Flüchtlinge: Viele Überstunden beim Jülicher Sozialamt

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Im Einsatz für Menschen in Not: Alle ziehen an einem Strang. Sozialamtsleiterin Doris Vogel mit Team und Bürgermeister Axel Fuchs. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Der Arbeitsaufwand, den die Mitarbeiter im Jülicher Sozialamt zurzeit betreiben, ist nicht normal, seit immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland und in die Region kommen. Die Mitarbeiter sind für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge zuständig – neben dem normalen Betrieb eines Sozialamtes.

Sie sind es, die kurzfristig, von einen auf den anderen Tag, Wohnraum bereitstellen müssen, Flüchtlinge empfangen, den Neuankömmlingen die ersten Schritte in Jülich erklären. Ein Lauf im Hamsterrad. Denn: Sind die einen gut untergebracht, kommen die Nächsten. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Asylantragsteller mehr als verdoppelt. Vergangenes Jahr, Anfang September, zählte die Stadt rund 200 Flüchtlinge in Jülich, aktuell sind es rund 460 Zuflucht-Suchende. Täglich kommen Neue dazu.

Sozialamtsleiterin Doris Vogel und ihr Team stemmen das. Auch wenn das gewaltig an den Kräften zehrt. Jeder Mitarbeiter hat bis dato um die 120 Mehrarbeitsstunden geleistet. Vogel beantragt nun weitere Sozialarbeiterstellen, hofft, dass die Arbeitsbelastung wieder in normalen Bahnen verläuft. Dennoch: Alleingelassene fühle sie sich nicht, im Gegenteil. Sie erfahre Unterstützung von allen Seiten. Das sei ein gutes Gefühl. Auch die Mitarbeiter ziehen an einem Strang, seien positiv eingestellt gegenüber der Herausforderung.

Keine Sonderzuwendungen

Denn die viele Arbeit zahlt sich aus. Die Flüchtlinge sind einigermaßen untergebracht, viele sind auf normale Wohnungen im Stadtgebiet verteilt. Probleme gebe es keine. Keine Beschwerden – im Gegenteil. Vermieter melden zurück, sie würden gerne mehr Wohnraum an Flüchtlinge vermieten, wenn sie ihn denn hätten. Gerüchte, dass Wohnungen gekündigt werden, um ihn Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen, dementiert Vogel vehement: „Wir kündigen keine Wohnungen, um sie Flüchtlingen zuzuweisen.“ Es ist ihr wichtig, das klarzustellen. Darüber hinaus weist Vogel Vermutungen zurück, dass Flüchtlinge Sonderzuwendungen erhalten: „Sie bekommen nicht mehr oder weniger, als andere, die Hartz IV erhalten.“

Grobe Streitigkeiten unter den Asylantragstellern gebe es ebenfalls nicht. Die Sozialamtsleiterin spricht es ganz deutlich an: „Ich hatte noch nie die Polizei hier.“ I

„Wir haben klare Absprachen mit Rechten und Pflichten für jede Seite“, sagt Doris Vogel kurz. Daran halten sich alle. Kurzum: Alles ist ruhig – Kriminalität gehe in Jülich nicht von Flüchtlingen aus.

Sozialamtsleiterin Vogel hofft, dass es so bleibt. Ab dem 15. November könnten die Jülicher täglich damit rechnen, dass 1000 Menschen zusätzlich kommen. Zwar werde die Versorgung der Erstaufnahmeeinrichtung auf der Merscher Höhe komplett vom Land organisiert, trotzdem fühlt sie sich irgendwie mitverantwortlich. Schließlich geht es um Jülich. Wer unterscheidet schon, wo die Flüchtlinge hingehören, wenn Probleme im Stadtgebiet auftreten? Daher plant Vogel Strategien, dass alles so bleibt, wie es ist: „Ob es hilft, weiß ich nicht, aber versuchen kann ich es ja.“

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