Für andere stark und mutig sein

Von: Gerda Król
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„Wir bekommen viel zurück”: Helga Range mit Waisenkindern in Batang Pinangga auf der Insel Cebu (Philippinen). Das dortige Kinderdorf wird von „Aktion Wasserbüffel” gefördert.

Jülich. Geteilt hat Helga Range immer gerne. Schon als Kind schmeckten ihr die Bonbons dann am besten, wenn sie ihre Leckereien mit ihren Freunden teilen konnte. Außerdem war es ihr stets eine Herzensangelegenheit, anderen zu helfen. Krankenschwester wollte sie daher werden, doch der Weg war schwer und steinig.

1941 in Schröffelsdorf/Sudetenland geboren kam sie nach dem Krieg mit ihrer Familie in den Westen. Um ihr Ziel zu erreichen, arbeitete sie schon mit 14 Jahren in einem Krankenhaus in Herten. Mit 18 Jahren entschied sie sich für eine zweijährige Ausbildung als Krankenpflegerin in der Psychiatrie. Sie heiratete und brachte einen Sohn zur Welt. Die Ehe scheiterte allerdings schon bald.

Lebensmut bewahrt

Ihren Frohsinn, Lebensmut und ihren Glauben hat sie sich dennoch bewahrt, was ihr im Umgang mit den psychisch kranken Menschen zugute kam. Eines hat sie in dieser Zeit auch gelernt. Sie weiß, wie wichtig Menschenwürde ist. Später legte sie noch in Göttingen ihr Staatsexamen in der großen Krankenpflege ab. Dort trat der Physiker Dr. Jochen Range in ihr Leben, mit dem sie seit fast 40 Jahren glücklich verheiratet ist. Zwei Söhne wurden noch geboren und 1976 zog die Familie nach Jülich. Doch der Wunsch zu helfen und die Fürsorge für alte und kranke Menschen blieben ihr erhalten.

Dann trat ein weiterer wichtiger Mann in ihr Leben. Bei einer Zugfahrt lernte sie 1980 den russischen Schriftsteller und Dissidenten Lew Kopelew kennen. Sie kamen ins Gespräch und aus dieser Begegnung wurde eine langjährige, intensive Freundschaft.

Durch Kopelew lernte Helga Range schon bald Sonja Berg, Mitbegründerin von Amnesty International Deutschland, kennen und gemeinsam schlossen sich die Eheleute Range der Organisation an. Zunächst arbeiteten sie in der Dürener Gruppe mit, gründeten 1984 eine eigene Gruppe für Jülich. „Wir wollten etwas bewegen”, sagte die Menschenrechtlerin, die gerne an die Arbeitstreffen in ihrer Wohnung zurückdenkt.

Politische Gefangene gerettet

Zahlreiche Aktionen wurden von dort gestartet. Internationale Gäste wie Lew Kopelew, Solema Jubilan, Sc. Cres Lucero, Urs Fieschtner, Sergio Vesley, oder Wolfgang Landgräber hießen sie zu Vorträgen willkommen und sicherlich haben viele noch ihre Aktionen „Faxen für Menschenrechte” im Gedächtnis.

Eine stattliche Zahl von politischen Gefangenen, wie Professor Nasi Ahamad Qreshi aus Pakistan betreuten sie und retteten sie durch gezielte Aktionen vor der Hinrichtung.

„Wenn es um mich geht, bin ich eher feige, doch wenn es um andere geht, kann ich sehr mutig sein”, erklärt Helga Range, die sehr viel Herzblut in die Arbeit setzte.

1987 übernahmen die Eheleute die Koordination für die Philippinen bei Amnesty Deutschland, bereisten 1992 dieses Land und kamen tief erschüttert von der Armut zurück. „Ich kann nicht hier in Deutschland glücklich leben, ohne da zu helfen. Was nützt den Menschen dort Meinungsfreiheit, wenn sie nichts zu essen haben”, sagte sie und wünschte sich zu ihrem Geburtstag einen Wasserbüffel, der unentbehrlich für die Feldbestellung auf den Philippinen ist.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Gäste kamen, zeigten sich spendabel und es konnten gleich mehrere Wasserbüffel für das Flüchtlingsdorf Cara-an angeschafft werden. Aus dieser Aktion und mit Geldern der Martinusaktion Aldenhoven gründete sich der Verein „Aktion Wasserbüffel”, der seither in vielfältiger Weise auf den Philippinen aktiv wurde. Almosen aber , will Helga Range, Vorsitzende des Verein, nicht geben.

Hilfe zur Selbsthilfe will sie leisten, mit besonderem Augenmerk auf Trinkwasserversorgung, Schulausbildung und Dorfentwicklung. Viele Menschen haben ihr bei der Verwirklichung der Projekte geholfen. Ein besonderer Dank gilt der Realschule Jülich für ihre Spendenläufe und der langjährigen Zusammenarbeit.

Helga Range hat in dieser Zeit allerdings auch gelernt, die Sache kritisch und verantwortungsbewusst anzugehen. „Die Arbeit macht uns Freude”, sagt sie und fügt hinzu, „wir sind keine verzichtvollen Gutmenschen. Wir bekommen viel zurück. Hier fehlt es den Menschen oft an Dankbarkeit. Sie wissen gar nicht was es heißt, ohne Essen, ohne frisches Wasser, auszukommen. Die Menschen dort sind sehr dankbar.”

In allen diesen Dingen steht ihr Mann ihr zur Seite und so sagt sie: „Ich bin dankbar und glücklich. Deshalb bete ich auch jeden Abend und vergesse nie mich zu bedanken.”
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