Feinstaub-Grenzwert 21-mal überschritten

Von: jago
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Ob in Garzweiler, Hambach oder Inden (Bild): Die Tagebaue der Region setzen Stäube frei. Foto: Uerlings
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Charakteristiken und Wirkungen des Feinstaubs beschrieb bei der Infoveranstaltung in Jackerath Dr. Eckehard Koch vom NRW-Umweltministerium. Foto: Jagodzinska

Jackerath. Die Feinstaubbelastung durch den Braunkohletagebergbau war das Hauptthema einer Informationsveranstaltung des Ortsverbands Titz der Grünen im Jackerather Pfarrheim. Die bemerkenswert große Zahl interessierter Bürger zeigte, wie sehr den direkt betroffenen Menschen das Thema auf den Nägeln brennt.

„Die Ergebnisse haben mich erschüttert“, sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Gudrun Zentis mit Blick auf die Statistik. Gemeint waren die Messwerte der zum Jahresbeginn in Jackerath eingerichteten Messstation, die vom 1. Januar bis zum 30. April bereist 21 Überschreitungstage der Fein-staub-Höchtsgrenze verzeichnet hat. Die zugestandene Jahreshäufigkeit beträgt 35 Tage.

Zunächst referierte Dr. Eckehard Koch vom Umweltministerium des Landes NRW zu den gesundheitlichen Belastungen. Mit hochinteressanten Auswertungen und Statistiken belegte er die Feststellung, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Feinstaubbelastung und dem Anstieg der Sterblichkeit bestehe.

Auch wenn die Vielfalt und Komplexität der Zahlen fast schon Expertenwissen vorausetzten, um die konkreten Zusammenhänge zu verstehen, blieb das Interesse bei den Zuhörern sehr hoch – man hatte sich offensichtlich schon im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftigt. Bei der Präzisierung der Bemühungen des Ministeriums um die Verbesserung der Luftqualität und den daraus resultierenden Gesundheitsgewinn erinnerte Dr. Koch an die Vorgabe, dass EU-Richtlinien zu beachten und in nationales Recht umgesetzt werden müssten. So beruhen beispielsweise Grenzwerte und deren zugestandene Überschreitungshäufigkeiten auf Konventionen von Organisationen verschiedenster Interessen.

Zum gleichen Thema sprach Wolfgang Schäfer vom „Netzwerk Bergbaugeschädigter“. Seinem Vortrag schickte er einen kurzen Film voraus, der mit einprägsamen Bildern die Staubentwicklung durch den Tagebau aufzeigte und auf großes Interesse stieß. Doch nicht der auf der heimischen Terrasse sichtbare Grobstaub ist das Hauptproblem, so ärgerlich und kostenintensiv dessen Beseitigung auch sei. „Das Gefährlichste ist die Fraktion PM10 und kleiner“, bestätigte er die Ausführungen seines Vorredners. „PM10“ lautet der Fachbegriff für Feinstaub. Sehr vereinfacht ausgedrückt: Staub, der vom menschlischen Auge nicht mehr gesehen werden kann und deshalb umso gefährlicher ist. Ein weiterer Film verdeutlichte, wie die ultrafeinen Partikel in die Lunge eindringen und sich an den Lungenbläschen anlagern. „Bereits die kleinste Dosis hat eine auslösende Wirkung“, warnte Schäfer vor einer Verharmlosung. Dies treffe ebenso auf die beim Tagebau freiwerdende Radioaktivität zu. Als Beiprodukt in der Braunkohle werden in einem J2ahr bei geförderten 240 Millionen Kubikmetern Abraum 88 Tonnen Uran abgebaut, zu fünf Sechsteln verkippt und zu einem Sechstel der Verbrennung zugeführt. So werde beim Versuch der Reduzierung des Staubflugs durch Nebelkanonen das Grundwasser über die Zwischenstation Radon mit dem hochtoxischen Polonium 210 belastet.

Die Zuhörer in Jackerath wussten die Bemühungen der Grünen-Fraktion im Landtag – von Zentis kämpferisch als das „kleine grüne Häufchen, das sich Mehrheiten suchen muss“ beschrieben – durchaus zu würdigen. Dennoch war Unmut zu spüren, man fühlt sich ob der Ankündigung von Plänen, denen wieder Sitzungen anstatt Taten folgen, hilflos. Besserung versprachen Zentis und Dr. Koch durch den in Angriff genommenen „revierweiten Luftreinheitsplan“, der laut NRW-Umweltminister Johannes Remmel „gegen alle Widerstände“ durchgesetzt werden solle. Die Empfehlungen von Zentis „Die Alternative kann nur sein, an vielen Stellen zu pieksen“ und Schäfer „Ich kann Ihnen nur raten, tun sie sich zusammen“ wurden von der Versammlung vernommen, wirklich Hoffnung kam nicht auf.

Das Kurzreferat „Bergschäden in unserer Region“ fand nach zwei Stunden nicht mehr die volle Aufmerksamkeit und wird zum späteren Zeitpunkt nachgeholt.

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