Fläche vorm Hexenturm: Markthalle auf Jülicher Walramplatz?

Von: Volker Uerlings
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Wenn auf dem Walramplatz die erste Markthalle der Region entsteht, soll der Verkehr vor dem Hexenturm und dessen Durchfahrbarkeit enden. Foto: Uerlings

Jülich. Der sechste Vorschlag, den Walramplatz in Jülich zu bebauen, stammt von Professor Joachim Loseck und ist im Vergleich zu den Vorgängern „aus der Art geschlagen“. Die anderen Investoren aus Nah und Fern planen eine nahezu komplette Bebauung dieser Fläche vor Hexenturm und Kulturhaus.

Die zwei- oder dreigeschossigen Gebäude würden von einem großen Supermarkt oder drei mittelgroßen Fachgeschäften (plus Parkdecks) bezogen. Loseck, gebürtiger Jülicher, plädiert für eine Markthalle, die nur etwas mehr als die Hälfte der Platzfläche bedeckt und recht flach wäre. Damit verblüffte er im Fachausschuss. Der Wochenmarkt, sagte Loseck, sollte unter das Dach dieser Halle ziehen, um die herum einige Parkplätze entstünden.

Der Architekt präsentierte damit nämlich nicht das Komplettpaket mit renommiertem Anbieter, bei dem die Politik nur noch den Daumen heben oder senken muss. Seine Idee ist in ein Konzept für die Stadt eingebettet, das einen größeren Warenhaus-Standort auf dem Gelände von Stadtwerken/Feuerwehr An der Vogelstange vorsieht. Joachim Loseck hat diese Fläche „Rurcenter“ genannt.

Und weil diese wichtigen Einrichtungen dann natürlich auch einen neuen Standort benötigen, hat er im nordwestlichen Stadtgebiet ein „Technikzentrum“ vorgesehen, in das Wehr und Stadtwerke einziehen könnten. Sein „Masterplan“ für Jülich beinhaltet noch mehr.

Ungeachtet dessen mutete der Markthallen-Vorschlag zunächst merkwürdig an, könnte aber vielleicht gar nicht so unrealistisch sein, wie manche Zuhörer im Ausschuss wohl dachten. Denn bevor eine Entscheidung über Pläne und Investoren fällt, ist eine wichtige Frage zu beantworten: Kommt es durch das Kreishaus am Markt zu einer großen oder kleinen Bau-Lösung? Beides ist derzeit denkbar. Im Falle einer großen Lösung wäre hier sicher auch eine sehr günstige Lage für einen Lebensmittel-Vollsortimenter. Zum anderen bleibt die Zukunft eines der ältesten Jülicher Geschäfte abzuwarten: Kaisers.

Was wird aus „Kaisers“?

Der heutige Supermarkt blickt in der Herzogstadt auf eine Geschichte als „Kaisers Kaffee-Geschäft“ (Kolonialwaren) seit 1898 zurück. Das ist dem Buch „Jülich handelt“ von Wolfgang Hommel zu entnehmen. Bekanntlich plant aktuell Edeka eine Übernahme von Kaisers-Tengelmann, die allerdings kartellrechtlich nicht unproblematisch sein soll. Kommt es zu dieser Übernahme, ist offen, ob der traditionsreiche Standort in Jülich weiter ein „Kaisers“ bleibt, ein Edeka wird – oder nach einem neuen Standort unter welchem Namen auch immer gesucht wird. Möglich ist natürlich auch, dass er verschwindet, wenn in unmittelbarer Umgebung am Walramplatz ein Mitbewerber seine Pforten öffnet. Nach Informationen unserer Zeitung soll sich Kaisers per Vertrag bis 2022 an den heutigen Standort Große Rurstraße gebunden haben.

Bevor also auf dem Walramplatz Fakten geschaffen werden, wäre es sehr sinnvoll, mit allen Beteiligten und Projektplanern zu sprechen. Das genau deutete der Jülicher Beigeordnete Martin Schulz in der Ausschusssitzung an: „Wenn es am Alten Rathaus zu einer größeren Lösung kommt, dann wird die Einzelhandel beinhalten. Man muss natürlich die Wechselwirkungen betrachten.“

Supermarkt-Bedarf ist da

Fakt ist, dass im Einzelhandelskonzept für Jülich der Bedarf nach einem weiteren Lebensmittelvollsortimenter in der Innenstadt beschrieben wird. Allerdings hatten die Konzept-Autoren noch keine Kenntnis davon, dass eventuell hierfür auch der Bereich Düsseldorfer/Kapuzinerstraße zur Verfügung stehen könnte. Insofern wäre der Markthallen-Vorschlag von Joachim Loseck eine Option, wenn der Walramplatz attraktiver gestaltet werden soll. Der Architekt erklärte auf Nachfrage, dass er für alle seine Pläne auch Investoren „an der Hand“ habe – für die Markthalle, aber auch „Rurcenter“ oder Technikzentrum.

Der Planer gab im Ausschuss für Kultur, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing zu Protokoll, dass nach seiner Überzeugung nicht „jede freie Fläche bebaut werden muss“. Die Markthalle will er auf der dem Hexenturm abgewandten Seite platzieren und auch die Verkehrsführung ändern. Direkt vor dem Stadttor soll kein Auto mehr fahren, um dort eine große Fläche mit Außengastronomie zu etablieren, und im Pflaster die alte Römerstraße nachzuempfinden, die aus dem Hexenturm heraus führte.

Nun gibt es also sechs Vorschläge einer neuen Nutzung des Walramplatzes. Die Verwaltung hat angekündigt, Kriterien festzulegen, die bei einer Bebauung zu beachten sind. Dann hat die Politik das letzte Wort. Es kann also noch dauern.

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