Flugzeuge, die zu fliegenden Laboren werden

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
14245702.jpg
„So sieht das IAGOS-Paket an Bord eines Flugzeugs aus“: Dr. Andreas Petzold stellt die Messapparatur vor, mit der Klimafaktoren während des Fluges aufgezeichnet werden. Foto: Jansen
14245707.jpg
Der sensible Kern der Messapparatur wird alle drei Monate ausgtauscht und in Jülich gewartet. Foto: Jansen

Jülich. Luftmassen, die in China verschmutzt werden, wandern über den Pazifik und sorgen an der Westküste der USA für erhöhte Ozonwerte. Dieses Phänomen hat mit Jülich direkt nichts zu tun. Aber indirekt.

Denn das Forschungszentrum Jülich (FZJ) ist einer der zentralen Stützpunkte für ein großes europäisches Projekt namens IAGOS. Und IAGOS hat die Daten geliefert, die den Verdacht der transpazifischen Wanderung der verschmutzten Luftmassen bestätigt haben. „Wir sind die einzige Plattform weltweit, die den Gehalt von Klimagasen in der Höhe misst, in der Passagierflugzeuge fliegen“, sagt Dr. Andreas Petzold (55), Leiter der IAGOS-Gruppe am FZJ.

Seit 1994 sammelt IAGOS Daten da, wo es niemand anders in dieser Quantität und Qualität kann. Aus rechtlicher Sicht ist IAGOS ein Verein mit Sitz in Brüssel, die Arbeit übernehmen Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Das aus EU-Mitteln und in Deutschland mit Geldern des Bundesforschungsministeriums finanzierte Projekt hat einen Wert von 25 Millionen Euro, die jährlichen Betriebskosten betragen sechs Millionen Euro.

In Deutschland machen beispielsweise das Karlsruher Institut für Technologie, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Uni Heidelberg, mehrere Max-Planck-Institute, das Leipziger Institut für Troposphärenforschung und die Lufthansa mit.

Koordiniert werden die deutschen Aktivitäten im Institut für Energie und Klimaforschung im FZJ von Andreas Petzold.

In der Praxis statten die Forscher Linienflugzeuge mit einer Technik aus, die während des Fluges den Gehalt von Klimagasen wie Kohlenstoffdioxid, Ozon, Wasserdampf oder Methan sowie die Temperatur oder den Gehalt von Schwebeteilchen in der Atmosphäre misst. Gerade haben die Forscher die achte Messvorrichtung installiert, diesmal in einem Flieger von Hawaiian Airlines. „Hawaii hat uns gefehlt als einziger Zielpunkt für Flugzeuge mitten im Pazifik“, erklärt Petzold. Das Ziel der europäischen Forscher ist, ein Flugnetz um den Globus zu spannen, dass so dicht wie möglich ist, so dass sie Messdaten aus allen Regionen der Welt erhalten. Flugzeug Nummer neun wird gerade bestückt, Nummer zehn ist für den Sommer in Planung, das Ziel sind 15.

Passagierflugzeuge sind für die Forscher deshalb geeignet, weil sie in einer Höhe fliegen, in der sonst kaum Daten erhoben werden können, zwischen Troposphäre und Stratosphäre, der sogenannten Tropopause, die über den Polen in etwa acht Kilometern beginnt, am Äquator bei 18. Das Messnetz aus Verkehrsflugzeugen schließt die Lücke zwischen Bodenstationen und Satelliten. Geheim sind die IAGOS-Daten nicht. „Sie sind weltweit frei verfügbar“, sagt Petzold. „Seit 1994 hat es auf der Basis unserer Daten rund 250 wissenschaftliche Veröffentlichungen gegeben. Die hätten wir alleine niemals schreiben können.“

Die Abluftfahnen der Metropolen

Neben dem Beweis der in China verursachten Luftverschmutzung über Kalifornien haben die IAGOS-Daten weitere Erkenntnisse ermöglicht: Verschmutzungen schlagen sich meist nicht dort nieder, wo sie entstehen. Große Industriemetropolen produzieren beispielsweise Abluftfahnen in Hauptwindrichtung. Die im Flug gewonnenen Daten helfen bei der Wettervorhersage und und verbessern langfristig die Warnungen vor erhöhten Ozon- oder Feinstaubwerten. Bestätigt haben die Daten auch die Annahme, dass sich Emissionen in Richtung Äquator verschieben.

Der Klimawandel ist einer der Schwerpunkte der IAGOS-Arbeit. Die Forscher arbeiten daran, ihr Netz von Flügen nach Norden auszudehnen. So können sie mehr Daten sammeln, um die Theorie zu überprüfen, dass viele permanent gefrorene Böden dort im Zuge der globalen Erwärmung auftauen und so Methan freigesetzt wird.

Genügend Daten können die Forscher laut Petzold nicht sammeln. Je mehr, desto präziser. „Ein Ziel ist es, unsere Daten täglich für Dienstleistungen wie beispielsweise eine genaue Ozonvorhersage bereitzustellen “

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert