Flüchtlinge übernehmen freiwillig Pflege der Grünanlagen

Von: Daniela Mengel-Driefert
Letzte Aktualisierung:
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Sie arbeiten gemeinnützig und leisten einen Betrag für die Dorfgemeinschaft: Mohamad Hassan aus Somalia und Jamal Ametovski aus Mazedonien übernehmen die Pflege der Grünanlagen in Welldorf.
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Für Welldorf im Einsatz: (v.l.) Jamal Ametovski, Denis Demirovski, Ortsvorsteher Christian Klems und Mohamad Hassan sorgen dafür, dass der Friedhof gepflegt aussieht. Foto: Mengel-Driefert

Welldorf. Zu den täglichen Schlagzeilen gehört die Flüchtlingsfrage. Wie können die Menschen untergebracht werden, wo gibt es Wohnraum, wie klappt die Integration? Nicht immer werfen Flüchtlinge Fragen auf. Manchmal lösen sie auch Probleme. So wie in Welldorf.

Dort kümmern sich drei Asylsuchende um die kommunalen Grünanlagen, sie helfen, das Dorf zu verschönern, sorgen dafür, dass Welldorf und der Friedhof gepflegt aussehen.

Denn dort wucherte das Unkraut, besonders seitdem der Einsatz von Pestiziden verboten ist. „Auch der Bauhof kam da nicht mehr hinterher“, sagt Ortsvorsteher Christian Klems. Um das Problem zu lösen, sprach er Sozialamtsleiterin Doris Vogel an. Die fand in Windeseile drei Flüchtlinge, die freiwillig bereit waren, das Jäten zu übernehmen. Mohamad Hassan aus Somalia, Denis Demirovski und Jamal Ametovski aus Mazedonien fahren nun jeden Morgen mit dem Fahrrad aus Jülich nach Welldorf, ziehen die Arbeitskleidung der Bauhofmitarbeiter an und legen los, nachdem Ortsvorsteher Klems das Tagespensum mit ihnen abgesprochen hat. Mit Harken ausgestattet säubern sie die Wegränder auf dem Friedhof, befreien die Anlage vom lästigen Unkraut. Klems ist zufrieden, sagt: „Die Leute sind hochmotiviert und arbeiten sehr gut.“ Auch die Bevölkerung nehme das positiv auf. „Die Arbeiten sind mit dem Bauhof abgestimmt“, stellt Klems klar, „die Flüchtlinge nehmen niemanden eine Arbeit weg, sie übernehmen den Feinschliff“.

Der Lohn ist in finanzieller Hinsicht gering. Die Stunde wird mit 1,05 Euro vergütet, gibt Doris Vogel Auskunft. Das Geld kann also nicht der Anreiz sein. Denis Demirovski, 19 Jahre, ist seit vier Monaten in Jülich. Er möchte arbeiten und nicht nur die Zeit totschlagen. Jamal Ametovski (44) ist mit seiner Frau und zwei Kindern in Jülich gestrandet. In Mazedonien ist er lange arbeitslos gewesen. Dass er hier endlich arbeiten kann sei für ihn ein Gefühl von Glück. Auch Mohamad Hassan (32) aus Somalia macht sich jeden Morgen auf den Weg. Ihm ist die Flucht übers Mittelmeer geglückt. Doch glücklich ist er nicht, denn drei seiner Kinder mussten bis jetzt in Somalia bleiben.

So wie ihnen ergeht es vielen der derzeit 290 Flüchtlinge in Jülich. Doris Vogel wird immer wieder gefragt, ob sie Arbeit habe. „Ich bin froh, wenn ich dann Anfragen habe“. Aktuell arbeiten Flüchtlinge auf dem kommunalen Friedhof in Jülich, bei der Jülicher Tafel, im Brückenkopf-Park, in der Ordnungsaufsicht am Baggersee Barmen oder unterstützen den Hausmeister, der für die Asylunterkünfte zuständig ist. Demnächst werden sich, wie in Welldorf, auch in Merzenhausen Flüchtlinge um die Grünanlagen kümmern.

Darüber hinaus sucht die Sozialamtsleiterin Firmen, die gelernte oder auch Hilfsarbeiter zum normalen Stundenlohn einstellen wollen. Bei der Vermittlung und Klärung der Formalitäten und Genehmigungen der Ausländerbehörde und dem Arbeitsamt steht Vogel beratend zur Seite.

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