Filigrane Flieger stellen hohe Ansprüche

Von: Sarah Plahm
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Ein gefangenes Langohr präsen
Ein gefangenes Langohr präsentiert sich in seiner ganzen Pracht: Vor der Freilassung zeigt Holger Körber die faszinierenden Tiere hautnah. Foto: Sarah Plahm

Jülich. Alles hat am Samstag im Museum Zitadelle Jülich im Zeichen des Artenschutzes gestanden. Wer sich aufgemacht hatte, um bei der Fledermausnacht mehr über die lautlosen Jäger am Abendhimmel zu erfahren, den erwartete ein beachtliches Programm.

Von Kinderschminken und Basteln über Infostände, Führungen, Filme und Vorträge bis hin zum kleinen Imbiss - an alles war gedacht.

Und die Besucher wussten das bereits im Vorfeld angekündigte Programm zu schätzen. Denn trotz des unbeständigen Wetters strömten zahlreiche Gäste, darunter besonders viele Familien, zur Fledermausnacht in den Festungsbau.

Dass dieses alte Gemäuer ein besonders wichtiges Quartier für die bedrohten Säugetiere ist, erklärte Christoph Fischer vom Museum Zitadelle in einer Spezialführung für Abonnenten unserer Zeitung. Vor 100 Jahren habe es in der Jülicher Börde wesentlich mehr Waldflächen und damit auch mehr natürliche Quartiere gegeben als heute. Daher werden von Menschen geschaffene und erhaltene Quartiere immer wichtiger für die kleinen Schädlingsbekämpfer. Als Anzeiger für ein intaktes Ökosystem ist der Schutz der winzigen Flugtiere also sehr wichtig.

Arten- und Denkmalschutz

„Wir sind froh, dass wir in der Zitadelle Quartiere für die Tiere erhalten konnten”, sagt Fischer dazu. In der Tat haben in der Zitadelle alle zusammengearbeitet, so dass Arten- und Denkmalschutz sowie Museumsbetrieb miteinander vereinbart werden können.

Davon durften sich die Teilnehmer der Spezialführung selbst überzeugen. Fischer leitete sie durch die schmalen Gänge in der Festung und zeigte zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten in kleinen Fugen und Spalten auf. Dass Spalten allein allerdings noch kein gutes Winterquartier ausmachen, ist durch die hohen Ansprüche der empfindlichen Nachtflieger zu erklären. Für ihren Winterschlaf benötigen sie einen frost- und zugfreien Ort. Ausgezeichnet würden sich hierfür die Gänge der Zitadelle eignen, erläuterte Fischer.

Regen dämpft den Flugverkehr

Leibhaftige Fledermäuse bekamen die Gewinner der Sonderführung allerdings nicht zu sehen. „Der immer wieder aufkommende Regen stört das Ultraschall-Ortungssystem der Tiere und sorgt dafür, dass sich kaum Insekten finden lassen”, sagte Fischer dazu. Das verminderte natürlich den Flugverkehr. Doch wer Zeit und etwas Geduld mitgebracht hatte, konnte in einer der späteren Live-Beobachtungen sogar einige der Tiere hautnah erleben. Zum Fang der Tiere war ein hauchdünnes Netz aufgespannt worden - natürlich ohne jede Verletzungsgefahr für die kleinen Flattermänner.

Haben sich die Nachtjäger in einem Netz verfangen, werden sie zum Zweck des Artenschutzes vor ihrer Freilassung markiert, gewogen, vermessen, und die Art sowie das Geschlecht werden bestimmt.

An diesem Abend zeigte Holger Körber vom Arbeitskreis Fledermausschutz den faszinierten Kindern und Erwachsenen die gefangenen Tiere und erklärte nicht nur vieles zu deren Lebensweise, sondern auch wie kompliziert der Schutz der Tiere ist. Optimale Bedingungen sind laut Körber dann erreicht, wenn Winter- und Sommerquartiere, ebenso wie die Wochenstuben, wo die Weibchen die Jungtiere aufziehen, geschützt sind - ein enormer Aufwand, der viele Helfer und eine gute Zusammenarbeit braucht. Sichtlich begeistert hörten sowohl Jung und Alt dem engagierten Tierschützer zu und betrachteten ehrfürchtig die kleinen Geschöpfe, die Körber vorsichtig in der Hand trug.

Langeweile kommt nicht auf

Dass diese beeindruckenden Live-Beobachtungen erst in den späten Abendstunden möglich waren, führte bei den Besuchern der Fledermausnacht aber keineswegs zu Langeweile. Die Kinder hatten zum Beispiel beim Basteln von Holzfledermäusen mit der Laubsäge oder beim Bilderbuchkino ihren Spaß. Eine besondere Attraktion war die Märchenwaldhexe Lalina, die im Hexenkostüm eine spannende Fledermausgeschichte vortrug.

Film zu Kobolden der Nacht

Alle Programmpunkte machten auf die schützenswerten Tiere aufmerksam. Auch die Vorträge und Filme zu den Kobolden der Nacht waren gut besucht.

So darf mit gutem Grund angenommen werden, dass alle Besucher nicht nur mit mehr Wissen, sondern auch mit mehr Verständnis für die Tiere nach Hause gegangen sind und vielleicht auch ihr Eigenheim in Zukunft als fledermausfreundlichen Unterschlupf gestalten werden.

Dann wäre jedenfalls die Absicht der Initiatoren erreicht und der Schutz der sehr bedrohten Tiere weiter vorangebracht.
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