Flüchtlingscamp Jülich: Neuer Ortsteil wächst rasant

Von: Volker Uerlings
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Noch gibt es reichlich Arbeit auf der Merscher Höhe. Die ersten Flüchtlinge kommen Anfang Dezember. Foto: Uerlings
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Die gebürtige Jülicherin Sabine Günnel war weltweit bei Katastrophen- und Hilfseinsätzen für das DRK tätig. Sie leitet das Jülicher Camp. Foto: Volker Uerlings

Jülich. In der Jülicher Rot-Kreuz-Zentrale glühen die „Drähte“. Um die 30 bis 50 Jobs, die in der Erstaufnahme-Einrichtung für 1000 Flüchtlinge auf der Merscher Höhe entstehen, haben sich einige Hundert Menschen beworben.

Sabine Günnel und der stellvertretende Geschäftsführer Markus Deiters sind im Stress: von den Bewerbungsgesprächen zur Lagebesprechung und vor allem: jede Menge Mails und Telefonate. „Das ist ein richtig großes Projekt für uns – und es ist spannend“, sagt Günnel im Brustton der Überzeugung. Es ist so etwas wie ein neuer Ortsteil. Sie leitet das Camp, bei ihr laufen die Fäden zusammen. Sie macht so was nicht zum ersten Mal.

„Da ich auch schon größere Projekte leiten durfte, gibt mir das eine gewisse Ruhe“, erklärt die Heimkehrerin. Die 41-Jährige ist in Jülich geboren und aufgewachsen, bevor sie vom Rot-Kreuz-Generalsekretariat in Berlin immer wieder zu Hilfseinsätzen rund um den Globus entsandt wurde. Bei der Planung des Camps auf der Merscher Höhe war das DRK von Anfang an eingebunden. „Wir haben mitgeplant, unsere Meinung ist gehört worden“, sagt Günnel, die wie auch die Führungscrew des Kreisverbandes die Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung lobt.

Das Ergebnis wird bald komplett zu sehen sein, denn Camp Jülich, das aus Leichtbau-Messehallen besteht, wächst rasant. Die Wohnzelte sind in Zimmern mit Doppelstockbetten aufgeteilt – statt eines großen Schlafsaals. „Es gibt Sozialräume, Freiflächen und eine Sanitärversorgung im Verhältnis 1:10 – das gibt es nicht in vielen Camps“, erklärt Sabine Günnel.

Für 1000 Menschen stehen 100 Duschen und 100 Toiletten zur Verfügung. All das soll nicht nur eine menschenwürdige Unterbringung gewährleisten, sondern auch in jeder Hinsicht einer besseren Sozialverträglichkeit dienen. In den Räumen sind Freizeitaktivitäten oder auch Sprachkurse möglich. Ansonsten besteht die Zeit in Jülich für viele der Zufluchtsuchenden schließlich vorwiegend daraus zu warten.

Die Leiterin des Camps, das sowohl als Erstaufnahmeeinrichtung als auch als Notunterkunft dient, hat reichlich Erfahrungen im Nahen Osten und in Asien gesammelt. Sie war einige Monate für ein Projekt im Norden Pakistans verantwortlich und leitete im Januar 2015 ein Camp-Krankenhaus für 20.000 Menschen in Jordanien. „Das hat mir die Gelegenheit gegeben, weit unter die Oberfläche zu blicken. Ich habe jetzt im Kopf, wie eine syrische oder pakistanische Familie lebt und den Alltag gestaltet.“

Dieses Wissen will Günnel nun auch zum Nutzen aller anwenden. Sie hat übrigens das Mädchengymnasium Jülich besucht und bei der damaligen Kreissparkasse Düren eine Ausbildung absolviert. Später folgte der Wechsel vom ehrenamtlichen in den hauptberuflichen Job beim DRK mit einigen Qualifikationen.

Das Rote Kreuz und Sabine Günnel hoffen, dass die Menschen in der Stadt und im Camp gut miteinander klar kommen. „Wir laden ein zur Begegnung“, kündigt die Leiterin an. Es wird für die Bürgerschaft die Möglichkeit geben, die Einrichtung kennenzulernen. Mehr noch: Wer will, kann beim Aufbau helfen – zum Beispiel der Betten für 1000 Menschen. Darüber berichten wir noch gesondert.

Günnel sagt weiter: „Wir motivieren auch die Flüchtlinge, sich in der Stadt umzuschauen und sprechen Vereine und Bürger an. Sie könnten zum Beispiel sportliche Angebote unterbreiten oder Sprach- und Lesepatenschaften übernehmen.“ Das Credo dahinter: Die Einrichtung soll sich der Öffentlichkeit gegenüber offen präsentieren. Das bedeute aber nicht, dass jeder jederzeit hinein kann. „Es wird Eingangskontrollen geben. Das ist kein Zoo.“

Die 41-Jährige bewegen derzeit bei allem Stress vor allem zwei Fragen: „Wie trägt unsere Stadt das mit, und wie nimmt sie die Flüchtlinge auf?“ Der erste Schritt der Integration bestehe aus daraus, einander kennenzulernen.

Die Flüchtlingseinrichtung schafft akut in Jülich und Umgebung bis zu 50 neue Jobs allein beim DRK. Ein Teil des Teams steht. Gesucht werden noch Fach- und Hilfskräfte mit Erfahrungen als Lehrer-, Erzieher- oder Sozialarbeiter-innen – und Ehrenamtler. Infos unter Telefon 02461/3436-0 oder per Mail an info@drk-juelich.de.

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