Gedenken an die Opfer der NS-Diktatur

Von: ng
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Den Overbacher Schülern Christoph Küppers, Florian Gröntgen, Martin Goebbels und Manuel Johnen wurde für ihre beeindruckende Präsentation der Sonderpreis der Gesellschaft verliehen. Foto: Gottfroh

Jülich. Das KZ Auschwitz ist am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee befreit worden. Dieser Tag ist inzwischen weltweit anerkannt als Gedenktag der Opfer der Nazi-Diktatur. Seit dem Jahr 2003 begeht die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz den Tag der KZ-Befreiung mit einer Veranstaltung gegen das Vergessen der düstersten Episode in der deutschen Geschichte.

Auch in diesem Jahr wurde am Jahrestag im Technologiezentrum in Jülich der Opfer des Nazi-Regimes gedacht.

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, eröffnete die Gedenkfeier mit einer bewegenden Rede.

Unter dem Titel „Immer wieder neu Erinnern - Gegen das Vergessen, für die Zivilcourage”, zeigte er Mittel und Wege, sich immer wieder aufs Neue mit der nationalsozialistischen Barbarei auseinander zu setzen, damit die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen in genauer Kenntnis der Vergangenheit eine Wiederholung der NS-Diktatur unmöglich machen können.

Dabei stand die zeitgenössische Form des Erinnerns im Mittelpunkt seiner Rede: „Wie kann man an die Opfer erinnern und über die Täter informieren, wenn demnächst auch die letzten Zeitzeugen verstorben sind? Wie kann man es schaffen, Bezüge zum Leben der jüngeren Generation herzustellen?”, fragte Rachel.

Eintreten für die Demokratie

In Anbetracht des immer wieder aufkeimenden Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik sei es von größter Wichtigkeit, die Geschichte nicht zu vergessen, sondern für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage fest einzutreten.

Um die Erinnerung an das Gewesene nicht verblassen zu lassen, gehöre die Schule, aber auch die außerschulischen Lernorte, die an das Schicksal der jüdischen Bevölkerung erinnern, zu den wesentlichen Bestandteilen, die eine lebendige Erinnerungskultur fördern.

Auch ermahnte Rachel die Bürger, nicht in politisches Desinteresse zu verfallen, denn dies sei die größte Gefahr für die Demokratie.

Preis für Zivilcourage

Zum vierten Mal vergab die Jülicher Gesellschaft ihre Auszeichnung für Zivilcourage, Toleranz und Solidarität.

Die diesjährigen Preisträger sind Norbert Thiel, sowie das Ehepaar Christel und Manfred Lammel.

Der im vergangenen Jahr verstorbene Norbert Thiel erhält den Preis posthum. „Zu einem Zeitpunkt, als dem Thema noch wenig Beachtung geschenkt wurde, hat er sich der Geschichte der Juden im Jülicher Land zugewandt. Dabei interessierte ihn die reiche jüdische Kultur, die durch die Nazi-Barbarei negiert wurde”, erklärte Guido von Büren, Vorsitzender des Jülicher Geschichtsvereins in seiner Laudatio auf den Preisträger. Ingrid Thiel nahm den Preis für ihren Mann entgegen.

Ausgezeichnet wurde auch das Ehepaar Christel und Manfred Lammel aus Nettersheim. Seit 30 Jahren haben sie sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Kunst und Literatur des Judentums wach zu halten. Wolfgang Barkhoff, Diplom Ingenieur im Campus Jülich der FH Aachen, lobte das Ehepaar für seine vorgelebte Zivilcourage.

Manfred Lammel nahm den Preis zwar entgegen, doch wirkte er sich nicht besonders erfreut, sondern zeigte sich verbittert. Er, der sich die Aufarbeitung der Vergangenheit und den deutsch-israelischen Dialog zur Lebensaufgabe gemacht hat, kritisierte, dass die Jugend kein Interesse an der Vergangenheit zeige.

Dass dies nicht auf alle Jugendlichen zutrifft, wurde ihm jedoch noch während der Veranstaltung bewiesen. Vier Schüler des Gymnasium Haus Overbach hatten sich einen Sonderpreis verdient, der ihnen am Abend übergeben wurde. Christoph Küppers, Manuel Johnen, Martin Goebbels und Florian Gröntgen haben im Leistungskurs Geschichte eine umfassende Dokumentation erarbeitet, die sie nach der Preisverleihung dem Publikum präsentierten.

Geehrt wurden auch die Schüler der Hauptschule Ruraue Jülich, sowie die Schüler der beiden Linnicher Grundschulen, der Realschule Linnich, die Mitglieder des Pfadfinderstammes Albert Schweizer aus Aldenhoven und die Jugendlichen der Jugendgruppe der Pfarre St. Martinus aus Aldenhoven. Diese jungen Menschen haben im Nordkreis Düren großes Engagement für die Veranstaltungen zum 9. November gezeigt.
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