Forschungszentrum will Pendeln der Mitarbeiter umweltfreundlicher machen

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
15032531.jpg
Setzen auf das Fahrrad: Ellen Kammula und Peter Burauel. Foto: Jansen

Jülich. Klima- und Energieforschung sind zwei der ganz großen Themen am Forschungszentrum Jülich (FZJ). Jülicher Wissenschaftler zählen beispielsweise zur Weltspitze, wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln, um den weltweiten Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) zu reduzieren. Ideologisch befindet sich das FZJ deswegen in einer Art Zwickmühle.

Vor zwei Jahren hat eine Mobilitätsumfrage ergeben, dass sich 55 Prozent der rund 5500 Mitarbeiter hinter das Steuer eines Autos setzen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Und damit erzeugen sie CO2.

„Wir wollen Vorbilder sein“, sagt Peter Burauel. Er leitet das Team des FZJ-Zukunftscampus. Hier tüfteln Forscher unter anderem an einem Weg raus aus der Zwickmühle. „Wir wollen es schaffen, dass unser CO2-Fußabdruck kleiner wird. Einen Beitrag kann die klimafreundliche Mobilität sein“, sagt Burauel. Ein anspruchsvolles Unterfangen angesichts der Tatsache, dass Mitarbeiter aus jeder Stadt oder Gemeinde im Umkreis von 50 Kilometern nach Jülich pendeln.

Die Verkehrsfalle

Das FZJ sitzt verkehrstechnisch in einer Falle. Es ist mit der Rurtalbahn an die Schiene angebunden, es gibt sogar eine eigene Haltestelle „Forschungszentrum“. Für Mitarbeiter mit Anschluss an die Rurtalbahn ist das interessant. Für Pendler aus Köln, Düsseldorf oder Aachen gibt es aber keine direkte Bahnanbindung. Wer über die Schiene Aachen-Köln nach Jülich will, der muss in Düren in die Rurtalbahn umsteigen. Eine Anbindung der Rurtalbahn an die Bahntrasse Aachen-Düsseldorf gibt es nicht.

„Wenn es mit Bus und Bahn pro Fahrt 15 Minuten länger dauert als mit dem Auto, dann ist das für die Mitarbeiter noch interessant. Alles, was länger dauert, ist schwierig“, berichtet Zukunftscampus-Mitarbeiterin Dr. Ellen Kammula aus den Ergebnissen der Mobilitätsstudie. Dann räumen die Mitarbeiter des größten Arbeitgebers im Kreis Düren dem Auto meist Vorfahrt ein. Ausnahmen sind die Rurtalbahn-Pendler, die, die so nah am FZJ wohnen, dass sie zu Fuß oder mit dem Rad kommen, und viele Aachener.

Fast 700 Aachener arbeiten im FZJ. Nach Jülich (1310) ist Aachen der Wohnort der zweitmeisten FZJ-Mitarbeiter. Das liegt auch an den vielen gemeinsamen Forschungsprojekten zwischen der RWTH und dem FZJ. „Viele Mitarbeiter aus Aachen bilden Fahrgemeinschaften“, sagt Kammula. Außerdem gebe es zwei direkte Verbindungen ab dem Aachener Bushof, eine davon als Schnellbus.

Jenseits von Fuß- oder Radreichweite, der Rurtalbahn und Aachen ist das Auto oft alternativlos. Für einige Mitarbeiter wird das so bleiben. Zum Beispiel die, die ungewöhnliche lange Wege in Kauf nehmen, um am FZJ zu arbeiten. Davon gibt es in der größten interdisziplinären Forschungseinrichtung Deutschlands einige.

So pendeln einige wenige aus Dortmund nach Jülich, aus Kevelaer, aus Kierspe im Märkischen Kreis. Das ist von Jülich aus doppelt so weit weg wie Leverkusen. „Und wir haben Mitarbeiter, die sind einfach auf das Auto angewiesen, beispielsweise Professoren, die gleichzeitig noch einen Lehrauftrag in Aachen, Düsseldorf oder Wuppertal haben und zwischen beiden Aufgaben pendeln“, erklärt Burauel.

Für alle anderen sucht das Zukunftscampus-Team nach Ideen, die den Verzicht auf das Auto erleichtern. Für 265 Mitarbeiter aus Köln oder 70 aus Düsseldorf. Oder die, die entlang der Schiene Aachen-Köln und Aachen-Düsseldorf wohnen. Das betrifft in Summe noch mal mehrere Hundert, von Herzogenrath angefangen auch Übach-Palenberg, Geilenkirchen, Erkelenz, Mönchengladbach oder Neuss oder über Kerpen und Frechen bis in Richtung Bonn.

„Wenn der Lückenschluss der Rurtalbahn an die Bahnstrecke Aachen–Düsseldorf endlich gelingen würde, dann hätten die Mitarbeiter dort eine echte Alternative“, sagt Burauel. Konkrete Pläne in diese Richtung gibt es bisher nicht. Die zweite Möglichkeit wäre ein Schnell- oder Pendelbus, so wie von Aachen aus. „Das würden wir auch sehr vom Haltepunkt Merzenich an der S-Bahn-Strecke Düren-Köln begrüßen“, schildert Burauel weiter.

Einen Teilerfolg kann der Zukunftscampus schon vermelden. Seit zwei Jahren gibt es das Mobilitätskonzept, das im Zuge des Projekts Mobil.Pro.Fit. des Bundesumweltministeriums betrieben wird. Burauel: „Seitdem ist es uns gelungen, den jährlichen CO2-Ausstoß um 300 Tonnen zu verringern.“

Das ist nicht mit einem großen Wurf gelungen. Den wird es nicht geben, so lange das FZJ in einer Art Nahverkehrsfalle sitzt. Viele kleinere Ideen haben gefruchtet. Im FZJ-Intranet gibt es ein Portal für Fahrgemeinschaften, zudem hat der Zukunftscampus im Internet eine eigene Domäne in einem offenen Pendlerportal eingerichtet.

Ein Ziel ist, möglichst viele Mitarbeiter für Elektromobilität zu begeistern. „Wir planen derzeit, Ladestationen für Elektromobilität auf dem Campus zu installieren“, sagt Burauel. Zudem soll die Zahl der Elektromobile im 150 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark steigen. Bisher sind es fünf.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert