Feinstaubalarm: Luftqualität brennt Städten auf den Nägeln

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Nach Peking stehen jetzt deutsche Großstädte wie Stuttgart auf der Agenda: Prof. Astrid Kiendler-Scharr vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Troposphäre. Foto: Sascha Kreklau / Forschungszentrum Jülich

Jülich. Seit vergangener Woche herrscht erstmals Feinstaubalarm in einer deutschen Stadt. Stuttgart hatte die Bürger gebeten, Autos stehenzulassen und bestimmte Kamine nicht zu nutzen. Medienberichten zufolge scheint die Resonanz nicht allzu groß zu sein.

„Um Belastungen wie in Stuttgart gezielt zu reduzieren, müssen Atmosphärenforscher noch konkreter herausfinden, wer in welchem Maß Verursacher für Feinstaub ist. Hier besteht noch einiger Forschungsbedarf“, sagt Prof. Astrid Kiendler-Scharr vom Institut für Energie- und Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich. Sie beschäftigt sich mit physikalischen und chemischen Prozessen in der Atmosphäre.

„Feinstaub entsteht nicht nur durch Verkehr, Industrie oder Verbrennung von Holz. Ein Teil bildet sich erst in der Luft durch die Reaktion von Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden mit sogenannten Radikalen, sehr reaktiven und kurzlebigen Molekülen“, erläutert die Wissenschaftlerin. Seit mehreren Jahren untersuchen sie und weitere Jülicher Forscher die Luft im Großraum Peking.

Stuttgart und die chinesische Hauptstadt lassen sich jedoch nur bedingt vergleichen – nicht nur wegen der unterschiedlichen Größe. „In der chinesischen Hauptstadt werden in Akutphasen Belastungen mit Partikeln bis zu zehn Mikrometer Größe (PM10) von einigen 100 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Das kann man mit bloßem Auge sehen und ist zehnmal so hoch wie der europäische Grenzwert, der an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. Noch interessanter sind für uns die nur ein Mikrometer großen Partikel (PM1), denn insbesondere die gefährden die Gesundheit“, erklärt sie. Mit „RAdical chemistry in ChinesE megacities“ (RACE) ist gerade erst eine neue Jülicher Messkampagne in China gestartet. Hier wollen die Wissenschaftler noch mehr über Luftverschmutzung und chemische Prozesse herausfinden.

In Messnetzwerken zur Luftqualitätsüberwachung werden über einen Tag gemittelte Werte herangezogen, um die Belastung zu bestimmen. „Um Quellen exakt bestimmen zu können, müssen wir zunächst eines machen: genauer messen. Mit zeitlich hochaufgelösten Messungen auch von kleinen Partikeln lässt sich genau klären, wann welche Belastungen von wem auftreten“, so Kiendler-Scharr. Dann lassen sich auch passende Gegenmaßnahmen entwickeln.

So wie etwa in Bad Homburg: Dort fanden die Jülicher Wissenschaftler mit ihren mobilen Messgeräten heraus, dass Busse eine wichtige Quelle für die Stickoxidkonzentration in der Luft sind. Umweltfreundliche Busse sollen nun helfen, die für einen Luftkurort notwendige besonders gute Luftqualität zu erhalten.

Gerade bei Kommunen stellen die Jülicher Forscher ein großes Interesse an exakten Modellen zur Vorhersage der Luftqualität fest. „Für Feinstaub fehlt uns das noch, aber Deutschland ist gerade dabei, hier die Forschung gezielt zu intensivieren. Jülich ist hier stark involviert“, berichtet die Expertin für atmosphärische Spurenstoffe.

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