Gäste aus aller Welt bestaunen Jülicher Klimaforschung

Von: Guido Jansen
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Prof. Bernhard Hoffschmidt (l.) erklärt, was das DLR mit dem Solarturm und der künstlichen Sonne macht. Ministerin Barbara Hendricks (am Tisch vorne rechts), der japanische Journalist Satoru Mizuguchi (am Tisch links) und die anderen Teilnehmer der Jülich-Exkursion hören zu. Foto: Jansen
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Damit Chaitrali Chandorkar (l.) und die anderen internationalen Teilnehmer folgen konnten, waren Hannah Bernauer und drei weitere Dolmetscher im Einsatz. Foto: Jansen
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Gefragtes Bildmotiv: Die Ministerin inspiziert die künstliche Sonne. Foto: Jansen

Jülich. Wie Kinder in einem großen Spielzeuggeschäft mit freier Auswahl haben sich Diane Husic und Heidi Sevestre am Freitag gefühlt. Die beiden Wissenschaftlerinnen aus den USA gehörten zu dem großen Tross an Journalisten und Forschern, die im Schlepptau von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in Jülich zu Besuch waren.

Jülich war eines von 20 möglichen Zielen, dass die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz in Bonn besuchen konnten. „Ich bin sehr froh, dass ich diese Tour nach Jülich mitgemacht habe“, sagt Husic, die Pflanzenforscherin. „Denn das, was hier gemacht wird, ist großartig“, schildert die Wissenschaftlerin, die seit vielen Jahren auf ihrem Gebiet forscht.

Im DLR, dann im FZJ

Gerade haben sie und ihre junge Kollegin, die Gletscher-Forscherin Sevestre, an einer Führung zur Atmosphärensimulationskammer Saphir im Forschungszentrum (FZJ) teilgenommen und das internationale Projekt Iagos kennengelernt, bei dem die Zusammensetzung der Gase und Schwebeteilchen in der Atmosphäre mit Messgeräten festgestellt werden, die in Linienflugzeugen verbaut sind.

400 Forschergruppen weltweit nutzen die Daten. „Ich finde das faszinierend. In Zeiten, in denen die Konflikte auf der Welt die Schlagzeilen bestimmen, arbeiten die Menschen so zusammen. Darüber müsste viel mehr berichtet werden“, sagt Husic.

Iagos und Saphir waren nicht die einzigen Stationen der Weltklima-Tour nach Jülich. Beginn war an der Jülicher Außenstelle des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Heckfeld, also am Solarturm und der künstlichen Sonne. Später besuchte die 50-köpfige Gruppe noch den FZJ-Supercomputer Juqueen und zum Abschluss eine Einrichtung, die Jülich prägt, wenn auch nicht wissenschaftlich: die Zitadelle.

Journalisten und Forscher aus Chile, den USA, Japan und Indien gehörten dem Tross an. Alle sind sie nach Bonn gekommen, um sich zu informieren, zu diskutieren oder Ideen zu entwickeln. Über allem schweben der Klimawandel und das Ziel, die Erderwärmung zu stoppen. Als eine der größten Stellschrauben sehen die Teilnehmer umweltschonende Methoden der Energiegewinnung.

Gut geeignet für Indien

Chaitrali Chandorkar von der indischen Zeitung Times of India erzählt vom Klima in ihrer Heimat. „Wir haben 300 Sonnentage im Jahr“, sagt sie. „Diese Technik könnte bei uns wirklich gut funktionieren. Davon werde ich berichten“, sagt sie.

Diese Technik, damit meint sie das solarthermische Kraftwerk im Heckfeld, bei dem 2000 sogenannte Heliostate das Sonnenlicht auf einen Punkt am Turm fokussieren und so Hitze erzeugen, die in Energie umgewandelt wird. Sie nickt, als Prof. Bernhard Hoffschmidt, der geistige Vater der Anlage, der Ministerin erklärt, dass „uns keiner so schnell die Sonne wegnimmt“. Im Gegensatz zu endlichen Energieträgern wie Kohle.

Das FZJ als weltweit bekannte Einrichtung war dem japanischen Journalisten Satoru Mizuguchi schon vorher bekannt. „Hier wird sehr viel neue Technologie und neues Wissen geprägt“, sagt er. Dass weltweit renommierte Experten zum Thema erneuerbare Energien quasi zwischen großen Tagebaulöchern sitzen, die für althergebrachte Energiegewinnung stehen, hält er für keinen unvereinbaren Gegensatz. „Die Gesellschaft kann sich nicht über Nacht verändern“, erklärt er.

Diane Husic und Heidi Sevestre stimmen dem zu. „Man kann nicht einfach den Knopf drücken, und alles ist anders“, sagt Sevestre. „Aber Deutschland ist die Speerspitze, was neue Methoden der Energiegewinnung angeht. Und das ist ganz wichtig, dass diese Forschung hier passiert.“ Das gelte vor allem in Zeiten, in denen ihr Präsident Donald Trump den Klimawandel bestreite.

In Jülich sehen die beiden die Chance, Wissenschaft erlebbar zu machen. „Hier gibt es die Chance, den Menschen begreifbar zu machen, dass es bei Energie aus Kohle nicht nur um Arbeitsplätze geht, sondern auch um die Atemluft, die wir unseren Kindern hinterlassen wollen“, sagt Husic. Und das sei eine große Chance.

Die scheidende Umweltministerin Barbara Hendricks ist sich der Bedeutung Jülichs bewusst. „Jülich spielt eine Vorreiterrolle in der Energie- und Klimaforschung“, sagt sie. Das wissen jetzt auch die Mitglieder der internationalen Delegation, die mit ihr durch die Forschungsstadt Jülich getourt sind.

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