Gefährdet Deponie Aldenhovener Grundwasser?

Von: Antonius Wolters
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Dipl.-Ing. Wolfgang Küpper, Prokurist des Verbandswasserwerkes Aldenhoven (VWA), erläutert vor der Karte des Liefergebietes die potenziellen Gefahren, die von der „Deponie Davids“ auf die eigene Grundwassergewinnung und damit die Eigenständigkeit des VWA ausgehen. Foto: Wolters

Aldenhoven. Es gibt nur beschränkte Grundwasserressourcen in der Region, weiß Dipl.-Ing. Wolfgang Küpper vom Verbandswasserwerk Aldenhoven (VWA). Das liege am „großen Loch“, womit er den Tagebau Inden meint, das auch die Wasserqualität beeinflusse.

So habe bis in die 1980er Jahre das Grundwasser weder Eisen noch Mangan enthalten mit der Folge, dass es ohne weitere Aufbereitung ins Leitungsnetz gelangte. Die Aufbereitungshalle mit den entsprechenden Anlagen auf dem VWA-Gelände in Aldenhoven ist erst 1987 gebaut worden, und zwar auf Kosten von RWE-Power, das seitdem auch für die Wartung aufkommt.

Problematisch beim Tagebau seien Schwefelverbindungen, die durch den Kohleabbau an die Oberfläche gelangen und dabei zu Sulfat oxidieren, das bis ins Grundwasser in großer Tiefe gelangt. So hat das VWA aufgrund des Tagebaus Inden in Verbindung mit den Sümpfungsmaßnahmen und dem daraus resultierenden Sulfateintrag im Einzugsgebiet der Aldenhovener Brunnen bereits 1987 die Brunnengalerie Bourheim, die bis 150 Meter tief reichen, als Ausweichstandort ermittelt.

Langfristiges Konzept

In einer Arbeitsgruppe mit der Bezirksregierung Köln, dem Erftverband, RWE Power, dem Gesundheitsamt des Kreises Düren und dem VWA ist laut Küpper das Konzept entwickelt worden, ab etwa 2060, wenn die „Sulfatwolke“ die Brunnengalerie Bourheim erreicht hat, das Verbandswasserwerk über Tiefbrunnen in Koslar zu versorgen, wo sich das Verbandswasserwerk bereits das passende Grundstück gesichert habe. Im Nachhinein als problematisch könnte sich herausstellen, dass aufgrund des großen Zeithorizontes für den Zustrombereich dieser Brunnen keine Trinkwasserschutzzone ausgewiesen worden ist.

So kam es, dass für die Einrichtung der „Deponie Davids“ in Aldenhoven überhaupt eine Änderung des Regionalplanes durch die Bezirksregierung Köln erfolgen konnte. Die nächste Verfahrenshürde nahm die Deponie der Klasse I (nichtgefährliche Abfälle und Bauschutt) durch die Änderung des Flächennutzungsplanes durch die Gemeinde Aldenhoven.

Obwohl der Bauverwaltungsausschuss Anfang Dezember 2016 die Änderung mehrheitlich abgelehnt hatte, stimmte kurz darauf der Gemeinderat zu. Dieses Votum ist in einer späteren Sitzung wiederholt worden. Letzter Schritt im laufenden Verfahren ist die Änderung des Planfeststellungsverfahrens durch den Kreis Düren, der die Abfalldeponie noch genehmigen muss.

Dagegen laufen das VWA und Wolfgang Küpper Sturm, denn sie sehen das Langfristkonzept in Gefahr. „Wir behalten uns vor, zu klagen“, kündigt der Prokurist bereits die Püfung rechtlicher Schritte an, falls die Deponie genehmigt werden sollte. Der Grund: Die „Deponie Davids“ ist auf einer tektonischen Störung errichtet worden, dem sogenannten „Frauenrather Sprung“, der nach Worten Küppers „nachweislich in Bewegung ist“. Wenn das Grundwasser bei abnehmenden Sümpfungsmaßnahmen wieder steigt, sei zudem die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zu weiteren Bewegungen im Bereich der Störzone kommt, die sich auf die Abdichtung der Deponie auswirken.

Latente Gefahr

„Es kann nicht bewiesen werden, dass die Deponie dicht bleibt“, sieht Diplom-Ingenieur Küpper eine latente Gefahr für die Koslarer Tiefbrunnen, deren Schutz niemand garantieren könne. Deshalb sieht er gute Aussichten, „im Sinne der Region erfolgreich zu sein“ – und für die weitere Eigenständigkeit der Verbandswasserwerkes, das bei einem Ausfall der Koslarer Brunnen nach 2060 auf einen anderen Trinkwasserlieferanten angewiesen wäre, da alternatives Rohwasser aus der Region schlicht nicht verfügbar ist und RWE Power nicht mehr zwingend ersatzwasserpflichtig ist. Welche Auswirkungen das dann auf die Wasserpreise hätte, wird sich jeder denken können.

Versorgung aufs Spiel gesetzt

Insofern kann Küpper nicht nachvollziehen, dass der Aldenhovener Rat durch seine Entscheidung für die „Deponie Davids“ die Eigenständigkeit des eigenen Wasserwerkes und deren langfristige Versorgung mit Grundwasser aufs Spiel gesetzt hat. „Ich habe größten Respekt für meine Vorgänger, die beim Grundwasser mit RWE gekämpft haben“, erinnert er an Auseinandersetzungen der Vergangenheit.

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