Jülich - Gästehaus-Projekt am seidenen Faden

Gästehaus-Projekt am seidenen Faden

Von: Volker Uerlings
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Rund um den Jungwald am Brück
Rund um den Jungwald am Brückenkopf-Park haben die Grünen ihre Position verewigt. Zunächst etwa 5000 bis 6000 Bäume, die dort seit der Landesgartenschau 1998 auf einer Ausgleichsfläche wachsen, müssten gerodet werden, wenn das Jugendgästehaus gebaut wird. Foto: Uerlings

Jülich. Das Projekt Jugendgästehaus hängt am seidenen Faden. Wenn nicht bis zum Ende des Monats alle juristischen Hürden genommen sind, ist der von einer satten politischen Mehrheit gewollte Baukomplex am Brückenkopf-Park nicht mehr zu finanzieren.

Was zahlreiche Naturfreunde freuen wird, ist fürs „große Ganze” ein schlechtes Zeichen: Der Jungwald steht noch. Ursprünglich sollte zu Beginn dieser Woche mit den Rodungsarbeiten begonnen werden, was aber erkennbar nicht passiert ist. Der Jülicher Beigeordnete Martin Schulz sagte auf Anfrage: „Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, wenn aber nicht in den nächsten Tagen eine Lösung erzielt wird, macht das keinen Sinn mehr.” Er meint das Gesamtprojekt und wollte zu Details derzeit nicht Stellung beziehen.

Wie unsere Redaktion aber in Erfahrung brachte, mischt in jüngster Zeit die Bezirksregierung in Köln verstärkt mit. Wie aus gut unterrichteten Quellen verlautete, soll die übergeordnete Behörde plötzlich immer neue Fragen aufgeworfen und Prüfungen verlangt haben - auch von Sachverhalten, die vor der Sommerpause schon „einvernehmlich” zwischen Stadt und Bezirksregierung geklärt worden waren. Ein Kenner der Szene: „Das ist klar erkennbar politisch motiviert: Bei der Bezirksregierung spielt man auf Zeit, weil man genau weiß, dass das Projekt mit jedem Tag Verzögerung unwahrscheinlicher wird.”

Der Zeitdruck ist vorhanden, weil das Projekt, bei dem ohnehin eine Finanzierungslücke von 2,4 Millionen Euro später von „Sponsoren” geschlossen werden soll, auch auf eine Million Euro der öffentlichen Hand angewiesen ist. Hierbei handelt es sich um Mittel aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung, die dem Kreis Düren zur Verfügung standen und die er für dieses Jülicher Projekt reserviert hat.

Die Gelder sind an Bedingungen geknüpft: Sie müssen 2011 für einen „selbständigen Abschnitt des Investitionsvorhabens” eingesetzt werden. Das ist in Jülich nicht mehr zu schaffen, wenn nicht bald Stadt und Investor das juristisch komplexe Vertragswerk beim Notar unterzeichnen und loslegen.

Doch genau das verhindern nun die Kölner Fragen und Änderungswünsche. In jedem einzelnen Fall muss der Vertrag neu ausgearbeitet und zwischen Stadt und dem Privatinvestor (JUFA GmbH Deutschland) abgestimmt werden.

Das Gesamtvolumen der Investitionen beträgt 8,1 Millionen Euro, von denen die Stadt 1,5 Millionen Euro, die Indeland-Gesellschaft 500.000 Euro, der Kreis Düren eine Million Euro und JUFA 2,7 Millionen Euro aufbringen sollen.

Am Park soll ein dreiteiliger Komplex mit Gästehaus, Erlebnispavillon und Bildungshaus samt Park-Verwaltung entstehen. Bei den nichtöffentlichen Abstimmungen zum Thema sorgten maßgeblich Stimmen von CDU und UWG Jül für eine Mehrheit. Die Jülicher SPD hat nach eigenem Bekunden „als einzige Fraktion geschlossen gegen die Verträge zur Umsetzung des Jugendgästehauses” gestimmt und sich an die Bezirksregierung mit der Bitte um Prüfung gewandt. Eine ähnliche Prüfinitiative von Privatleuten hatte zuvor keinen Erfolg gehabt.
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