Jülich - Fledermausnacht: Dahin, wo die schnellen Jäger „abhängen“

Fledermausnacht: Dahin, wo die schnellen Jäger „abhängen“

Von: ptj
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Wo sind sie denn? Dr. Christoph Fischer (L.) und Dr. Henrike Körber wussten genau, wo die Fledermäusein der Zitadelle zu finden waren. Foto: Jagodzinska
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Die Pflegestation mit der echten „großen Abendseglerin“ Luisa faszinierte vor allem die jungen Exkursionsteilnehmer. Foto: Jagodzinska
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Dr. Henrike Körber befreit eine Fledermaus an der Netzfangstation. Foto: Jagodszinka

Jülich. „Dass die Zitadelle auch Heimat für Fledermäuse ist, ist gar nicht so bekannt, und das wollen wir ändern.“ Mit diesen Worten begrüßte Dr. Christoph Fischer, Projektmanager im Museum Jülich, eine 20-köpfige „Abo Plus“-Lesergruppe unserer Zeitung plus sechs Kindern zur ersten Führung zur Fledermausnacht in der Zitadelle.

Veranstalter der „International Bat Night“ ist der Arbeitskreis (AK) „Fledermausschutz“ Aachen, Düren und Euskirchen, der sich aus den Naturschutzorganisationen NABU, BUND und LNU formiert hat, in Zusammenarbeit mit dem Museum Zitadelle Jülich.

Die hochinteressante Führung durch die Nachtquartiere der „einzigen Säugetiere, die fliegen können“, in den Kasematten teilte sich Fischer, von Hause aus Biologe, mit Dr. Henrike Körber, Ansprechpartnerin des AK.

Mit Hilfe von fotografischem Anschauungsmaterial stellten die Biologen die eleganten und „unheimlich beweglichen“ Jäger der Nacht vor, die sich „in ihrer langen Evolution von 50 Millionen Jahren an ein Leben in der Luft angepasst haben“. Sie sind nämlich „Handflügler“ mit zu flugähnlichen Gebilden umgewandelten Vorderbeinen. Auch im Schlaf hängt die Fledermaus an den Füßen mit dem Kopf nach unten. Pro Nacht frisst sie ein Drittel ihres Körpergewichts, „das sie sich erstmal erjagen muss“, wie Fischer es ausdrückte.

Viele Fragen der Leser waren pauschal schwierig zu beantworten, denn in der Zitadelle sind nach Schätzung der Forscher 500 Tiere aus neun Arten angesiedelt, damit ist die Festungsanlage das bedeutendste und eines der größten Fledermausquartiere im Jülicher Land. Findet denn der „Insektenfresser mit seinen langen spitzen Zähnen“ überhaupt genug Nahrung, wenn doch nach aktueller Statistik der Insektenbestand in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent zurückgegangen ist?

Obwohl sich die Fledermauszählung „recht schwierig“ gestaltet, meinte Dr. Körber „gefühlsmäßig“, weniger Fledermäuse am Nachthimmel zu sehen. Im Gegenzug seien „deutlich mehr Pfleglinge“ festzustellen. Einen davon, Luisa, eine verletzte „große Abendseglerin“, war später im PZ der Zitadelle beim Fressen von Mehlwürmern zu bewundern, betreut von der „Notaufnahme für Batman in Heinsberg“.

Ein großes Risiko für die Fledermaus thematisierte AK-Ansprechpartner Holger Körber an der Netzfangstation an der Bastion Salvator: „Bedroht werden sie durch Windkraftanlagen. Das weiß man jetzt, nachdem man sie gebaut hat.“ Abhilfe könne „durch das Abschalten von Anlagen zu Zeiten erhöhter Fledermausaktivität“ geschaffen werden. Für dieses Thema hatte sich zuvor auch der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel interessiert, der den Schirm über die Veranstaltung hielt.

„Das, was wir wissen, ist ein Tropfen, das, was wir nicht wissen, ein Ozean“, zitierte Körber Isaac Newton. „Wir fangen Fledermäuse“, betonte er, etwa zur Messung, zur Arten- und Geschlechtsbestimmung der Population und zur Bestimmung seiner Flugrouten. Ferner klärte er auf über das akustische „Raspberry Pi Bat“-Projekt, das Fledermausrufe im Ultraschallbereich ganzjährig aufnimmt. „Wie stimmen sich die Fledermäuse untereinander ab?“, ist dabei nur eine der vielen Fragen, auf die sich Wissenschaftler eine Antwort erhoffen.

Ein interessanter Nebenaspekt der Fledermausforschung ist im Übrigen die Tatsache, dass Ultraschall-Untersuchungen beim Menschen „niemals ohne Fledermäuse möglich gewesen wären“.

Zu vielen neuen Erkenntnissen gelangten sicherlich die zahlreichen Besucher im Rahmen der vielen Führungen, darunter eine abschließende zu den Jagdgebieten an der Rur, ferner in Filmen, Vorträgen und an diversen Informationsständen. Besonders breit gefächert war das Kinderprogramm, darunter ein Bilderbuchkino, Kreativ-Workshop, Schnellzeichner Norbert Höveler oder die Zauberhexe Abraxa. Als Renner erwies sich wiederholt die Fledermausrallye mit zehn Fragen, deren Antworten an den Infoständen zu finden waren. Bereits am frühen Abend hatten sich über 100 begeisterte Kinder den Fragebogen abgeholt und bei der Aktion etwa gelernt, dass Fledermäuse zur Ordnung der „Fledertiere“ zählen, oder dass Fledermausmütter im Sommer ihre Babys in einer sogenannten „Wochenstube“ zur Welt bringen.

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