Filmproduzent Dieter Zeppenfeld im Kulturbahnhof

Letzte Aktualisierung:
11612226.jpg
Die beiden Produzenten Dieter Zeppenfeld (v.l.) und Frank Tönsmann, Regisseurin Kerstin Ahlrichs, Darstellerin Rosalie Thomass, Autorin Karen Duve, und Reno Koppe vom Verleih Farbfilm bei der Premiere von „Taxi“ nach dem Roman von Karin Duve in Köln. Foto: Imago/Horst Galuschka

Jülich. Deutscher Filmpreis in Bronze, Platz sieben im Oscar-Rennen und unzählige weitere Auszeichnungen. Mit dem Spielfim „Zwei Leben“ (2012) gelang dem Aachener Filmproduzenten Dieter Zeppenfeld der ganz große Wurf. Seinen neuesten Film „Taxi“ bringt er am Mittwoch, 27. Januar, um 20 Uhr den Jülicher Cineasten im Kino des Kulturbahnhofs persönlich nahe.

Die Aachener Schauspielschule in Zusammenarbeit mit dem Kulturbahnhof starteten bereits im vergangen Jahr jene Veranstaltungsreihe, bei der Filmemacher sowie Regisseure ihre Werke vorstellen und anschließend den Zuschauern in einer öffentlichen Diskussionsrunde zur Verfügung stehen.

Im vergangenen Jahr brachte Regisseur Wolfgang Dinslage seinen preisgekrönten Kinofilm „Für Elise“ mit und freute sich über die rege Beteiligung des Publikums. Nun freut sich Produzent Dieter Zeppenfeld auf das Gespräch mit den kinokundigen Gästen in Jülich im Anschluss an seinen international besetzten Streifen (u.a. mit Peter Dinklage, bekannt aus „Game of Thrones“). Unser Mitarbeiter René Blanche sprach im Vorfeld mit dem Produzenten.

Herr Zeppenfeld, eine weite Anreise nach Jülich haben Sie nicht gerade aus Aachen. In all den Jahren als Filmproduzent sind Sie doch Ihrer Heimatstadt immer treu geblieben. Warum nicht Berlin, Hamburg oder München?

Dieter Zeppenfeld: Das haben mich über die Jahrzehnte sehr viele Leute immer wieder gefragt, warum ich in dieser „Provinzstadt“ Aachen geblieben und nicht zumindest nach Köln gezogen bin, wo der WDR sitzt. Ich habe aber immer das Gefühl gehabt, dass ich in Aachen am besten und am liebsten lebe und nicht wegen des Berufs woanders hingehen will.

Hat diese Entscheidung denn schon einmal Nachteile mit sich gebracht?

Zeppenfeld: Damals, als wir anfingen, musste man noch die Kassetten mit dem Auto oder Zug nach Köln zum WDR bringen. Das war zu einer Zeit, als der WDR in Aachen noch gar nicht vertreten war. Das war zwar ein bisschen mühsamer, als wenn man direkt um die Ecke gewohnt hätte. Aber dass es deshalb mal ein großes Problem gegeben hätte, kann ich eigentlich nicht sagen.

Wie lange sind Sie jetzt schon Filmproduzent?

Zeppenfeld: Das ist eine gute Frage. Mit dem Filmen habe ich bereits angefangen, als ich ihn Aachen studiert habe. Mit der ersten Fima, einer GmbH, haben wir dann im Jahr 1985 angefangen.

Kann man sagen, dass mit dem Film „Zwei Leben“ der große Durchbruch für Sie kam?

Zeppenfeld: Auf der Spielfilmebene ja. Wobei man sagen muss, dass „Zwei Leben“ erst der zweite richtige Spielfilm war, den wir gemacht haben. Vorher gab es noch den Fim „NeuFundLand“, den wir aber schon mit dem gleichen Regisseur Georg Maas realisiert haben. Unser eigentliches Kerngeschäft ist jedoch das Fernsehgeschäft. Früher waren wir auch Anteilseigner an „Kanal 4“. Das war ein unabhängiger Fernsehsender, bei dem wir über zehn Jahre stundenweise das Programm gestalten konnten – zusammen mit ein paar Kollegen aus Berlin und Köln. Das lief dann bei RTL und Sat1.

Mit dem Spielfim „Zwei Leben“ haben Sie den Deutschen Filmpreis in Bronze gewonnen. Oft wird erzählt, Sie seien ein ganz ambitionierter Kandidat für den Oscar gewesen. Wie war das wirklich?

Zeppenfeld: Ja, wir sind von deutscher Seite aus ins Oscar-Rennen gegangen in der Kategorie „Nicht englischsprachige Filme“. Im Vorrennen ist alles sehr gut gelaufen und wir sind dann unter die letzten Neun gekommen. Das war eine Zwischenstufe, die es zu erreichen galt. Die nächste Runde war dann die „Sechserrunde“, die wir dann mit dem 7. Platz ganz knapp verfehlt haben.

Hat sich durch diesen großen Wurf die anschließende Arbeit als Produzent sehr verändert.

Zeppenfeld: Das kann man eigentlich nicht sagen. Obwohl man sagen kann, dass uns die Oscar-Nominierung in sofern sehr geholfen hat, weil sie eine Woche vor dem Kinostart des Films stattfand und dadurch natürlich alle Zeitungen voll waren. Hinterher kam dann noch die LOLA. Das war im Übrigen nicht nur die bronzene LOLA für den Film, sondern der Cutter hat auch die LOLA gewonnen. Darüber hinaus war auch die Hauptdarstellerin Juliane Köhler nominiert. Die Lola hat für uns eigentlich noch eine größere Bedeutung gehabt als der Oskar. Dass wir es dadurch mit dem nächsten Projekt leichter gehabt hätten, kann man jedoch nicht behaupten.

Sind Sie als Fimproduzent denn nicht bestürmt worden von vielen Menschen, die einen Film mit Ihnen machen wollten nach solch einem Erfolg?

Zeppenfeld: Nun ja, wir sind zwar bekannter geworden, und es kamen auch mehr Autoren mit Drehbüchern auf uns zu. Wir haben das meist jedoch abgelehnt. Uns war aber klar, dass wir nach „Taxi“ wiederum mit dem Team arbeiten, mit dem wir bereits bei „Zwei Leben“ gearbeitet hatten. Die Zusammenarbeit des Teams bei „Zwei Leben“ war neben der Qualität einfach auch sehr harmonisch, was uns auch sehr wichtig ist.

Sicher stecken umfangreiche Überlegungen dahinter, bis ein Filmproduzent sich zu einem Projekt entschließt. Wie muss ein solcher Stoff sein, um Ihr Interesse zu wecken?

Zeppenfeld: Man muss schon, wenn man das Drehbuch liest, eine Atmosphäre fühlen. Das ist mir ganz wichtig. Und der Stoff muss eine Bedeutung haben. Die Zuschauer sollen nachdenken und aber auch emotional bewegt werden. Die nächste Geschichte, die wir produzieren, basiert auf der Adaption zweier Stücke von Max Frisch, die wir zu einer Geschichte zusammen bringen. Ich war schon als junger Mann großer Fan von Max Frisch und freue mich sehr auf das Projekt. Ich denke es wird ein Film, den die Zuschauer mögen werden. Ich hoffe zumindest, dass es so sein wird. (lacht)

Gibt es schon einen Namen für den neuen Film? Um welche zwei Stücke von Max Frisch handelt es sich?

Zeppenfeld: Bisher hat er nur den Arbeitstitel „Reset“. Die Namen der Stücke kann ich erst preisgeben, wenn der Vertrag mit Verlag und Erben unterschrieben ist.

Welche Atmosphäre erwartet die Zuschauer in Jülich beim Film „Taxi“?

Zeppenfeld: „Taxi“ basiert auf der Romanvorlage von Karen Duve. Ich und mein Koproduzent Rudi Teichmann von B&T hatten nahezu alles von dieser Karen Duve gelesen. Schon beim Lesen des Romans war uns klar: Da kommt ganz viel von dem hoch, was man selbst erlebt hat in unserer Generation. Die Geschichte spielt in den 80er Jahren im Hamburger Taximilieu. Die Hauptdarstellerin Rosalie Thomass spielt eine junge Frau, die absolut keinen Plan hat vom Leben und vollkommen beziehungsunfähig ist. Sie verliebt sich dann, obwohl sie einen Freund hat, in einen Kleinwüchsigen. Die Suche nach dem richtigen Weg im Leben prägt die Atmosphäre dieses Films ganz stark.

Das Kino im Jülicher Kulturbahnhof ist in diesem Jahr wieder mit dem Landeskinoprogrammpreis ausgezeichnet worden. Sie werden also wahrscheinlich auf Zuschauer treffen, die nicht nur amerikanische Blockbuster konsumieren, sondern gerade das Programmkino lieben. Und Sie laden nach dem Film ausdrücklich zu einer offenen Gesprächsrunde ein. Freuen Sie sich bereits auf Jülich?

Zeppenfeld: Auf jeden Fall. Wir brauchen engagiertes Arthouse Publikum und im Anschluss des Films noch mit interessierten Menschen zu sprechen ist mir immer eine Freude.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert