Jülich - FH-Rektor Marcus Baumann: „Wir müssen in Bildung investieren“

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FH-Rektor Marcus Baumann: „Wir müssen in Bildung investieren“

Von: jago
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Einen Blick von außen auf das Protestantische warf Professor Dr. Marcus Baumann bei der ersten von drei von der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich geplanten Kanzelreden in der Christuskirche. Foto: Jagodzinska

Jülich. Anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums stellt sich die Evangelische Kirchengemeinde Jülich der Frage, wie die Bilanz der Reformation von außen betrachtet und was vom Evangelischen erwartet wird. In drei Kanzelreden mit anschließenden Gesprächsrunden soll das Thema „Der Blick von außen … auf das Evangelische“ erörtert und hinterfragt werden.

Zum Auftakt sprach nun in der Christuskirche mit Professor Marcus Baumann, Rektor der FH Aachen, ein Referent, der nach einer „streng katholischen Erziehung“ und späteren intensiven persönlichen Erfahrungen mit der katholischen Amtskirche geradezu prädestiniert für eine Betrachtung von außen ist.

Sicht eines katholisch Getauften

Anfangs habe er versucht, sich der Thematik über die Klärung der Begriffe anzunähern, sei dann aber bei seinen Recherchen auf das Buch „Deutschland, Lutherland: Warum uns die Reformation bis heute prägt“ von Christine Eichel gestoßen, das die identitätsstiftende Bedeutung vermittelt, begann Baumann seinen Exkurs. Davon ausgehend richte er „aus der Sicht eines katholisch getauften Christen, der mit einer Protestantin glücklich verheiratet ist“, seinen Blick nicht auf das Evangelische, sondern auf das Protestantische.

„Als ich heute hier rein kam in diese Kirche und diese wunderschöne Schlichtheit sah, hat mich das emotional berührt“, verriet der Referent und schlug einen Bogen zum 1517 erfolgten Paradigmen- und Mentalitätswechsel, der die Abwendung vom Pompösen in der katholischen Kirche zur Zeit Luthers beinhaltete.

Freilich wäre ohne die Buchdruckkunst, die damals ähnlich revolutionär war wie heute die Digitalisierung, die Umsetzung der Forderungen ungleich langsamer vonstatten gegangen. Die „bahnbrechenden Schriften Luthers an die Ratsherren zur Förderung der gleichgeschlechtlichen Schulausbildung“ interessierten den Hochschuldozenten Baumann ganz besonders.

Erschreckende Aktualität

Es sei erstaunlich und auch erschreckend, wie aktuell die Notwendigkeit der Forderung nach Unterstützung der Hochschulen heute noch sei, stellte er fest und bekräftigte mit einem Hinweis auf die Rohstoffarmut Deutschlands: „Wir müssen in Bildung investieren, mehr als jedes andere Land.“ Im Anschluss an den von Pfarrer Udo Lenzig und Pfarrer Jens Sannig geleiteten Sonntagsgottesdienst traf man sich zu einer von Elke Bennetreu moderierten Fragerunde im Bonhoefferhaus.

Die Feststellung, dass die Hierarchie in der damals bestehenden Kirche für ökonomische Vorteile Einzelner missbraucht worden ist und dass Luther sich konsequent gegen diese Auswüchse wandte, nahm Baumann zum Anlass heutige „unerträglich hohe Managergehälter“ als asozial anzuprangern.

Im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingssituation habe es für ihn aus Luthers Reformation „nichts zu holen“ gegeben. Im Gegensatz zu dessen „Türkenhass und Judenhass“ erlebe er die kulturelle Vielfalt bei einem Anteil von 30 Prozent ausländischer Studierender an der Hochschule Jülich als absolut positiv. Bei der Frage, wo die jungen Menschen heute in der Kirche blieben, machte sich eine gewisse Ratlosigkeit breit.

Henrike Wille verlieh dem Gottesdienst mit ihrem Geigenspiel einen feierlichen Rahmen.

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