Kreis Düren - Feiertagsproblematik: Wenn am „Tag der Arbeit“ Wochenende ist

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Feiertagsproblematik: Wenn am „Tag der Arbeit“ Wochenende ist

Von: Sascha Schiffer
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Sie kennt das Nachholen der Feiertage aus Polen: die Doktorandin Ewa Osekowska. Foto: Schiffer

Kreis Düren. Ein gesetzlicher Feiertag am Wochenende: Die Arbeitnehmer ärgern sich, da sie keinen zusätzlichen freien Tag haben; die Arbeitgeber freuen sich, da ihre Mitarbeiter einen Tag mehr arbeiten können. Das ist jetzt am Sonntag, 1. Mai, am „Tag der Arbeit“, der Fall. Das ist Diskussionsstoff für die Politiker – genau so wie die Frage, ob man die Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, in der Woche nachholen soll.

Im Jülicher Land sind die Bürger unterschiedlicher Meinung. „Ich finde die Idee eigentlich ganz gut. Dadurch hätte man noch mehr Zeit mit der Familie“ sagt die 28-jährige Mutter Nikol H. aus Jülich. Auch Sandra Möckel, 42-jährige Erzieherin aus Selgersdorf, ist davon angetan: „Grundsätzlich ist das eine gute Maßnahme.“

Arbeitgeber wie Floristin Lieselotte Krim aus Jülich finden diesen Vorschlag jedoch nicht so gut. „Die Arbeitgeber werden durch eine solche Maßnahme benachteiligt, und außerdem kommt es sowieso nur selten vor, dass ein Feiertag auf ein Wochenende fällt.“ Schaut man sich die gesetzlichen Feiertage in Deutschland an, die in jedem Bundesland gleich sind, zeigt sich, dass dieses Jahr zwei der neun gesetzlichen Feiertage an einem Wochenende sind: der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ und der 25. Dezember, der erste Weihnachtsfeiertag. In den nächsten zwei Jahren sieht das wieder anders aus. 2017 ist der 1. Januar der einzige Feiertag an einem Wochenende. 2018 sind alle gesetzlichen Feiertage an Wochentagen.

In Europa schon lange etabliert

Was in Deutschland für Diskussionsstoff sorgt, ist in vielen europäischen Ländern schon lange etabliert. In Großbritannien, Spanien und Belgien ist es bereits länger so, dass die Feiertage, die auf das Wochenende fallen, entweder am folgen Werktag nachgeholt werden oder ein bestimmter Werktag im Laufe des Jahres als Ersatztermin festgelegt wird. In Luxemburg können die Unternehmen sogar selbst bestimmen, wann sie den Feiertag nachholen.

Auch in Polen und den Niederlanden gibt es die Verschiebung der Feiertage schon lange. „Ich komme ursprünglich aus Polen, und da ist es schon lange so. Deshalb denke ich, dass das auch für Deutschland eine gute Idee wäre“, sagt die 30-jährige Doktorandin Ewa Osekowska aus Jülich. Der 33-jährige Gemüseverkäufer Renato Jansen aus Kerkrade sieht das ähnlich: „Ich komme aus Holland, da gibt es das schon seit Jahren. Es hat zwar seine Vor- und Nachteile, aber eigentlich finde ich, ist das eine gute Idee. Auch für Deutschland.“ Nach einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gibt es weltweit mindestens 86 Länder, in denen die Feiertage vom Wochenende auf einen Wochentag verschoben werden.

Diese Feiertagsdiskussion ist nicht neu. Bereits Ende 2014 war die Linken-Politikerin Sabine Zimmermann für eine solche Regelung. Damals wurde der Vorschlag von der Bundesregierung abgelehnt. Auch bei der neuerlichen Diskussion ist Sabine Zimmermann wieder vorne mit dabei. Diesmal wird sie unterstützt von der SPD-Politikerin Katja Mast und der Grünen-Politikerin Beate Müller-Gemeke. Es gibt nicht nur unterschiedliche Meinungen auf der Bundesebene, sondern auch im Landtag.

„Wir haben andere Probleme“

Auf die Frage, wie die Landtagsabgeordneten zu dieser Maßnahme stehen, antwortet Peter Münstermann (MdL/SPD): „Das ist eine gute Frage. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht. Für die Arbeitnehmer ist es arbeitnehmerfreundlich. Für die Arbeitgeber eher nicht. Ich sehe das sehr gespalten, aber da ich ja eher arbeitnehmerfreundlich gesonnen bin, würde ich die Regelung eher für gut ansehen.“ Josef Wirtz (MdL/CDU) ist anderer Meinung: „Man soll es lassen, wie es ist. Es hat sich über Jahrzehnte bewährt. Wir haben andere Probleme im Land zu lösen.“

Unterstützung bekommt er von der Grünen-Politikerin Gudrun Zentis (MdL), die auf die Frage nur schmunzelnd antworten kann: „Themen, die die Welt bewegen. Aber im Ernst, der 1. Mai ist der 1. Mai, egal ob das ein Sonntag ist oder nicht. Ich habe zwar Verständnis dafür, dass sich die Arbeitnehmer das wünschen, aber wenn man das ändern würde, würde das wieder so viel Bürokratie nach sich ziehen. Das wollen wir alle nicht.“ Zudem ergänzt sie, dass „wenn wir Feiertage an einem anderen Tag nachholen würden, würde der eigentliche Tag an Bedeutung verlieren“.

Die Politik ist sich uneinig, und es wird sich zeigen, ob der zweite Anlauf einer Änderung erfolgreich wird oder nicht.

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