Gedenken der Opfer der Reichspogromnacht in Aldenhoven

Von: ahw
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Der Pogromopfer gedachten an der Stele im Aldenhovener Römerpark Pfarrer Charles Cervigne (v.l.), Bürgermeister Ralf Claßen und der Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer. Foto: Wolters

Aldenhoven. Das Gedenken der Opfer der Reichspogromnacht erfolgte in Aldenhoven am „falschen Datum“: Statt des Tages der brennenden Synagogen war der vorherige „Auslösetag“ für die Gedenkfeier gewählt worden. Ernst Eduard vom Rath war deutscher Diplomat und Botschaftssekretär in Paris.

Das am 7. November 1938 auf ihn verübte Attentat diente dem nationalsozialistischen Regime als Vorwand für die Novemberpogrome. Dass sich die Leiden deutscher Menschen jüdischen Glaubens noch an vielen weiteren Daten seit der Machtergreifung Hitlers 1933 festmachen lassen, machte Pfarrer Charles Cervigne zu Beginn der Feier in der Evangelischen Kirche deutlich, wo sich am Montag etwa 80 Personen versammelt hatten.

Als Beispiele, um die Zusammenhänge in größerem Rahmen darzustellen, nannte er etwa die Nürnberger Gesetze von 1935, den Weihnachtsboykott gegen jüdische Geschäfte 1937 oder den Abriss der Münchener Synagoge anlässlich einer dortigen Konferenz von Rabbinern, bevor in der Nacht zum 10. November 1938 gut 1400 Synagogen in ganz Deutschland in Flammen aufgingen.

Zwei Konfirmanden der evangelischen Gemeinde stellten „stille Helden“ vor, die sich in dieser Zeit für jüdische Menschen eingesetzt haben und lasen Berichte über die Schicksale von Maria Gräfin von Maltzan und Agnes Wendland vor.

„Was vor 78 Jahren geschah, ereignet sich immer wieder neu“, bedauerte Pfarrer Cervigne, während der Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer die Teilnehmer der Gedenkfeier in einem Grußwort zur Erinnerungsarbeit aufrief, denn „die Erinnerung besiegt das Vergessen“.

Unaufhörlich prasselte der Regen vom Himmel, als sich der Gedenkzug von der Evangelischen Kirche quer durch Aldenhoven aufmachte zur Stele im Römerpark, die zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger aus Aldenhoven dort aufgestellt worden ist. Hier sprachen Bürgermeister Ralf Claßen, der die Wichtigkeit solcher Gedenkveranstaltungen betonte, und Rabbiner Bohrer, der auf Hebräisch und Deutsch seine toten Glaubensbrüder und -schwestern betrauerte.

Begleitet wurde der Part an der Stele im Römerpark von musikalischen Beiträgen eines Saxophon-Duos, das hörbar von der Witterung beeinträchtigt wurde. Warm und trocken war es später im Ludwig-Gall-Haus, wohin Pfarrer Cervigne die Teilnehmenden zum Imbiss eingeladen hatte.

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