Führung für Leser: Ein Nachmittag in der Zuckerfabrik Jülich

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
11448234.jpg
Erste Zwischenstufe auf dem Weg zum Kristallzucker: Manfred Sussmann (r.) mit dem roten Schutzhelm hält einen Becher mit Rohsaft hoch, der mit Kalkmilch versetzt ist, die dazu verwendet wird, den leicht süßen Rübensaft zu reinigen. Foto: Wolters
11447819.jpg
Klein und bunt: In dem Zylindergefäß befindet sich der vergleichsweise winzige Samen, den die Rübenbauern im Frühjahr ausbringen, der innerhalb von rund 180 Tagen die süße Knollen ausbildet.
11447832.jpg
Damit die Fabrik rund um die Uhr laufen kann, türmen sich bis zu 42000 Tonnen Rüben auf dem Hof.

Jülich. Zeitungsleser wissen mehr. Abonnenten wird vom Medienhaus Zeitungsverlag zudem regelmäßig die Gelegenheit geboten, bei Aboplus-Veranstaltungen hinter die Kulissen zu schauen. Insofern gab es am Dienstag eine Premiere, als eine 20-köpfige Besuchergruppe mit Lesern aus dem gesamten Verbreitungsgebiet zwischen Waldfeucht und Simmerath, Erkelenz und Aachen die Jülicher Zuckerfabrik besichtigte.

Das größte Werk des Kölner Unternehmens Pfeifer & Langen, das sich bis 2006 noch fest in der Hand der Rübenbauern befand, wird während der laufenden Kampagne von rund 1500 Rübenanbauern mit rund 1,6 Millionen Tonnen Rüben beliefert. Aus den süßen Knollen werden jährlich rund 240.000 Tonnen Zucker gewonnen. Das ist ein reines Naturprodukt und eines der wenigen Lebensmittel, die kein Verfallsdatum haben.

45 Jahre für Zuckerfabrik tätig

Wie die Zuckerherstellung im Einzelnen vonstattengeht, brachte Manfred Sussmann, der 45 Jahre bei der Zuckerfabrik gearbeitet hat, den wissbegierigen Gästen näher. Zudem begrüßte Ulrich Palandt, Leiter der kaufmännischen Verwaltung in Jülich, die Gruppe im Werk und stand auch nach dem mehrstündigen Rundgang für Diskussion und weitere Fragen zur Verfügung.

Bevor sich die Gruppe in die Fabrik aufmachte, blätterte der Film „Das weiße Gold“ die Entwicklung der Zuckerindustrie im Allgemeinen sowie den Beitrag des Unternehmens Pfeifer & Langen und die Entwicklung der Zuckerfabrik Jülich auf. Während das Familienunternehmen P + L 1870 in Köln gegründet wurde, folgte zehn Jahre später die Zuckerfabrik in Jülich, die bei der Zerstörung Jülich im November 1944 ebenfalls nahezu vollständig dem Erdboden gleichgemacht worden war.

Doch wie Phönix stieg die Fabrik dank des Engagements der heimischen Landwirtschaft aus der Asche, schaffte den Neuanfang als „bäuerliche Aktiengesellschaft“ und fuhr bereits 1947 ihre erste Nachkriegskampagne. Die Übernahme und Schließung der Zuckerfabrik Bedburg gab der Entwicklung in Jülich einen weiteren Schub, doch die EU-Pläne zur Reform der Zuckermarktordnung führten in der Branche zu einer Konzentrationswelle, der sich die Anteilseigner der Zuckerfabrik nicht verschließen mochten, die schließlich an den Kölner Konkurrenten verkauften.

Wie vor zehn Jahren gehört das Jülicher Werk bis heute zu den modernsten Zuckerfabriken Europas. Da es um ein Lebensmittel geht, ist der eigentliche Produktionsprozess nur aus gebotener Entfernung zu beobachten, denn im sogenannten „Weißbereich“ dürfen nur die Mitarbeiter mit den Produkten umgehen, doch zu sehen gibt es auch so im und um die Fabrikanlagen genug.

Imposant ist es zu sehen, wie Rübengespanne mit kräftigem Wasserstrahl entladen oder auf eine Bühne gefahren und komplett zur Seite gekippt werden, bis die Rüben von den Anhängern purzeln. Transportiert werden die Rüben in die Fabrik im geschlossenen Wasserkreislauf. Zunächst geht‘s ins Waschhaus, wo die Rüben gereinigt und geschnitten werden.

Roh-, Dünn- und Dicksaft

Die schmecken natürlich süß, wie beim Verkosten festzustellen war, und dienen in Verbindung mit heißem Wasser zur Gewinnung des Rohsaftes, der neben Zucker noch andere Stoffe enthält. Um die herauszulösen und den Rohsaft zu reinigen, wird ihm Kalkmilch zugesetzt. Während die ausgepressten und getrockneten Rübenschnitzel noch als hochwertiges Viehfutter verwertet werden, wird in einem mehrstufigen Prozess aus Rohsaft goldgelber Dünnsaft und aus diesem schließlich Dicksaft, der einen Zuckeranteil von 70 Prozent hat.

In der Kochstation wird dem Dicksaft immer weiter Wasser entzogen und er wird mit Zuckerkristallen geimpft, die das Wachsen der Kristalle anregt. In riesigen Zentrifugen werden am Ende Melasse und Zuckerkristalle getrennt, dessen Farbe langsam von Dunkelbraun zu Weiß gewechselt ist.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert