Forschungszentrum: Produktive Bakterien zum Leuchten bringen

Von: Guido Jansen
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Noch sind die Labore beengt, aber bald ziehen (v.l.) Dr. Georg Schaumann, Dr. Regina Mahr und Dr. Stephan Binder mit dem Unternehmen SenseUp innerhalb des Forschungszentrums um. Ihre Mission: die Suche nach dem Super-Bakterium. Foto: Guido Jansen

Jülich. Mit Bakterien ist das wie mit Menschen: Man sieht ihnen für gewöhnlich nicht an, ob sie besondere Talente haben. Die beiden Jülicher Forscher Stephan Binder (33) und Georg Schaumann (35) haben eine Methode entwickelt, um besonders produktive Bakterien ruck, zuck zu identifizieren. Sie bringen sie zum Leuchten.

Die Idee dazu ist den beiden Biologen gekommen, als sie 2012 zeitgleich am Forschungszentrum Jülich ihre Doktorarbeiten geschrieben haben. Heute bereiten sie sich darauf vor, ab dem 1. Juli nicht mehr Angestellte des Forschungszentrums zu sein, sondern Geschäftsführer ihres eigenen Unternehmens.

Dann ist die Gründung ihres eigenen Unternehmens SenseUp geplant. Auf dem Weg zur Ausgründung haben Binder und Schaumann viele Preise für ihre Idee mit den leuchtenden Bakterien abgeräumt. Beispielsweise den Innovationspreis des Landes NRW oder den Innovationspreis der RWTH Aachen.

Ab dem 1. Juli soll die Idee beide künftigen Geschäftsführer und zunächst sieben Mitarbeiter ernähren. Wachstum ist geplant und erwünscht bei Binder und Schaumann. 15, 20 Mitarbeiter könnten es innerhalb von ein paar Jahren werden, wenn ihr Plan auf dem Markt greift. Davon sind sie überzeugt.

80 Millionen Bewerber...

„Wir können jetzt das, was vorher Jahre gedauert hat, innerhalb von Minuten schaffen“, erklärt Binder die Sache mit den leuchtenden Bakterien. Schaumann vergleicht die Suche nach den Super-Bakterien mit der Suche nach einem neuen Bahnchef unter 80 Millionen Bewerbern. Der Grund für das Finden im Schnellverfahren ist die Eigenschaft von produktiven Bakterien, „überschüssige Produkte oder Zellbausteine aufzunehmen“. „Dann gehen Türen auf in der Zellwand, damit das, was zu viel aufgenommen wurde, wieder raus kann. Und wir hängen an diese Türen unseren Reporter, der dafür sorgt, dass neben der geöffneten Tür ein leuchtendes Protein gebildet wird“, erklärt Binder. So kann das produktive Bakterium gefunden werden. Das leuchtende Reporter-Protein wird dann wieder entfernt.

„So erhalten wir eine Zelle, die als nicht genetisch verändert gilt. Die Zelle gilt als nicht-gentechnisch verändert, weil wir nicht aktiv in das Erbgut eingreifen. Gerade bei Nahrungsmitteln werden genetisch veränderte Organismen skeptisch beäugt“, sagt Schaumann weiter. Optimiert, aber nicht genmanipuliert – das lasse sich als Verkaufsargument gut vermarkten, erklären die beiden künftigen Geschäftsführer. „Natürlicher als mit unserer Methode kann man keinen Bakterienstamm optimieren.“ Das SenseUp-Team isoliert das optimale Bakterium und reproduziert es. Dann kann im Prinzip die Produktion beginnen. Beispielsweise die von Aminosäuren für Nahrungsergänzungsmittel, probiotische Getränke oder Joghurts.

Die Geschäftsidee: Mit ihrer erfolgreichen Suche nach dem Super-Bakterium ersetzen Binder und Schaumann die chemischen Prozesse, die bisher beim Herstellen genutzt werden. Das ist umweltschonender. „Aber unseren Kunden geht es nicht in erster Linie darum, einen Umwelt-Engel zu gewinnen“, sagt Schaumann. „Die Umwelt zu schonen ist zwar schön. Aber vor allem kommt es darauf an, dass unsere Methode günstiger ist als die bisherigen.“

Aus arbeitsrechtlicher Sicht verlassen Binder, Schaumann und die sieben anderen Mitarbeiter mit der Ausgründung das Forschungszentrum und agieren dann als eigenständiges Unternehmen. Sie verlassen die Räume des Instituts für Bio- und Geowissenschaften, da, wo sie großgeworden sind. Aber sie bleiben im Forschungszentrum und mieten sich in einem größeren Büro- und Labortrakt ein. Bei ihrer Suche hätten sie an keiner anderen Stelle so günstige Bedingungen gefunden wie an dem Ort, an dem ihre Idee zur Firma gewachsen ist. Für drei Jahre haben sie sich eingemietet. Irgendwann werden sie sich auch räumlich ausgründen. In der Region bleiben wollen sie aber auf jeden Fall. Das betonen beide.

„Ohne die Unterstützung hier im Institut, im Forschungszentrum und seitens der Helmholtz-Gemeinschaft und der Gründungsoffensive Biotechnologie wären wir nie so weit gekommen“, sagten die beiden im Brustton der Überzeugung. Vor zwei Jahren, als SenseUp gegründet wurde, hätten sie mit ihrer bloßen Idee bei potenziellen Kunden keine Chance gehabt. Das Forschungszentrum war eine Art Brutkasten, in dem das Projekt so weiterwachsen konnte, um Marktreife zu erreichen.

Jetzt steht der nächste Schritt an, die Selbstständigkeit mit Businessplan, Durchblick im Steuer- und Vertragsrecht und allem Zipp und Zapp. „Das macht uns Spaß ohne Ende“, formuliert Binder, dass bei ihnen im Forschungszentrum nicht nur eine Idee gewachsen ist, sondern auch der Unternehmergeist.

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