Flüchtlingscamp Jülich ist bezugsfertig

Von: Volker Uerlings
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31 Zelte stehen auf der Merscher Höhe und sind bezugsfertig. In der Landes-Erstaufnahmeeinrichtung können ab sofort bis zu 1000 Flüchtlinge auf Zeit leben. Foto: Volker Uerlings
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Je 50 Duschen in zwei Sanitärzelten stehen bereit. Allerdings ist der Bereich für Menschen aus anderen Kulturkreisen sehr „offenherzig“. Foto: Volker Uerlings
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Das Kinderzelt bietet die Möglichkeit, Mädchen und Jungen ohne Begleitung unterzubringen, bis sie vom Kreis Düren betreut werden. Foto: Volker Uerlings
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Die Schlafräume für je acht Menschen sind auch nach Meinung von Bürgermeister Axel Fuchs eng, bieten aber etwas Privatsphäre. Foto: Volker Uerlings
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Die Jülicher haben schon jede Menge Kleidung und Spielzeug gespendet. Helfer des Roten Kreuzes richten gerade ein Ausgabezelt ein. Foto: Volker Uerlings

Jülich. Das ist eine reife Leistung: Vor weniger als sechs Wochen tuckerten die ersten Bagger über die Merscher Höhe: am 20. Oktober. Am Mittwoch, 2. Dezember, zeigten Bezirksregierung Köln und Betreiber Deutsches Rotes Kreuz Jülich die bezugsfertige Zeltstadt für 1000 Flüchtlinge auf der Merscher Höhe.

Vertreter aus dem Stadtrat, die Bürgermeister von Jülich, Titz und Niederzier, der Kirchen und des öffentlichen Lebens verschafften sich einen ersten Eindruck von der großen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. Und der war gut.

Natürlich ist es keine Luxusherberge, aber eben doch deutlich besser als etliche Herbergen, die schon in Betrieb sind. „Gemessen an den Einrichtungen in Niederaußem und Chorweiler empfinde ich das hier als sehr gediegen“, sagte Wilhelm Steitz, stellvertretender Regierungspräsident. „Die Zelte sehen freundlich aus, aber es bleiben eben Zelte...“, erklärte Architekt Hans Trapp beim Rundgang. Und er deutete wie zum Beweis auf eine große Pfütze am Eingang des Sanitärzeltes.

Hier hatte der Sturm der letzten Tage den Regen durch den schmalen Spalt unter der Tür gedrückt. Es wird gerade in dieser Leichtbauhalle nicht die letzte Pfütze bleiben. Jeweils 50 Duschen und 50 Toiletten stehen dicht an dicht in zwei Zelten zur Verfügung. Das ist eine gute Quote von 1:10. Dafür hatte sich auch Einrichtungsleiterin Sabine Günnel eingesetzt, deren Expertise sowohl vom Architekten als auch von der Bezirksregierung gelobt werden.

Sie hatte bei den Planungen dafür gesorgt, dass es „ein bisschen mehr sein durfte“, was aber im Sinne aller ist. Es gibt keine riesigen Schlafhallen, sondern mehrere kleinere Zelte mit Schlafkabinen für acht Menschen. Das ist eng, aber besser. Die Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder sonst wo verbringen in Jülich einige Wochen bis zu drei Monaten.

Ein bisschen Zeitvertreib, ein bisschen Privatsphäre, ein bisschen Rückzugsraum sind da wichtig, damit es im wörtlichen Sinne keinen „Lagerkoller“ gibt. Und so stehen einige Extra-Zelte auf der Merscher Höhe, in denen Sprach-Kurse und Freizeitangebote möglich sind, in denen gespendete Kleider und Spielwaren ausgegeben werden, in denen über zwei Dutzend Computer via WLAN und Internet Kontaktmöglichkeiten zu den Familien in der alten Heimat bieten.

Die Voraussetzungen sind nun binnen kürzester Zeit geschaffen worden. Das geschah nach Darstellung aller Beteiligten durch einen wahren Kraftakt der Behörden und der Baufirmen. Der Betrieb der Einrichtung stellt die nächste Herausforderung dar. Wie bei dem Rundgang am Mittwoch zu erfahren war, kommen die ersten Flüchtlinge am Montag an. „Und dann erst einmal 200, damit sich alles einspielen kann“, sagte der stellvertretende RP Wilhelm Steitz.

An einigen Stellen wird improvisiert werden müssen: Die Entsorgung der Fäkalien ist dafür ein Beispiel. Bis der große neue Kanal, der dann die gesamte Merscher Höhe über Jahrzehnte an die Abwasserbeseitigung anbindet, in einigen Monaten fertiggestellt ist, fließen die Hinterlassenschaften in große Tanks. Sie müssen täglich leergepumpt und entsorgt werden – es sei denn, eine alte Druckleitung der früheren Sendeanlage kann ertüchtigt werden. Das wäre viel billiger, bleibt aber abzuwarten.

Das Echo nach dem Rundgang am Mittwoch war durch die Bank gut. Jülichs Beigeordneter Martin Schulz sagte: „Das finde ich gut an unserer Gesellschaft. Wenn‘s drauf ankommt, kann man so etwas wie hier in kürzester Zeit aus dem Boden stampfen.“

Auch die Baufirmen auf der Merscher Höhe wollen ihren Teil zum Gelingen beitragen. Sie spendieren der Einrichtung einen Spielplatz. Der Sand ist schon da.

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