Filigran: Hesse-Roman „Siddharta“ als Scherenschnittspiel

Von: SaS.
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50 Jahre nach Hermann Hesses Tod zeigte das Theater der Dämmerung das Werk „Siddharta“ als Scherenschnitt. Foto: Schönborn

Linnich. Für eine Reise ins vorchristliche Indien braucht es manchmal nur etwas Licht und Schatten. Friedrich Raad und sein „Theater der Dämmerung“ erzählten im Glasmalereimuseum Linnich Hermann Hesses Roman „Siddhartha“ mit Scherenschnittfiguren nach, passenderweise auf bemaltem Acrylglas.

Siddhartha, der junge Brahmanensohn, sucht seine Vollendung und verlässt zusammen mit seinem Freund Govinda seine Heimat. Nachdem sie sie bei den asketischen Samanas nicht finden konnten, reisen die beiden weiter zu Gotama Buddha, der die Lehre von der Überwindung allen Leidens vertritt. Dies ist das Ziel für Govinda, doch Siddharta bleibt weiter auf der Suche. Bald erreicht er eine Stadt, in der er die Kurtisane Kamala trifft und sein vergeistigtes Leben aufgibt, um Kaufmann zu werden und sich ihre Dienste leisten zu können.

Erst nach vielen Jahren erkennt er, dass er genauso geworden ist wie die „Kindermenschen“, von denen er sich immer distanziert gefühlt hatte. Als es ihm gelingt, sich aus diesem Leben loszureißen, beginnt seine Suche nach dem Ich von Neuem.

Mit handgemalten Bühnenbildern und feingliedrigen Figuren von Guido Hörnschemeyer schaffen es Friedrich Raad und sein Assistent Dimitri Lermann, die Lebensgeschichte Siddhartas dem Betrachter einfühlsam nahezubringen. „Ich erkenne mich selbst als Teil dieser Geschichte“, so Raad, „Siddharta handelt nur auf wörtlicher Ebene von einer Reise durch Indien, eigentlich sind diese Selbstfindungsprozesse innere Vorgänge. Jeder von uns ist Siddharta.“

Das „Theater der Dämmerung“ wandert bereits seit 20 Jahren durch Deutschland und führt ein Repertoire aus zahlreichen Märchen, Volksliedern und Weltliteratur auf. Bis zur Uraufführung „Siddhartas“ war es jedoch ein langer Weg: Über zehn Jahre lang verweigerte der Verlag die Rechte an Hesses Werk, bis Raad die Figuren zum ersten Mal aus dem Koffer holen durfte. Hesse selbst hätte sich zu seinem 50. Todesjahr kaum eine schönere Interpretation seines Werks wünschen können.

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