Flüchtlingshilfe: „Verwundete Seelen“ suchen nach Frieden

Von: Kr.
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Eindrucksvoll umrahmten Rita und Rageed William die Ausstellungseröffnung. Spontan schloss sich ihnen eine junge Migrantin an.

Linnich. „Hinter jedem Bild steht ein Flüchtling und eine Geschichte“, sagte Dr. Margret Peek-Horn. Wie etliche andere Menschen in Linnich und Umgebung engagiert sie sich in der Flüchtlingshilfe und erteilt seit einiger Zeit Sprachunterricht für Flüchtlinge, die im Linnicher Stadtgebiet untergebracht sind.

Aus ihrer Arbeit weiß sie, wie schwer es für sie ist, sich in einer neuen Sprache auszudrücken, ihre Empfindungen und Erlebnisse aber auch ihr Hoffnungen und Wünsche zu artikulieren. „Ihnen fehlen die Worte und wir haben versucht ihnen Mittel an die Hand zu geben, mit deren Hilfe sie ihren Gefühlen Ausdruck verleihen können“, sagte sie bei der Ausstellungseröffnung in der evangelischen Kirche am Altermarkt in Linnich. „Verwundete Seelen“ lautet der Titel und gezeigt werden über 40 Bilder, die Flüchtlinge aus Inden und Linnich im Rahmen eines Workshops unter Anleitung der ehemaligen Kunstlehrerin Mariethers Löw gemalt haben.

Die Idee zu diesem Projekt stammt ursprünglich aus Inden. Emmanuel Ndahayo hatte in seiner Funktion als Kreistagsmitglied die Ausstellungseröffnung dort miterlebt. Er war so angetan von diesem Gedanken, dass er in Linnich Mitstreiter suchte und sie in Dr. Margret Peek Horn, Lore Hilger und Angelika Schickler-Leyens fand. Außerdem unterstützten die evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich und ihre Leiterin Elke Bennetreu sowie die evangelische Kirche in Linnich das Projekt. Und so verwandelte sich das Gotteshaus in eine Galerie.

Gezeigt werden dort erschütternde Bilder. Sie erzählen von Lebensangst und Bedrohung, von Flucht und Heimweh aber auch Hoffnung und Wünschen. Da ist der Mann zu sehen, der sein totes Kind, ertrunken auf der Flucht übers Mittelmeer, in den Armen hält. Ein anderes Bild zeigt einen Teddybären. Es erweckt zunächst einen friedvollen Eindruck, bis man die rund herum züngelnden Flammen wahrnimmt. Kenternde Boote voller Menschen, Gitter, hinter denen sich Menschen verbergen und immer wieder eine Friedenstaube, die die Hoffnung zum Ausdruck bringt, von einer Welt ohne Krieg.

Da ist die idyllische Ansicht eines afrikanischen Dorfes, mit freundlichen Häusern und bunten Türen. „Und die stehen alle offen“, sagt der junge Künstler dazu. Und da ist dieses Bild, auf dem ausschließlich die Relativitätstheorie Albert Einsteins zu sehen ist.

„Das ist alles, was mit geblieben ist“, sagte dazu der Physiker, der dieses Bild malte. Es sind bewegende und ergreifende aber auch sehr persönliche Bilder, die dort gezeigt werden, denn in ihnen stellen sich diese meist jungen Flüchtlinge ihrer Vergangenheit und geben Einblick in ihre Seelen. „Sie begegnen uns hier auf Augenhöhe und das ist auch das, was sie wollen“, erklärten die Organisatoren und überließen es ansonsten den Arbeiten, für sich selbst zu sprechen.

„Diese Bilder berühren, führen uns zum Nachdenken und tragen mit dazu bei, dass verwundete Seelen anfangen zu heilen“, sagte die evangelische Pfarrerin Wiebke Harbeck, die die zahlreichen Gäste zur Ausstellungseröffnung begrüßte. Sie dankte allen, die an diesem Projekt mitgewirkt haben.

Die vier Organisatoren berichteten aus ihren Erfahrungen und ihrer Sicht der Dinge. Rund um die gezeigten Bilder hatten sie ein Programm aus Musik und Literatur ausgearbeitet. So stellten Rita und Rageed William Lieder ihrer irakischen Heimat vor. Spontan schlossen sich ihnen eine junge Migrantin an und weitere junge Menschen, die allerdings schon länger in Deutschland leben.

Da die jungen Flüchtlinge anonym bleiben wollten, verzichteten sie, über ihre Arbeiten zu sprechen. Weiterhin wurde am Mittwoch ein Film präsentiert über unbegleitete junge Flüchtlinge in der Region. Der Regisseur Michael Chauvistre stand anschließend ebenso Rede und Antwort wie Knut Paul, Bundespolizist a.D., der sich inzwischen in der Flüchtlingsarbeit engagiert. Am Freitag, 10. März, um 18 Uhr ist der Film „Fremde Heimat“ zu sehen. Anschließend berichten junge Migranten in der zweiten Generation, die an diesem Film mitgewirkt hatten, über ihr Leben in Deutschland und ihre Zukunftspläne.

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