Geburtshilfe in Jülich wohl kaum zu retten

Von: Volker Uerlings
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In finanzieller Schieflage: Das Jülicher Krankenhaus weist 2012 einen Fehlbetrag von über 1,6 Millionen Euro aus, davon entfallen laut Träger 500.000 Euro auf die geburtshilfliche/gynäkologische Abteilung. Foto: Uerlings
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Macht wohl bald einen Bogen um Jülich: der (Klapper-)Storch, Plüschmaskottchen in der geburtshilflichen Abteilung des Jülicher Krankenhauses. Foto: Jonel

Jülich. Vor drei Wochen hat sich der Jülicher Stadtrat in den Zähnen gezeigt: Die Kommunalpolitiker sind gegen eine Schließung der geburtshilflichen und gynäkologischen Abteilung am St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich. Diese Absicht hat der Träger, die Caritas-Trägergesellschaft West (ctw). Das haben Rat und Verwaltung aber nicht selbst in der Hand.

Der Kreis Düren als Vertragspartner müsste per Kreistagsbeschluss die Zustimmung verweigern. Die Entscheidung ist Mitte Juli geplant. Ob die Rettung der defizitären Station in der Herzogstadt aber zu schaffen ist, scheint inzwischen sehr unwahrscheinlich. Denn auch der Krankenhausstandort Jülich steht – mal wieder – in diesem Zusammenhang zur Diskussion. Gut 1,6 Millionen Euro Defizit sind eine schwere Bürde in der Bilanz 2012 für das gesamte Haus.

"Wir stehen in einem guten Dialog mit der Verwaltung und der Politik in Jülich“, sagte Landrat Wolfgang Spelthahn auf Anfrage. In Düren hat nämlich unterdessen ein Treffen stattgefunden. Hier wurden die Fraktionsvorsitzenden des Kreises Düren und der Stadt Jülich von der ctw-Chefetage aus erster Hand informiert. Bei der Zusammenkunft wurde Stillschweigen vereinbart. So viel haben Teilnehmer aber inzwischen schon durchblicken lassen: Die Zahlen haben auch die Jülicher Vertreter beeindruckt, schließlich geht es in Gänze um ein Krankenhaus, das rund 350 Menschen Arbeit bietet. Den Herzogstädter wurde unverhohlen gesagt, dass das ganze Haus gefährdet sei, wenn nicht gehandelt würde.

Wie sehen diese Zahlen aus? Daraus macht ctw-Geschäftsführer Bernd Koch kein Geheimnis und spricht von einer „wirtschaftlich sehr schwierigen Situation“. Die Bilanz für das vergangene Jahr weise einen Fehlbetrag zwischen 1,6 und 1,7 Millionen Euro aus. Die zwei größten Defizit-Posten waren die Kosten im Zusammenhang mit der Evakuierung durch die Bombenentschärfung (600.000 Euro) und die gynäkologische-geburtshilfliche Abteilung (500.000 Euro). Koch: „Wir brauchen rund 240 Geburten mehr, um die Abteilung auf plus-minus 0 zu fahren.“

Aufschwung zu schwach

„Gyn“ und Geburtshilfe waren Hoffnungsträger für die ctw nach der Trägerschaftsübernahme 2010 und der Verpflichtung von Chefarzt Dr. Tamas Pinter, doch der Aufschwung war zu schwach. Nach 175 Geburten im Jahr 2010 und dann 220 in 2011 sank die Zahl im vergangenen Jahr auf 213. Erforderlich wären zwischen 450 und 500. Das ist selbst in geburtenstärkeren Jahrgängen unter Malteser-Trägerschaft (um die 320 Geburten) nie erreicht worden.

Das war wohl auch einer der Beweggründe für Cehfarzt Dr. Tamas Pinter, seinen Vertrag zum 30. September zu kündigen und ein anderes Angebot anzunehmen. Der fehlende Chefarzt ist das größte Problem. „Und den wird man jetzt nicht mehr finden“, sagt ein Kenner der Szene unmissverständlich. Mit der Kündigung durch den Chefarzt sind praktisch Fakten geschaffen worden. Und ohne diesen ausbildungsbefähigten Kopf der Abteilung gibt es auch keinen Grund für Assistenzärzte, Jülich anzusteuern, denn sie haben keine Weiterbildungsmöglichkeit zum Facharzt.

Auch der Vorschlag, die Geburtshife in Jülich als Außenstelle des ctw-Hauses St. Marien Birkesdorf zu führen, scheint nicht realisierbar, weil der dortige Chefarzt nicht dauerhaft pendeln kann. Bernd Koch (ctw): „Das funktioniert einfach nicht.“ Zum Vergleich: In St. Marien kommen jährlich zwischen 1100 und 1200 Kinder zur Welt – von den gynäkologischen Fällen einmal abgesehen. Die Kapazitäten, auch die Jülicher Geburten aufzunehmen, seien im Dürener Stadtteil Birkesdorf vorhanden.

Das sei geprüft und nachgewiesen worden, sagte einer der Teilnehmer an der Gesprächsrunde in Düren gegenüber der Redaktion. Denkbar sei natürlich auch, dass sich Schwangere aus dem Nordkreis Düren in die Städteregion und den Kreis Heinsberg begeben. In jedem Fall werden sie eine entsprechende Anfahrt einkalkulieren müssen. Auch das hatten die Jülicher Stadtverordneten im Falle einer Schließung der Abteilung Jülich kritisiert.

Juristisch bleibt es dabei: Gemäß Vertrag zwischen Kreis und ctw muss der Kreistag der geplanten Schließung zustimmen. Das ist immer dann der Fall, wenn Arbeitsplätze oder das Krankenhaus in Gänze betroffen sind. Der Kreistag wird sicher ein Votum der Stadt Jülich berücksichtigen. Die Frage ist, ob dadurch langfristig etwas erreicht werden kann.

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