Friedhofsgebühren in Jülich steigen ab sofort

Von: Volker Uerlings
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Leichenhallen – wie hier auf dem Jülicher Kommunalfriedhof – werden immer seltener genutzt, obschon die Kosten bleiben. Das führt zu Gebührenerhöhungen. Die Gemeindeprüfanstalt empfiehlt, eine „Verringerung der Anzahl der Friedhofshallen in Betracht zu ziehen“. Foto: Uerlings

Jülich. Das ging nach neun Jahren plötzlich schnell. Am 26. Juli erhielten mehrere Bestatter in und um Jülich die Information, dass am 29. Juli die Gebühren im Friedhofswesen ganz massiv erhöht werden. Beschlossen hat das der Stadtrat am 29. Juni, am Freitag erfolgte die Amtliche Bekanntmachung im Stadtmagazin, so dass die Gebührensatzung heute in Kraft tritt.

Die Stadt hat seit 2007 mehrmals Rüffel von den Aufsichtsbehörden erhalten, weil sie ihre Friedhofsgebühren seitdem nicht neu kalkuliert hat. Das hat der Kreis Düren als Kommunalaufsicht bemängelt, das kritisierte auch die Gemeindeprüfungsanstalt in ihrem Prüfbericht 2015.

Beide Behörden unterstellen, dass die Gebühren bei weitem nicht kostendeckend sein dürften, aber die Stadt quasi neun Jahre im „Blindflug“ unterwegs war, weil sie keine neuen Berechnungen anstellte. Diese Unterdeckungen muss es auch gegeben haben, sonst wäre es in der jetzt amtlichen Neuberechnung nicht zu diesen Gebührensprüngen gekommen.

Die Bestatter in der Region wussten, dass da etwas auf sie zukam; nur nicht, wann genau und in welchen Dimensionen. „Alle waren informiert, dass Erhöhungen kommen“, sagt Heinz-Günter Ervens, Leiter des Bauverwaltungsamtes.

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Sterben wird in der Herzogstadt erheblich teurer. Die Abgaben steigen zwischen 41 und 116 Prozent.

Massiver Preisanstieg

Der Jülicher Bestatter Ulrich Strang bestreitet das nicht, war aber überrascht, wie deutlich die Gebühren steigen. Er hält das für zu massiv und nennt Beispiele.

Eine Rasenreihengrabstätte sei die mit Abstand am meisten genutzte Beerdigungsform in Jülich. Sie hat bis Freitag Gebühren von 1460 Euro verursacht (1122 Euro für die Grabstätte plus 338 Euro für Aushub und Verfüllung. Ab heute kostet sie 953 Euro mehr (2413 Euro). Das ist eine Erhöhung um 65 Prozent (ohne Leichenhallennutzung).

Prozentual noch höher fällt die Steigerung bei einer eher günstigen Bestattungsform aus: einem anonymen Urnen-Reihengrab. Hier waren bislang 326 Euro (241 plus 85 Euro) fällig. Ab sofort sind es 80 Prozent mehr: 586 Euro (429 plus 157 Euro). Die Gesamtbewertung mit den Worten von Bestatter Ulrich Strang: „Manche Preise in Jülich waren effektiv zu billig.

Es gab sogar Beerdigungstourismus hierher, weil es in anderen Gemeinden teurer war. Aber jetzt hat Jülich den Vogel abgeschossen.“ Die höchste Steigerung gibt es übrigens beim Nutzungsrecht für Reihengräber. Hier werden statt 270 nun 582 Euro fällig: eine Steigerung von fast 116 Prozent.

Bestatter Strang nennt noch ein Problem: Es gab in kleiner Zahl Todesfälle in den letzten Wochen, deren Bestattung noch folgt, meist in Verbindung mit Einäscherungen.

Keine Übergangsfristen

Hier müssen die Hinterbliebenen nun gegenüber den Annahmen von vor zwei oder drei Wochen mehrere hundert Euro mehr bezahlen, weil sich zum Stichtag heute die Gebühren ändern. Strang hätte sich hierfür eine Übergangslösung auf Basis der alten Gebührensätze gewünscht. Bei „Leistungen, die ab dem 29. Juli stattfinden, müssen wir die neuen Gebühren nehmen“, heißt es dazu aus dem Bauverwaltungsamt.

Ein grundsätzliches Problem stellen auch die Leichenhallen dar, die immer weniger genutzt werden. Das führt laut Stadtverwaltung dazu, dass sich auch hier die Gebühren erhöhen, weil die Kosten ja gleich bleiben, aber auf weniger Nutzer umgelegt werden. Die Nutzung der Leichenhalle kostet nun 480 statt 317 Euro, also gut 51 Prozent mehr. Das wird die Konsequenz haben, dass die Leichenhallennutzung weiter abnimmt. Dieses Problem hat die Gemeindeprüfungsanstalt gesehen und Empfehlungen ausgesprochen.

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