsel. Zumindest medial bleibt es damit beim „Knast-Tennis”.
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