Fazinierendes Zeugnis der Wirtschaftswunder-Jahre

Von: Kr.
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Das Treffen der Heinkelroller-Freunde in Jülich. Foto: Walter Schäfe
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Zum 33. Heinkeltreffen war Rainer Nutzel aus Frankfurt (kniend) mit dem ältesten Roller aus Frankfurt angereist. Foto: Król

Jülich. „So, die läuft jetzt besser als vorher“, sagt Rainer Nutzel, nachdem er den Freitagabend und auch noch am Samstagmorgen an seinem Heinkelroller Typ „Tourist 101 A 0“ geschraubt hat. Der Frankfurter ist einer der 400 Teilnehmer des 33. Internationalen Heinkel Jahrestreffen.

Diese hatten sich über das lange Wochenende im Jülicher Brückenkopf-Park eingefunden. Heinkel-Freund Nutzel ist Besitzer des ältesten Rollers aus dem Jahre 1956 der Veranstaltung, der liebevoll „Kicki“ genannt wird wegen des Kickstarters. Nicht ohne Stolz erklärte er, dass er von Frankfurt „auf eigener Achse“ angereist sei. Auf „eigener Achse“ ist auch Karl Heinz Bachtel gekommen. Der ehemalige Lich-Steinstraßer, der seit 1960 in Oberbayern lebt, hat mit seinem Roller die Strecke von 830 km aus Taufkirchen (Vils) zurückgelegt und wurde dafür mit einem Pokal ausgezeichnet. Der Mechanikermeister hat zwei Tage gebraucht und freute sich unter anderem, seine Verwandtschaft im Möhnewinkel zu besuchen.

Einer, der jede Schraube am Heinkel-Roller kennt, ist Werner Jablonski aus Recklinghausen. „Meinen ersten Heinkel-Roller Typ 103 A1 habe ich im Jahre 1963 durch Zufall erworben. Zu der Zeit fuhr ich eine NSU Max, die mir unterwegs liegengeblieben ist. Also schob ich meine Max in die nächste Reparaturwerkstatt und fuhr für 14 Tage in den Urlaub. Als ich wiederkam, war sie weg. Nach einer heißen Diskussion bot mir der Werkstattmeister einen 103-A1 Heinkel-Roller mit einer Zuzahlung von 50 DM an und wir wurden uns einig“, erzählt er. Die Liebe zu seinem Roller hält bis heute an.

Als das Wirtschaftswunder in Deutschland begann, waren Heinkelroller des ehemaligen Flugzeugbauers aus Zuffenhausen hoch im Kurs. „Das war damals der Mercedes unter den Rollern und von der Technik und Robustheit seiner Konkurrenz voraus. Für viele junge Leute war es ein Traum, diesen Roller zu besitzen, der meisten in kleinen Raten abgestottert wurde “ erinnerte sich Werner Jablonski. Neben den rund 200 Heinkelrollern gab es noch weitere Mythen auf Rädern zu bewundern wie das Rollermobil Heinkel Kabine 150. Dieser Typ war ein Dreiradfahrzeug mit 9,2 PS und 173 Kubikzentimeter Hubraum, serienmäßigem Klappdach und Fronttür und kostete 2750 DM. Oder die Heinkel Perle, ein Moped mit einem Hubraum von 49 Kubikzentimetern und 1,5 PS, die zwischen 1955 und 1958 gebaut wurde.

Die Organisatoren des Treffens, Ingo Koch und Evelin Adams vom Heinkel Club Deutschland, hatten ein tolles Programm für die Oldtimerfreunde zusammengestellt. Man kennt und schätzt sich schon seit Jahren unter den Rollerfahren und so herrschte rund ums Lindenrondell eine familiäre und lockere Atmosphäre. Neben der abendlichen Lagerfeuerromantik mit Benzingesprächen und Erfahrungsaustausch standen zahlreiche Ausfahrten in die Umgebung auf dem Programm.

Gemeinsam fuhr man zum Indenmann, es stand eine Busfahrt in den Tagebau Hambach auf dem Plan. Am Samstag war Besuchertag für die Öffentlichkeit mit Sport, Spiel, Spaß und einem Slalomparcours. Am Sonntag nach dem Frühstücksbuffet im Festzelt fand die Verabschiedung der Teilnehmer. Wie viele andere sind auch Karl Heinz Bachtel und Werner Jablonski bei fast jedem Jahrtreffen der letzten drei Jahrzehnte quer durch die Republik dabei gewesen. „Solange wir noch können, werden wir Roller fahren, es ist eine Faszination, mit der man sich einen Jugendtraum erfüllt“, sagten sie.

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