Forschungszentrum plant eigene Energiewende

Von: Antonius Wolters
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Das bestehende Heizwerk des Forschungszetrums soll auch nach dem Bau der Energieversorgungszentrale erhalten bleiben, um Spitzenlasten abfedern zu können. Foto: Forschungszentrum
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Bei Mark Franken vom Gebäudemanagement laufen viele Fäden der Energiewende im FZJ zusammen.

Jülich. Eine Art eigene Energiewende plant das Forschungszentrum Jülich (FZJ), das gleichzeitig versucht, mit Hilfe seiner Forschung dazu beizutragen, dass genügend Energie für Forschungsvorhaben zur Verfügung steht. Zentraler Punkt der Überlegungen ist der Bau einer eigenen Versorgungszentrale für rund 23,35 Millionen Euro.

Damit sollen zukünftig Wärme, Kälte uns Strom für den Eigenbedarf produziert werden. Das hat der Aufsichtsrat Ende vergangenen Jahres beschlossen. „Wir beginnen 2015 mit der Planung und wollen zur Heizperiode im Herbst 2019 fertig sein“, umreißt Mark Franken, Leiter des Gebäude- und Liegenschaftsmanagements, den angestrebten Zeitplan. Zudem werde das ehrgeizige Ziel verfolgt, den Campus bis 2030 klimaneutral mit Energie zu versorgen.

Noch bis 2019 bezieht das FZJ über eine eigene Pipeline Fernwärme vom Kraftwerk in Weisweiler, um Büros und Labore zu heizen sowie Küchen und Sanitäranlagen mit warmem Wasser zu versorgen. Die entsprechende Vertragsverlängerung mit RWE Power stehe, so Franken, kurz vor dem Abschluss. Der Jahresbedarf liegt bei etwa 115 Gigawattstunden, was dem Verbrauch von etwa 5000 Einfamilienhäusern entspricht.

Mit dem Neubau der Energieversorgungszentrale wird das Forschungszentrum nicht allein in Sachen Wärmeversorgung autark, sondern produziert durch zwei Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von jeweils 4,3 Megawatt künftig auch eigenen Strom für den Campus.

Zusätzlich stellt eine integrierte Absorptionskältemaschine mit etwa 2,6 Megawatt Kälte für bestimmte Anwendungen zur Verfügung. Um Spitzenlasten abfedern zu können, wird das FZJ weiterhin sein vorhandenes Heizwerk betreiben.

Angebot der Zuckerfabrik

Als Primärenergie wird in der Energieversorgungszentrale zunächst Erdgas genutzt, das nach bisherigen Planungen Zug um Zug durch das ökologischere Biomethan abgelöst werden soll. Dazu passend liegt aktuell eine Anfrage aus der Jülicher Zuckerfabrik von Pfeifer&Langen an den FZJ-Vorstand vor, ob dort ein Interesse daran besteht, einen Teil der Biomasse-Feststoffe aus der Zuckerproduktion für die thermische Verwertung oder Biogasherstellung zu nutzen.

„Hierzu wollen wir die Machbarkeit über Bachelorarbeiten prüfen, die durch die RWTH Aachen oder den Campus Jülich der FH Aachen betreut werden“, kündigt Mark Franken, dass dieses Angebot gerne aufgegriffen werde.

Wärme, Kälte und Strom aus dem eigenen Kraftwerk ist allerdings nur ein Baustein des nachhaltigen Energiekonzeptes, das gleichzeitig auf die effiziente Nutzung der Ressourcen abzielt. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die intelligente Steuerung aller Prozesse, von der Energieerzeugung bis zur Lieferung an jede einzelne Verbrauchsstelle.

In einem Forschungsprojekt mit Prof. Dr.-Ing. Dirk Müller vom E.ON-Energieforschungszentrum der RWTH Aachen hat das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement bereits das campuseigene Wärmenetz simuliert, um Schwachstellen zu identifizieren.

In einem weiteren Forschungsprojekt sollen die gesamten Energieflüsse für Strom, Kälte und Wärme zeitaufgelöst und einschließlich aller Wechselwirkungen in einem Modell erfasst und simuliert werden. Dieses Modell ist Grundlage für eine dynamische Betriebsführung des kompletten Energiesystems und ein Meilenstein in der Jülicher Energieforschung.

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