Engelsdorf - Fluchtburg des Jülicher Adels ist vorerst gerettet

Fluchtburg des Jülicher Adels ist vorerst gerettet

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
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Die charakteristische Giebelfront von Burg Engelsdorf grüßt weit übers Land. Im Vordergrund ist die jüngst vollendete Brücke aus Stein über den Wassergraben zu sehen, der wieder gefüllt werden soll. Foto: Wolters

Engelsdorf. Als sich das chilenische Künstlerhepaar Maria und Juan Fernandez im Herbst 2007 Hilfe suchend an den Förderverein Festung Zitadelle Jülich wandte, war bei der von ihnen teilweise bewohnten Burg Engelsdorf Gefahr im Verzug.

Durch das marode Dach des runden Treppenturms regnete es herein, und das gotische Gemäuer war so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass der Turm mit wertvollem Rippengewölbe auseinanderzubrechen drohte.

Conrad Doose, damals Vorsitzender des Fördervereins und seit der „Rettung“ von Schloss Hambach ein ausgewiesener Spezialist für solche Denkmäler, handelte sofort. Mit Unterstützung von Bezirksregierung, Gemeinde Aldenhoven und der Sparkasse Düren erfolgte eine Notsicherung des Turms, den noch im gleichen Jahr ein Behelfsdach verschloss. Wenig später stabilisierten einem Gürtel gleich zwei Stahlseile den Turm. In einem weiteren Schritt wurde in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege ein Plan für die Ruinensicherungs- und Restaurierungsarbeiten aufgestellt, der zunächst vier Bauabschnitte und den Zeitraum 2008 bis 2013 umfasste.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2016, rund 1,2 Millionen Euro sind verbaut worden und das Sanierungsprojekt ist inzwischen bereits beim fünften Bauabschnitt angelangt.

Die baulichen Fortschritte sind der rund 1000 Jahre alten Burganlage, die in der Bauzeit diverse Überraschungen bereithielt und auch Geheimnisse offenbarte, innen wie außen anzusehen.

Bei der vorläufigen Bauabnahme trafen sich unlängst Vertreter aller beteiligten Stellen zu einem Rundgang auf der Burg, die seither eine Plakette der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) trägt, die zu den großen Förderern des Projektes zählt.

Mit von der Partie war natürlich auch Projektkoordinator Conrad Doose, der im Rückblick auf fast neun Jahre die „sehr interessante und gute Zusammenarbeit“ lobte, die er als sehr kooperativ beschrieb. Dabei sei stets die beste und wirtschaftlichste Lösung gesucht worden.

Die Sanierungsmaßnahmen umfassten neben dem runden Treppenturm innen wie außen vor allem den Palas mit Fundamenten, Außenwänden, Dach und dem charakteristischen Treppengiebel, dessen Wiederaufbau anhand eines historischen Fotos aus dem 19. Jahrhundert umgesetzt wurde und bei der Denkmalbehörde lange umstritten war, bevor auch diese Maßnahme genehmigt wurde. Dass Burg Engelsdorf als einzige noch relativ gut erhaltene ehemalige Fluchtburg der Jülicher Grafen und Herzöge ein „ganz besonderes Förderprojekt“ für diese Gegen darstellt, machte Conrad Doose deutlich.

Wassergraben und Zugbrücke

Die zweiflügelige Anlage aus dem 11. Jahrhundert gehöre seit dem Mittelalter zur hiesigen Kulturlandschaft. Der historische Zusammenhang werde jetzt sichtbar. So sind vom Obergeschoss des Palas aus nicht nur die umliegenden Ländereien zu überblicken, sondern auch das Heranrücken möglicher Feinde auf die Burg, die früher von einem Wassergraben umgeben war, den einst der Merzbach speiste und der nur über eine Zugbrücke zu passieren war. Ähnlich der Via Belgica und der Siersdorfer Kommende gehört Burg Engelsdorf nach Auffassung zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten im Umfeld der Herzogstadt Jülich, die auch jeweils touristisch erschlossen werden sollen.

Diesem Umstand sei auch durch die vielen Geldgeber Rechnung getragen worden. Das sind neben dem Bund, der ein spezielles Denkmalförderungsprogramm aufgelegt hat, dem Land und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aus dem direkten Umfeld die Hans-Lamers-Stiftung, die Sparkassen-Stiftung Kultur und Natur sowie die Gemeinde Aldenhoven. Nicht zuletzt hat sich die Familie Fernandez mit großem Enthusiasmus und erheblichen finanziellen Eigenleistung bei ihrem Herzensprojekt engagiert: So wurde nicht allein ein Kredit aufgenommen zur Absicherung des finanziellen Risikos. Zudem übernahm Sohn Ignacio als gelernter Kunstschreiner die Re­staurierung der uralten Spindeltreppe aus Eichenholz, während Juan Fernandez einen voll funktionsfähigen Baukran kaufte, der für viele Arbeiten an der Burg sehr nützlich war. Conrad Doose beziffert das Engagement der Familie auf die Größenordnung eines „schönen Einfamilienhauses“.

„Wir haben die Verpflichtung übernommen, dieses Erbe der nächsten Generation zu übergeben“, begründet Juan Fernandez den „unbändigen Willen“, die Burg zu erhalten. Als Columbus Amerika entdeckte, habe Burg Engelsdorf schon eine 400-jährige Geschichte hinter sich gehabt, verdeutlicht der aus Südamerika stammende Künstler das Engagement. Vergessen sind da auch manch schlaflose Nächte, die die Sanierungsarbeiten die Beteiligten gekostet haben, denn ein altes Gebäude ist immer für eine oder sogar mehrere Überraschungen gut.

Fehler bei der Turmstatik

Dazu gehört beispielsweise die ehemalige Ein-Mann-Kapelle hinter einem gotischen Maßwerkfenster, die in späteter Zeit zur Räucherkammer umfunktioniert wurde. Die damals abgehängte Decke ist inzwischen entfernt worden, über der sich ein kleines Deckengewölbe befindet, das wie ein Teil des historischen Fresken restauriert worden ist. Beim gotischen Treppenturm stand der Tagebau lange im Verdacht, die Rissbildung in der Außenmauer verursacht zu haben. Doch eine genauere Untersuchung des Schadensbildes belegt inzwischen, dass dem Bauherrn des Rundturm wohl Fehler bei der Statik unterlaufen sind, denn die Mauern des Turms werden vom enormen Gewicht des darauf lastenden Gewölbes förmlich auseinandergedrückt. Nun stabilisieren Stahlträger den mittelalterlichen Rundturm mit dem charakteristischen Kegeldach.

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