Frage nach der Stromversorgung im Jahr 2050

Von: hfs.
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Der Ausbau eines sicheren Übertragungsnetzes bis zum Jahre 2025 sollte in Deutschland möglich sein. So die Expertenmeinung. Foto: hfs.

Jülich. Die sogenannte „Summer School“ der Fachhochschule Aachen, Abteilung Jülich, ist bei Studierenden seit vielen Jahren ein Begriff. Jährlich trifft man sich auf dem Campus in Jülich, lebt zweieinhalb Wochen in einem Zeltlager und beschäftigt sich mit Regenerativer Energie.

So standen jetzt zum 28. Mal die Themenkomplexe wie Brennstoffzellen, Solarthermie, Speichersysteme, der Netzausbau oder „Smard Grids“, die intelligenten Stromnetze oder aber die Geothermie auf dem Lernplan. Durch die Teilnahme an der „Summer School Renewable Energy“ ist sowohl für Bachelor- als auch Master-Studierende der Erwerb von Leistungspunkten nach dem European Credit Transfer System möglich.

„Wie schaffen wir Versorgungssicherheit für 2050?“ Diese Frage versuchten unter der Moderation von Dr. Harry Lehmann, Fachbereichsleiter Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien beim Umweltbundesamt vier Experten zu beanworten. Tenor: „Ohne sichere Infrastruktur kriegen wir die Energiewende bis zum Jahre 2050 nicht hin“, meinte zum Beispiel Olaf Ziemann vom Unternehmen „50 Hertz Transmission“ mit Sitz in Berlin.

Der deutsche Übertragungsnetzbetreiber unterhält ein rund 9750 Kilometern langes Höchstspannungsnetz im Osten Deutschlands sowie im Raum Hamburg und deckt damit rund 30 Prozent (109.000 Quadratkilometer) der Fläche Deutschlands ab. Dass man sich zu Beginn beim Aufbau des Netzes ein blaues Auge geholt habe, räumte er ein. „Man muss zuerst einmal die Frage der Akzeptanz klären, frühzeitig den Bürger bei den Planungen beteiligen“, sagte der Berliner, der eine „zuverlässige Infrastruktur als Voraussetzung betrachtet, damit ein sicherer Betrieb gewährleistet ist.“

Für Dirk Sauer vom RWTH-Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe ist ein sicheres Übertragungsnetz „die erste Option“ zum Erreichen der Energiewende. Sauer ist sich sicher, dass die technischen Lösungen dafür vorhanden sind. „Jetzt geht es nur noch um die wirtschaftliches Lösungen, wobei ich mir manchmal bei der Diskussion mehr Sachverstand wünsche.“

Dass man langfristige Sicherheit brauche, dies sei selbstverständlich. Vor diesem Hintergrund machte er sich denn auch für die Speichertechnik stark. Die könnte im Betrieb wirtschaftlicher sein, wobei die Speicherung im Wettbewerb erfolgen sollte. Sein Credo: Deutschland ist bestens gewappnet.

Für Jan Dobertin (Landesverband Erneuerbare Energien NRW) müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. „denn schon vor Ort sollten Stromerzeuger und Verbraucher zusammen gebracht werden“. Für ihn ist die Stromgewinnung durch Windenergie und Photovoltaik die beste Option. Dafür müsse denn auch ein optimales Übertragungsnetz bis zum Jahre 2025 zur Verfügung stehen. Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoll, ab 50 Prozent Stromgewinnung durch regenerative Energie auf Speichertechnik zu setzen. „Wärmespeicher sind dabei 1000 Mal günstiger als die Speicherung von Strom“, legte sich Dobertin darauf fest, „dass Speichertechnik auf jeden Fall sinnvoll und ökonomisch ist“.

Ein sicheres Netz, eine Refinanzierung der eingesetzten Energie und die Frage, was mit den bestehenden Kohlekraftwerken in 20 Jahren geschehen soll, sind für Thomas Dederichs als Referent „Netzausbau“ bei der Bundesnetzagentur in Bonn die zentralen Themenfelder zur Umsetzung der von der Bundesregierung eingeforderten Energiewende bis zum Jahre 2050. Da stelle sich auch die Frage, welche Kraftwerke überhaupt sinnvoll seien. Was die Vergütung für Investoren aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) anbelangt, sah Dederichs die „von der Politik als verkehrt gesteuert“ an. „Denn die Berechnungsvergütung ist ein Kostentreiber.“

Zum Thema Speichertechnik, hatte der Mann von der Bundesnetzagentur eine klare Meinung. „Viele kleine Speicher kosten mehr als ein Großspeicher, zum Beispiel von den Stadtwerken.“ Dass die Akzeptanz der Stromgewinnung durch erneuerbare Energien in Deutschland sehr groß ist, machte Dederichs an zwei Zahlen deutlich. „In Deutschland sind über das EEG-Gesetz 50 Prozent der Anlagen in privater Hand. Und die erhalten aus der zugesagten Rückvergütung rund 20 Milliarden Euro.“

Die Podiumsdiskussion im Gerling Pavillon auf dem Jülicher Solar-Campus gehörte mit zu den insgesamt 30 Veranstaltungen der 28. Summer School, die heute mit der Abschlussveranstaltung endet.

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