Gedenkfeier für jüdischen US-Soldaten in Aldenhoven

Von: Adi Zantis
Letzte Aktualisierung:
9128520.jpg
Angezündet zum Gedenken an Michel Ernst: das Licht für den Chanukka-Leuchter mit dem Rabbiner Bohrer und den Konfirmandinnen Lena Mehlhorn, Sina Springer und Zarah Rosenbaum. Foto: Zantis

Aldenhoven. Bewegende Worte bei der Aldenhovener Gedenkstunde für den US-Soldaten Michel Ernst: Die 92-jährige Miriam Honig berichtete von ihren Erlebnissen als jüdische Mitbürgerin, was auch die Konfirmanden und jugendlichen Zuhörer nachhaltig beeindruckte.

Schon in der Schule wurde die deutsch-niederländische Mitbürgerin jüdischen Glaubens mit den schrecklichen Auswüchsen und Degradierungen in der Judenverfolgung konfrontiert. Aber immer wieder, so betonte sie, gab es Momente, in denen Mitschülerinnen mit freundschaftlichen Kontakten „wahre Zivilcourage“ an den Tag legten.

In vielen Begegnungen auch auf der Flucht in die Niederlande, habe sie immer wieder Entschlossenheit, Mut und vielseitige Hilfestellung erfahren. „Das Denkmal der Mütter haben wir heute noch in unseren Herzen“, sprach Miriam Honig von einem „Band, das geblieben ist“ mit dem abschließenden „Shalom für Euch alle!“

In der Begrüßung der „niederländischen Freunde“, der Mitglieder der Geschichtswerkstatt, der Gruppe „Gegen das Vergessen“ und vor allem der Jugendlichen und Konfirmanden sprach Pfarrer Charles Cervigne im Gedenken an den jüdischen US-Soldaten Michel Ernst von „einem langjährigen Freund“, dessen Andenken seit neun Jahren in Aldenhoven bedeutsam geworden ist.

Renate Trunzler zitierte aus dem jüdischen Gebetbuch mit dem Kapitel „Erinnern wir an sie“. Der Niederländer Joost Claassens als unermüdlicher Initiator der engen Verbindung und des Gedenkens an den jüdischen US-Soldaten sah im Leben von Michel Ernst „einen jüdischen Mitmenschen“, der bis zu seinem frühen Tod im Dezember 1944 „nie ein richtiges Zuhause gefunden hatte“.

Die Flucht mit der jüdischen Familie aus seiner Geburtsstadt Warschau nach Frankreich und Portugal bis nach Kanada und Amerika führte ihn schließlich als US-Soldat nach England und Deutschland, wo er dann beim Vormarsch der Alliierten mit 21 Jahren in Alsdorf ums Leben kam. Gerade als Dolmetscher hatte der junge „GI“ mit seinem Einsatz immer wieder Zivilcourage bewiesen. „Jetzt hat er“, so Claassens „im Gedenken an einen jüdischen Mitbürger über seinen Tod hinaus in Aldenhoven ein Zuhause gefunden!“

Für den Aachener Rabbiner Mordechain Bohrer „ist ein Mensch wirklich tot, wenn man ihn vergessen hat“. Deshalb sieht er im Gedächtnis an Michel Ernst eine Erinnerung, „in der seine Seele zurückgeht zum Ursprung“. „Ein Mensch, wo er als Gerechter stirbt, da lebt er weiter unter uns!“ und deshalb, so Bohrer, „möge seine Seele eingebunden sein in das Bündel des Lebens!“

Im Schlusswort stellte Pfarrer Cervigne noch einmal das Leitwort „Zivilcourage“ in den Mittelpunkt. „Auch heute brauchen wir wieder Mut und Entschlossenheit“, wenn man sich mit „Parolen gegen Flüchtlinge auf die Straße stellt“. Mit der Frage „Müssen wir heute wieder Angst haben in Deutschland?“ forderte er Zivilcourage unter dem Slogan „Wir entlarven Euch, denn wir sind das Volk!“ Mit dem „Shalom chaverim“ als „Friede den Gefährten bis zum Wiedersehen!“ und den musikalischen Beiträgen von Tanja Miczka und Reiner Goldbaum fand die Gedenkstunde ein beeindruckendes Ende.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert