Forum Medizin: Husten - ein Problem, für das es Lösungen gibt

Von: ptj
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Im Podium sitzen: (v.l.) Pneum
Im Podium sitzen: (v.l.) Pneumologe Dr. Mario Vogts, Physiotherapeut Andreas Nelles, Moderator Otto Jonel, Pneumologe Gerald Wilmsmann und Chirurg Dr. Klaus Hindrichs. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Houston, wir haben ein Problem.” Diesen prägenden Satz aus der Apollo-Raumfahrt stellte unser Redakteur Otto Jonel, Moderator der 22. Auflage des Forums Medizin des St. Elisabeth-Krankenhauses Jülich und unserer Zeitung, als augenzwinkernde Einführung dem Thema voran, ging es dabei doch um die Frage: „Was ist, wenn der Husten nicht weg geht?”

Über Ursachen, Diagnosen und diverse Behandlungsmethoden klärten die Jülicher Pneumologen Gerald Wilmsmann und Dr. Mario Vogts, Diplom Physiotherapeut Andreas Nelles und der Chefarzt der Chirurgie, Dr. Klaus Hindrichs, die Gäste in der vollbesetzten Schlosskapelle der Jülicher Zitadelle auf.

„Wenn der Husten länger als drei Wochen anhält, ist er chronifiziert und ernst zu nehmen, dann unbedingt abklären lassen”, riet Vogts als erster Referent mit den Themenbereichen Diagnostik und Symptomatik. Dabei zeigte er sich von dem „Blumenstrauß an Möglichkeiten” dermaßen begeistert, dass sein detailreicher Vortrag kaum ein Ende finden wollte.

Beim chronifizierten Husten kann es sich bei der Ursache um eine Frühform von Asthma bronchiale, um Tumore, Fremdkörper, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD, Emphyseme (Überblähung) Infekte wie Keuchhusten oder die sich aus einer absteigenden Bronchitis entwickelnde Bronchopneumonie oder Magensäurereflux (Rückfluss) handeln.

Über Begleitsymptome wie „Atemnot, die einen direkt zum Arzt führt,” und klinische Erscheinungsbilder gelangte der Lungenexperte zur instrumentellen Diagnostik und gewährte Einblicke in das „unser Waffenarsenal, wobei wir uns hier in Jülich nicht zu verstecken brauchen”, wie er im Vergleich zu größeren Einrichtungen betonte.

Beispiele sind die Spirometrie „kleine Lungenfunktion(suntersuchung)”, die einem Belastung-EKG entspricht, und ihre große Schwester, die besonders kostspielige „Bodyplethysmografie”, die etwa bei Asthma zum Einsatz kommt.

Laut Vogts wird Jülich bald von einem „Ebus-Bronchoskop” profitieren, das eine Bronchoskopie mit einer Ultraschalluntersuchung kombiniert, und von der „bronchialen Thermosplastie”, einer neuen, nicht medikamentösen, wenig invasiven Eingriffsform bei schwerem Asthma.

Auf der „mittelfristigen Agenda” Vogts stehen etwa ein akademisches Lehrkrankenhaus in Jülich, die Ausbildung von Pneumologen und pneumologisch geschulten Allgemeinmedizinern für die hausärztliche Versorgung oder die Etablierung eines interdisziplinären „Weaningzentrums” zur Entwöhnung der Patienten vom Beatmungsgerät.

„Warum Lungensport?”, übernahm der Physiotherapeut das Rednerpult. „Wer Leistung bringen will und sich schont, weil er ein Problem hat, hat mehr Probleme”, lautete seine schlussfolgernde Antwort. Wer die fatale Abwärtsspirale von Dekonditionierung von Herz, Kreislauf und Muskulatur und sinkender Lebensqualität stoppen will, ist in einer seiner beiden kleineren Gruppen gut aufgehoben, wo die Atemhilfsmuskulatur aufgebaut, die Effizienz der Beinleistung und das Herz-Kreislaufsystem trainiert werden. Die Übungen sind dem Alter und dem Schweregrad der Erkrankung des Patienten angepasst. So werde die Lebensqualität gesteigert und krankheitsbedingte Symptome reduziert.

Zu anderen Therapieformen zähle etwa der Spirotiger, „das einzige Gerät, das die Atemhilfsmuskeln trainiert”, hofft Nelles auf eine baldige Anschaffung des „Tigers”, der einen „enormen Leistungsanstieg verspricht”.

Internist und Pneumologe Gerald Wilmsmann bezeichnete den Husten als „einen Schutzmechanismus des Rachens”, der „prinzipiell nichts Schlimmes” sei. Er hatte drei kleine Fallbeispiele und den Film einer Bronchoskopie im Gepäck, der einige spontane „Bah”-Rufe zur Folge hatte. Die 24-jährige Patientin in seinem ersten Fallbeispiel litt unter einer absolut seltenen Erkrankung, der „Langerhanßzellhistiozytose”. Sie „wäre wieder gesund geworden, wenn sie aufgehört hätte zu rauchen”.

Mit dem Thema Rauchen als Grunderkrankung begann auch das Referat des Chirurgen. Das Lungenkarzinom sei die häufigste Krebstodart und fordere jährlich zirka eine Million Tote in Folge des Zigarettenkonsums, führte er als Beleg eine erschreckende Bilanz an, die im Laufe eines Jahrhunderts eine steile Mortalitätskurve aufweist. Dr. Klaus Hindrichs beleuchtete die Art der Tumore in Verbindung mit der Art des Eingriffs, etwa die Entfernung von Lungenblasen per Spiegelung mit einem Naht-Schneidegerät, und die Zusammenarbeit der Chirurgie mit der Strahlen- und Chemotherapie.

Ferner waren präoperative Diagnostik, Früh- und Spätkomplikationen Thema. Grundsätzlich gilt: „Je kleiner der Eingriff, desto kleiner das Risiko.”

Nach den Vorträgen stellten sich Ärzte und Physiotherapeut den Fragen der Gäste. In diesem Zusammenhang kam auch ein „logistisches Problem” mit langen Wartezeiten in der Jülicher Lungenambulanz zur Sprache, dem man mit einer Umbaumaßnahme begegnen will.

Infolge der vielen Menschen und der daraus resultierenden Sauerstoffarmut im Versammlungsraum kollabierte ein Zuhörer. Zum Glück gibt es für einen solchen Fall kaum einen besseren Ort als ein Medizinforum, in dessen Verlauf der Patient sogleich von zahlreich anwesenden medizinischen Spezialisten bestens betreut wurde.
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