Jülich - „Geburtsort Jülich“ gehört bald der Vergangenheit an

„Geburtsort Jülich“ gehört bald der Vergangenheit an

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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Chefarzt Tamás Pinter – hier bei einem Forum Medizin als Referent – verlässt das Krankenhaus Jülich. Die Gynäkologie schließt.

Jülich. Auf der medizinischen Landkarte im Nordkreis wird ein weißer Fleck entstehen. Das St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich plant die Schließung der Gynäkologischen Abteilung. Werdende Mütter aus Jülich, Linnich, Aldenhoven, Titz oder Inden, die ihre Kinder in einem Krankenhaus zur Welt bringen möchten, werden eine weitere Fahrt einkalkulieren müssen.

„Die Schließung der Abteilung hat mehrere Gründe“, erklärte Dirk Offermann, Kaufmännischer Direktor des St. Elisabeth-Krankenhauses. Der wesentlichste ist Rentabilität. Die Abteilung trägt sich schlicht nicht. 500 bis 600 Geburten pro Jahr wären die Kennzahlen, an der sich die Wirtschaftlichkeit der Abteilung festmachen ließe. Das Jülicher Krankenhaus blieb mit 213 Geburten im vergangenen Jahr weit unter diesem Wert. „Und das, obwohl wir viel in Ausstattung und Manpower investiert haben.“ 2010 kam mit Dr. Tamás Pinter ein neuer Chefarzt in die „Gyn“. Mit ihm erlebte die Abteilung einen leichten Aufschwung – mehr allerdings auch nicht. Die Bilanz ernüchtert. „Die Auslastung der 17 Betten liegt bei 30 Pozent.“

Dass sich diese Situation kaum signifikant zum Positiven wenden ließe, habe Dr. Pinters Entschluss bestärkt, das Jülicher Krankenhaus zu verlassen. „Er hat uns zu verstehen gegeben, dass er sich nicht in der Lage sieht, die Anzahl der Patientinnen zu steigern. Er wolle deshalb das Angebot eines Krankenhauses aus dem Südwesten annehmen“, erklärt Gábor Szük, Geschäftsführer der Caritas Trägergesellschaft West (ctw). Pinter wird Jülich offiziell Ende des dritten Quartals verlassen. Vor diesem Hintergrund wäre es ohnehin schwer gewesen, einen Nachfolger zu finden.

Von der Schließung der Abteilung betroffen wären auch eine Reihe von Mitarbeitern, die Szük am vergangenen Freitag in kleinem Kreis informiert hatte. Das Pflegepersonal wird, da ohnehin größtenteils interdisziplinär eingesetzt, im Haus bleiben. Inwieweit die Ärzte – neben Chefarzt Dr. Pinter ein Oberarzt, eine Fachärztin und vier bis fünf Assistenzärzte – in anderen Häusern eingesetzt werden können, werde geprüft. Von den sieben Hebammen, einige in Teilzeit beschäftigt, würden „bedauerlicherweise nicht alle“ etwa im Krankenhaus Birkesdorf untergebracht werden können.

Die Schließung der Gynäkologischen Abteilung wird flankiert von der Absicht, eine neue Abteilung einzurichten.

Der ctw habe den Antrag auf Schaffung einer Geriatrischen Abteilung bei den Krankenkassen eingereicht, bestätigte Gábor Szük. Dieser Einrichtung wurde in einem Prognosegutachten eine wirtschaftliche Tragfähigkeit attestiert.

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