Koslar - Für die Predigt wechselt der Zelebrant ins Hochdeutsche

Für die Predigt wechselt der Zelebrant ins Hochdeutsche

Von: brs
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Die Mundartmesse in der Kirche St. Adelgundis gehört für die Koslarer Jecken fest zur Karnevalssession dazu. Foto: B. Sylvester

Koslar. Neben dem Altar funkeln noch die weihnachtlich geschmückten Bäume, doch die Kleidung vieler Besucher der sonntäglichen Messe zeigt, dass andere Zeiten angebrochen sind: Allerorten stecken die Jecken mitten in der neuen Session.

So auch in Koslar, wo seit Jahren die Mundartmesse zum festen Programm der Karnevalisten gehört. „Mie singe on bädde op Platt en de Kerch“ – so Überschrift und Einladung zum wohl besinnlichsten Teil der Karnevalssession in Jülichs größtem Stadtteil.

Ein Programmteil, der offenbar gerne angenommen wird, wie an diesem Sonntagmorgen die recht gut gefüllten Reihen in der Adelgundiskirche belegten. Neben den violett-gelb gewandeten Karnevalisten waren zahlreiche „normale“ Gottesdienstbesucher gekommen.

Gleichwohl blieb der Gesang zum kölschen Klassiker „In unserm Veedel“ noch ein wenig verhalten. An fehlender Textkenntnis immerhin konnte das nicht liegen, denn die GKG Fidele Brüder, die Karnevalsgesellschaft des Ortes, hatte für ein professionell gestaltetes Lied- und Gebetsheft gesorgt.

Pfarrer i. R. Dr. Peter Jöcken führte mit Unterstützung von Lektor Dieter Freyaldenhoven durch die nahezu vollständig im „Kauslerer Platt“ zelebrierte Messfeier. Da wurde in der Lesung des Evangeliums der biblische Matthäus zum Mattes und auch Johannes der Täufer bekam ein rheinisches „Schäng“ verpasst.

Einzig seine Predigt hielt Pfarrer Jöcken vorsichtshalber doch lieber auf Hochdeutsch. „Dafür reicht mein gelerntes Kauslerer Platt nicht aus“, bekannte der Geistliche unumwunden. Hier stimmte der Pfarrer ein wenig ernstere Töne an, gab zu bedenken, dass unsere Gegenwart vielerorts von Schrecken, Krieg und Gewalt gekennzeichnet ist.

Angesichts von Anschlägen nicht nur in Istanbul sondern tatsächlich unmittelbar vor unserer Haustür in Berlin stellte Dr. Jöcken die „krasse Frage“, ob es in solchen Zeiten überhaupt erlaubt sei, zu feiern. Abschließend kam Karnevalsfreund Jöcken doch zu dem Schluss, dass feiern nicht nur erlaubt sondern vielmehr gut und richtig sei, man dürfe nur solche Dinge darüber nicht vergessen.

Auch könne vielleicht sogar das gelebte Brauchtum genutzt werden, um „Brücken zu ausländischen Mitbürgern zu bauen“ und gemeinsam zu feiern. Schließlich sei, das bewiesen auch zahlreiche Lieder, der Karneval sehr sozial, man denke nur an den „isolierten Mann an der Theke, der zum Bier eingeladen wird“.

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