Flüchtlingskinder: Stadt Jülich sucht Plätze in Kitas und Schulen

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Ein Beispiel für gelungene Integration im Klassenverband an der Jülicher Promenadenschule: Arbesa und Victorija mit ihrer Lehrerin Christina Kappes. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Mit den Flüchtlingsströmen kommen nicht nur junge Männer in unsere Region, wie oft der Anschein erweckt wird. Natürlich fliehen auch Frauen und Kinder vor unerträglichen Zuständen in ihren Heimatländern. „In Jülich leben mittlerweile rund 200 Flüchtlingskinder“, sagt Andrea Klein, Asylbetreuerin der Stadt, und räumt gleich ein, dass sich die Zahlen täglich ändern.

Was passiert mit diesen Kindern? Wer kümmert sich? Gibt es eine Schulpflicht, Kindergartenplätze, Konzepte zur Integration?

Zunächst: Staat und Stadt kümmern sich um die Kinder. Die Asylbetreuer melden jedes neu angekommene Kind dem Kommunalen Integrationszentrum Düren. Dort ermitteln die Mitarbeiter mit Hilfe eines Dolmetschers den schulischen Kenntnisstand, erfragen, ob Zeugnisse vorliegen, welche Schule das Kind in der Vergangenheit besucht hat.

Im Anschluss untersucht das Gesundheitsamt die Mädchen und Jungen und stellt fest, ob sie altersgemäß entwickelt sind. Mit Kenntnis dieser Informationen nimmt das Kommunale Integrationszentrum Kontakt mit einer geeigneten Schule auf. „Welche Schule das ist, hängt vom individuellen Förderbedarf des Kindes ab“, erklärt Teamleiterin Verena Kappertz.

Das kann zum Beispiel die Promenadenschule sein. Schulleiterin Susanne Lucas: „Wir unterrichten derzeit zehn Flüchtlingskinder“. Die Eingewöhnung laufe gut – wenn auch anfangs mit Händen und Füßen. Schüler mit Migrationshintergrund helfen den Flüchtlingen und Lehrkräften in den ersten Tagen. Sie übersetzen, wenn Probleme anstehen. Susanne Lucas verteilt die Neuankömmlinge auf verschiedene Klassen und sieht darin einen klaren Vorteil. So werden sie schnell in der Gemeinschaft aufgenommen.

„Es ist unglaublich, wie schnell die Kinder Deutsch lernen und Kontakte knüpfen“, sagt die Schulleiterin, schränkt aber ein, dass die Kinder besondere Aufmerksamkeit brauchen. Ab November wird das Kollegium von einer weiteren Lehrkraft mit einer halben Stelle unterstützt. Darüber hinaus helfen ehrenamtliche Sprachpaten. Sie nehmen sich Zeit für die Kinder, basteln, spielen Memory, gehen gemeinsam einkaufen, setzen Sprache in den Alltag um.

Flüchtlingskinder, die nicht mehr im Grundschulalter sind, teilt das Kommunale Integrationszentrum den „Internationalen Klassen“ der Sekundarschule zu. Eingerichtet wurden diese Klassen für Schüler, die kein Deutsch sprechen. Das sind nicht nur Flüchtlinge. In Jülich gehören sind das auch Kinder aus dem Ausland, deren Eltern am Forschungszen­trum beschäftigt sind. „Vorgesehen ist ein Aufenthalt von rund einem Jahr, bis die Deutschkenntnisse den Besuch einer Stammklasse zulassen“, sagt Schulleiterin Angelika Lafos. Die Kinder lernen gern, dennoch spricht sie von einer pädagogischen Herausforderung: „Wir haben auch Schüler, die nicht schreiben und lesen können.“

Während Flüchtlingskinder im Schulalter frühzeitig beschult werden, die Bedingungen für bestmögliche Integration geschaffen werden, scheint die Situation der unter Sechsjährigen prekär. Kitaplätze in Jülich sind rar. Asylbetreuerin Andrea Klein: „Aktuell fehlen rund 50 Plätze.“

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