Jülicher Land - FZJ: Kompetenzen der Auszubildenden haben sich verschoben

FZJ: Kompetenzen der Auszubildenden haben sich verschoben

Von: Guido Jansen
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Gute Chancen: Dominik Ehlert und Annika Loevenich haben zwei der begehrten Ausbildungsplätze am Forschungszentrum erhalten. Das FZ übernimmt die meisten Azubis später.
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Zeichnet kein negatives Bild von den Bewerbern heute, sondern ein neues: Ulrich Ivens. Foto: Jansen

Jülicher Land. Junge Menschen heute sind dumm, faul und wissen nicht, wie Arbeiten funktioniert. Das wirft ein Teil der älteren Generation der jüngeren vor, vermutlich seit Generationen. „Junge Menschen heute sind anders“, sagt Ulrich Ivens, der Ausbildungsleiter am Forschungszentrum Jülich.

Am 1. September starten die meisten der 107 neuen Auszubildenden ihr Berufsleben im Forschungszentrum, insgesamt sind es im Kreis Düren 1733. Dass die neuen Generationen „dümmer“ sein soll, lässt Ivens nicht gelten. Er hat viel mit den insgesamt rund 330 jungen Frauen und Männern zu tun, die eine Ausbildung im Forschungszentrum machen. „Die Kompetenzen haben sich verschoben. Das Allgemeinwissen ist schlechter geworden, die IT-Kompetenz ist dafür höher.“

Praktisches Beispiel: Goethes Faust wird vermutlich weniger gelesen. Bedienungsanleitungen von Smartphones auch, aber aus einem anderen Grund. „Junge Leute wissen heute ganz intuitiv, wie das geht. Da brauchen sie keine Bedienungsanleitung. Außerdem sind sie viel multitasking-fähiger als frühere Generationen“, sagt Ivens. Der Arbeitsmarkt muss sich auf diese verschobenen Kompetenzen einstellen, fast noch mehr als umgekehrt.

Zwischen 2000 und 2500 Bewerbungen liegen jedes Jahr auf Ivens Tisch. Das wichtigste Kriterium aus Sicht des Ausbildungsexperten: Wissen, was man will. Wer im Bewerbungsgespräch sagt, dass er eine Ausbildung machen will, eigentlich egal welche, Hauptsache im Forschungszentrum, der hat schlechte Karten. „An dem Punkt kommen viele Bewerber ins Schwimmen“, sagt Ivens. 26 Berufsbilder bietet das FZ, sechs davon sind ein duales Studium, eine Mischung aus Ausbildung und Studium, das mit dem Bachelor-Abschluss endet.

Bewerbung und Auftreten müssen zum angestrebten Beruf passen. Wer in den kaufmännischen Bereich strebt, der sollte imstande sein, eine fehlerfreie Bewerbung vorzulegen. Bei einem Industriemechaniker könne man bei einem Fehler auch mal ein Auge zudrücken. Wer die erste große Hürde genommen hat und zum Einstellungstest und später zum Bewerbungsgespräch ins Forschungszentrum eingeladen wird, der sollte auf sein Auftreten achten. „Kurze Hose bei Jungs, Tanktop bei Mädchen – das haben wir alles schon erlebt. Das geht natürlich nicht“, erklärt Ivens. Keine Turnschuhe, dafür eine vernünftige Jeans und ein gutes Hemd – so könne sich ein Bewerber für einen handwerklichen Beruf präsentieren.

Abitur ist besser, kein Abitur ist aber kein K.o.-Kriterium. „Immer mehr machen Abitur, die Noten werden immer besser, aber das Allgemeinwissen schlechter“, sagt Ivens. Nicht nur deshalb lege das Forschungszentrum Wert auf eine Mischung aus Abitur und Mittlerer Reife. Es sei denn, die Ausbildung erfordere Abitur, wie beispielsweise die dualen Studiengänge. „Oder es handelt sich um Berufe wie Physiklaborant. Da sind die Voraussetzungen schon sehr gehoben, da haben Schüler mit Mittlerer Reife oft Probleme“, berichtet Ivens aus seiner Erfahrung.

Wissen, was man will, sei eine Stärke. Ein wenig Flexibilität eine andere. Vor allem angesichts der großen Zahl an Bewerbern, die mindestens um den Faktor 20 höher ist als die Zahl der Ausbildungsstellen im Forschungszentrum. „Bewerber gucken oft nicht nach rechts und links. Dabei ergäben sich so Chancen“, sagt Ivens. Dann beispielsweise, wenn die Ausbildungsplätze für Bürokaufleute bereits besetzt seien, die für Industriekaufleute aber noch nicht.

Bei einigen Berufen diagnostiziert Ivens eine Art Imageproblem. Zum Beispiel bei einem Fachmann für Systemgastronomie. „Da haben viele die Arbeit in einer Fast-Food-Kette vor Augen. Dabei ist das ein sehr solider Beruf, der bei uns häufiger gefragt ist.“ 5500 Menschen arbeiten im Forschungszentrum. Und die wollen essen.

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