Freimaurer: Seit 200 Jahren in Jülich

Von: Daniela Mengel-Driefert
Letzte Aktualisierung:
9163849.jpg
Symbole der Freimaurerei: Karl Milz zeigt auf ein Bild, in dem drei Rosen und zwei erloschene Kerzen dargestellt werden. Rosen und Kerzen werden bei der Verabschiedung eines Bruders aufgestellt. Foto: Daniela Mengel-Driefert

Jülich. „Ich hatte es leid, an der Theke zu sitzen, über Frauen, Geld und Autos zu reden“, sagt Karl Milz. Auf der Suche nach einer Alternative ist er auf die Freimaurer gestoßen, besuchte ein Jahr lang die Gästeabende der Jülicher Loge „Wahrheit und Einigkeit zu den sieben vereinigten Brüdern“. 1999 entschloss er sich, beizutreten. Doch was ist die Freimaurerei? Ein einflussreicher Geheimbund mit mysteriösen Ritualen? Wir haben nachgefragt.

Karl Milz stellte einen Antrag, um in die Loge aufgenommen zu werden. Über seine Aufnahme entschieden schwarze und weiße Kugeln. Das hört sich geheimnisvoll an, ist aber einfach erklärt: Zur Abstimmung erhält jeder Freimaurer eine schwarze wie weiße Kugel. Wer einverstanden mit der Aufnahme ist, legt die weiße Kugel in einen Sack. Bei drei schwarzen Kugeln ist der Antrag abgelehnt. Karl Milz wurde aufgenommen. Er habe es bis heute nicht bereut, sagt er im Gespräch.

Wer Freimaurer wird, sollte bereit für eine persönliche Entwicklung sein. Wer eintritt, ist Freimaurer ersten Grades und Lehrling für ein bis zwei Jahre. Milz erklärt: „Wir sagen dem Lehrling: Schau in dich.“ Die Selbstfindung stehe im Vordergrund. In der Gesellenzeit gelte die Regel, von anderen zu lernen. Der Geselle bereist dazu andere Logen. Ist der Freimaurer zum Meister aufgestiegen, laute die Maxime: „Schau über dich“, oder auch: „Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?“, sagt Milz.

Ein Symbol in der Freimaurerei ist die Darstellung des rauen Steins. Er verkörpert den Lehrling, den Menschen, bevor er an sich gearbeitet hat. Dieser symbolische Stein, der mit Ecken und Kanten versehen ist, soll sich zum Kubus verwandeln, damit er beim symbolischen Tempelbau als passendes Teil eingefügt werden kann. Für den selbstkritischen Freimaurer ist er ein lebenslanges Symbol. „Wir sollten immer an uns arbeiten“, sagt Milz. Auch Humanität, Toleranz und karitatives Engagement sind wichtige Grundsätze, die der Freimaurer versucht, im Alltag umzusetzen.

In der Jülicher Loge, deren Tempel sich im Gebäude der Sparkasse befindet, versammeln sich regelmäßig rund 30 Mitglieder. Die rituelle Versammlung findet einmal im Monat statt, ebenso wie die Gästeabende. In der Loge werden Vorträge zu Wissenschaft, Kunst und Kultur gehalten. Welche Rituale in der Tempelarbeit praktiziert werden, möchte Karl Milz nicht preis geben.

Manches erzählt er dann aber doch, zum Beispiel, dass die Freimaurer weiße Handschuhe tragen. Was mysteriös klingt, hat einen praktischen Hintergrund. Handschuhe verdecken die Hände, Schwielen, Risse sind nicht zu sehen, die Hände verraten nicht das Handwerk, sprich der Geisteswissenschaftler unterscheidet sich nicht vom Arbeiter, denn in der Loge gelte die Regel: „Alle sind gleich.“

Informationen im Internet

Als Geheimbund sind die Freimaurer in der Öffentlichkeit bekannt, doch Milz winkt ab. Geheim seien sie nicht, im Internet gebe es doch zahlreiche Informationen. Auch mit einem Gerücht räumt er auf. Es müsse keiner aus der Kirche austreten oder seinen Glauben ablegen, um Freimaurer zu werden, allerdings habe in der offenen Loge Politik und Religion nichts zu suchen.

Ein Austritt sei grundsätzlich möglich. Dann schränkt Milz wieder ein, wer einmal Freimaurer sei, bleibe auch Freimaurer. Es sei denn, er wird ausgeschlossen. Frauen werden nicht aufgenommen. Gemischte Logen sind heute zwar möglich, doch Milz ist überzeugt: „Die werden sich nicht halten.“

Und was ist mit Macht und Einfluss der Freimaurer? Milz erzählt, ein Freimaurer namens Dr. Eunike habe in langen Verhandlungen erreicht, dass Jülich nach 1945 an alter Stelle wieder aufgebaut werden durfte. Der amerikanische und britische Stadtkommandant seien ebenfalls Freimaurer gewesen.

Im nächsten Jahr wird die Jülicher Loge 200 Jahre alt. Geplant sind ein festlicher Empfang und eine Ausstellung.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert