Forschungszentrum: Bringt Energiewende neue Jobs?

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Expertenrunde diskutiert im Forschungszentrum über die Energiewende und deren Folgen für die Beschäftigung. Foto: Witt

Jülich. „Gute Arbeit und ökologischer Wandel“ – unter diesem Schlagwort steht eine Veranstaltungsreihe der Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftbund (DGB) NRW und der Stabsstelle Zukunftscampus des Forschungszentrums Jülich (FZJ).

Bei verschiedenen Fachtagungen wurden und werden Aspekte rund um die Thematik der Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und „Guter Arbeit“ behandelt.

Die Notwendigkeit eines ökologischen Wandels ist auch für die Gewerkschaften zwingend. Umsetzbar ist dieser jedoch nur mit guter Arbeit, sozialer Sicherheit und Demokratie. Die beschlossene Energiewende hat Konsequenzen, und es gehört zu den wichtigsten Aufgaben in Nordrhein-Westfalen, eine klimaschonendere, aber trotzdem sichere und bezahlbare Energieversorgung zu gewährleisten.

In der im März stattgefundenen Tagung ging es um erneuerbare Energien, Innovationen und Beschäftigungseffekte. Prof. Dr. Harald Bolt, Mitglied des FZJ-Vorstands berichtete zunächst über die aktuelle Forschung und Projekte im Rahmen der innovativen Energieerzeugung.

Daraufhin wendete sich Prof. Dirk Müller, Leiter des E.ON Energy Research Center an der RWTH Aachen, der Fragestellung „Können sich private Haushalte am Lastmanagement für die Einbindung erneuerbarer Energien beteiligen“ zu. Danach hielt Dr. Ulrike Lehr, Mitarbeiterin der GWS/Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung, Osnabrück, einen Vortrag über Beschäftigungseffekte des Ausbaus erneuerbarer Energien.

In der anschließenden Diskussion, moderiert von Dr. Marc Schietinger von der DGB-nahen Hans-Böckler-Stiftung, setzten sich Jörg Gonsior, Landesfachbereichsleiter Ver- und Entsorgung von Verdi NRW, Dr. Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale NRW, Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB in NRW, Ulrike Lehr, und Prof. Müller mit der Energiewende und den mit ihr einhergehenden Beschäftigungseffekten auseinander. Des Weiteren wurde auch über die Veränderung der Arbeit im ökologischen Wandel diskutiert, dabei konnte das Publikum Rückfragen stellen und Bemerkungen äußern.

Auf Schietingers Frage, ob Erneuerbare Energien ein Fluch oder ein Segen für die Beschäftigung seien, antwortete der Verdi-Branchenexperte Gonsior, dass es keine ausnahmslos positiven Beschäftigungseffekte gebe, in diesem Bereich aber ein beachtlicher Beschäftigungszuwachs existiere, welcher jedoch schlechter bezahlt werde. In den letzten zwei Jahren seien etwa 100.000 Arbeitsplätze abgebaut worden, 10.000 weitere würden in diesem Jahr gestrichen werden.

Für Verdi sei auch das Thema Zeitarbeit, das hohe Quoten im Bereich der erneuerbaren Energien aufweist, sowohl gesellschaftspolitisch, arbeitsmarktpolitisch als auch tarifpolitisch untragbar, Der Ausbau von Zeitarbeit solle daher begrenzt werden. Außerdem dürfe die Tarifbindung nicht ausgehöhlt werden. Der ökologische Wandels sei wichtig, aber im Mittelpunkt stehe die Frage, wie dieser vonstatten gehe. Denn Unternehmen würden immer mehr von Finanzinvestoren beherrscht, denen es vordergründig nicht darum ginge, eine ökologische Energieversorgung sicherzustellen, sondern nur um Profit.

Kostet Geld

Auch Verbraucherschützer Reinhard Loch stellte heraus, dass eine Energiewende selbstverständlich Geld koste. Darüber sei sich die Bevölkerung im Klaren. Wichtig hierbei sei eine gerechte Kostenverteilung, denn ohne diese würde die Akzeptanz der Bevölkerung für erneuerbare Energien schnell schwinden. Ausschlaggebend sei eine soziale Verteilung. Der Bürger solle bei der Energiewende mitgenommen werden.

Meyer-Lauber unterstrich, dass die Energiewende für die Gewerkschaften ein Riesenproblem sei, weil sich dahinter ein Strukturwandel verberge. Die Energiefrage werde eine größere Rolle spielen, aber eine nachhaltige Politik werde nur dann akzeptiert werden, wenn Arbeit und Einkommen gesichert würden, betonte der Gewerkschafter.

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